Es sollte ein attraktives Dorf für Urlauber werden

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Zum 125-jährigen Bestehen des Verkehrsvereins Reit im Winkl präsentieren Lisa Ruh und Florian Weindl vor der Tourist-Info das Original-Sitzungsbuch aus der Gründerzeit und den Jahresbericht 2020. (Foto: Hauser)

Reit im Winkl – Konstruktive Zusammenarbeit mit Vermietern, Gemeinde, Tourist-Info und überregionalen Verbänden – dafür steht der Reit im Winkler Verkehrsverein seit 125 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums blickten Vorsitzender Florian Weindl und seine Stellvertreterin Lisa Ruh in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt auf die Vereinsgeschichte zurück.


Wie aus dem Sitzungsbuch hervorgeht, wurde der Verein am 27. Februar 1896 unter dem Namen »Verschönerungsverein Reit im Winkl« beim Oberwirt, dem heutigen Gasthof zur Post, gegründet. 80 Mark legten die Gründer damals als Startkapital zusammen. »Vereinfacht gesagt hatten die Gründer die Vision, aus Reit im Winkl ein schönes und attraktives Dorf für Urlaubsgäste zu machen und damit weitere Einnahmemöglichkeiten für viele Reit im Winkler zu schaffen«, so Weindl. »Bei der Gründung des Vereins war kaum vorstellbar, was sich aus dem Verschönerungsverein entwickeln wird und selbst die optimistischsten Vorstellungen waren wahrscheinlich weit entfernt von dem, was Reisen und unseren Verein heute ausmacht«.

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Die Gründung des Vereins fiel noch in die Zeit von Kaiser Wilhelm II., erinnerte Weindl. 1896 fanden in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt, 1845 gründete Thomas Cook in England das erste Reisebüro und 1870 wurde angeblich das »Skilaufen« in der Schweiz geboren. Das Telefon wurde 1878 erfunden und 1886 meldete Carl Benz sein »Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb« zum Patent an – das Auto wird zum Fortbewegungsmittel der Neuzeit werden. Die Industrialisierung schien den Leuten das Leben leichter zu machen, aber auch zwei Kriege standen der Welt bevor.

Nach schweren Nachkriegsjahren hatte sich die deutsche Wirtschaft Ende der 1950er Jahre sehr gut erholt. Reisen war nicht mehr nur ein Privileg der Oberschicht. Immer schneller und leichter waren ferne und exotische Ziele erreichbar, aber auch die Sommerfrische in den bayerischen Bergen boomte. »Nicht im Traum dachten unsere Gründer, dass einmal 120 000 Gäste jährlich Reit im Winkl besuchen werden und aus dem gerade erfundenen Telefon ein kleines Gerät werden wird, das wir immer und überall dabeihaben und ohne das das Reisen fast nicht mehr denkbar ist«, so Weindl weiter.

»Die Corona-Pandemie hat uns nun sehr drastisch vor Augen geführt, dass es ein sehr sensibles Geflecht ist, das uns alle umgibt und die Freizügigkeit des Reisens eben doch Grenzen kennt. Der Blick auf das Wesentliche wurde schmerzlich geschärft und fast vergessene Werte wieder wichtig. Gesundheit, Familie, Freunde, intakte Naturlandschaften und auch Gastfreundschaft sind keine Selbstverständlichkeit und deshalb möchten wir uns in diesen schwierigen Zeiten ganz besonders für 125 Jahre Gastfreundschaft in Reit im Winkl bedanken«.

Mit einer Feier am 12. November will der Verein allen »Danke« sagen, die mitgewirkt haben, den Tourismus in Reit im Winkl aufzubauen. Mit Blick auf die Entwicklungen der nächsten Monate und der gebotenen Vorsicht könne die 125-Jahr-Feier aber nur unter Vorbehalt geplant werden.

Weindls Stellvertreterin Lisa Ruh, selbst Vermieterin, nannte als besonders wirkungsvolles Beispiel für gute Zusammenarbeit im Ort den Vermieterstammtisch. »Dieser hat vor vielen Jahren ganz klein angefangen, wir sind mit etwa acht Personen gestartet«, sagte sie. 40 Vermieter und mehr seien mittlerweile keine Seltenheit mehr. Dabei gebe es immer eine kleine Präsentation zur Saison. Es finde ein reger Austausch unter den Vermietern statt, und jeder könne sich in die Diskussion einbringen.

Stillstand sei Rückschritt, und es gebe noch viel zu tun in den nächsten Jahren, so Weindl, auch Leiter der Tourist-Info Reit im Winkl, und Lisa Ruh zur Frage nach Zielen des Vereins in der kommenden Zeit. Sie nannten dabei unter anderem die Mitarbeit an der neuen Internetseite. Der Informationsfluss untereinander spiele eine immer größere Rolle und dafür wolle man verstärkt Schulungen bieten. Angesprochen wurden die vielfältigsten Aufgaben für heutige Vermieter. Den Beruf des Vermieters wolle man besonders jungen Leuten positiv darstellen. »Er ist besonders auch für junge Mütter ideal, weil er auch bei Vorhandensein von Kindern ausgeübt werden kann«, sagte Lisa Ruh. Die Pflege eines angenehmen Miteinanders mit den Gästen sei ein weiterer positiver Aspekt.

sh

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