Die »Institution Bachhuber« ging zu Ende

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Sie waren als Schulbusfahrer eine Institution in Reit im Winkl: Fast 50 Jahre lang brachten Annemarie und Willi Bachhuber die Kinder täglich zur Schule und wieder heim. Jetzt würdigten Schulleiterin Monika Kilgenstein und Bürgermeister Matthias Schlechter das Ehepaar, sie überbrachten beste Wünsche und auch einen Präsentkorb und einen Blumenstrauß. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl – Fast ein halbes Jahrhundert war der Bustransport der Schul­kinder in Reit im Winkl unverrückbar mit Annemarie und Willi Bachhuber verbunden. Seit 1970 brachten sie die Mädchen und Buben mit höchster Verlässlich­keit zur Schule und mittags oder nachmittags wieder heim.


Eigentlich mussten sie schon vor knapp einem Jahr ihre Ortslinie gesundheitsbedingt aufgeben, aber coronabedingt erst jetzt konnten Schulleiterin Monika Kilgenstein und Bürgermeister Matthias Schlechter den Eheleuten aus Blindau einen Besuch abstatten. Mit warmherzigen Worten würdigten beide die Institution »Schulbus Bachhuber« und überreichten mit tiefer Dankbarkeit einen Präsentkorb und einen Blumenstrauß.

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Blindau, Birnbach, Oberbichl, Ötzleiten, Schule: Morgens startete Annemarie oder Willi Bachhuber im Auftrag der Gemeinde auf diese Runde durch diese Reit im Winkler Ortsteile, mitun-ter auch zweimal. Mittags dann nach der vierten, der fünften und der sechsten Stunde wieder die gleiche Runde. Immer herzlich, manchmal auch energisch, immer auf die Minute – Pünktlichkeit war das Markenzeichen des Busfahrerehepaars.

Wie oft sie an Bushaltestellen selbst ein paar Minuten warten mussten, weil schnell noch der Kaba ausgetrunken oder das Pausenbrot geschmiert werden musste, ist nicht bekannt. Aber: Der Schulbus war eben da und die Mädchen und Buben konnten so wie immer noch rechtzeitig vor dem Gong zur ersten Stunde die Klassenzimmer erreichen.

Mitfahren durften natürlich die busberechtigten Kinder, mitfahren durften aber gerne auch »geduldete« Kinder, wenn ihnen der Heimweg zu Fuß manchmal recht schwer fiel. Und auch bei den Haltestellen zeigten die Bachhubers eine gewisse Flexibilität, sie wussten ja zu genau, welcher Bub oder welches Dirndl von welchem Wohnhaus oder Bauernhof stammte. Und schließlich erlebten sie im Laufe der Jahre und Jahrzehnte auch, wie ihre einstigen Buskinder groß und größer wurden, um schließlich irgendwann wieder deren Nachwuchs in den Bus ein- oder aussteigen zu lassen.

Vier Schulleiter haben sie seit 1970 erlebt, etliche Busse wurden angeschafft und irgendwann wieder weitergegeben. Nie war ein Schulbus in dieser ungewöhnlich langen Zeit in einen ernsthaften Unfall verwickelt, auch nicht in manch strengen und schneereichen Wintermonaten.

Diese Beständigkeit, ihre Verlässlichkeit war es denn auch, die Schulleiterin Monika Kilgenstein und Bürgermeister Matthias Schlechter bei ihrem Besuch besonders würdigten. Verbunden freilich war der tiefe Dank mit dem Wunsch nach Gesundheit und einem anregenden Ruhestand. Für viele Reit im Winkler jedenfalls bleibt die Erinnerung an die eigene Schulzeit stets verbunden mit der sich öffnenden Schulbustür und dem »Guten Morgen« von Annemarie und Willi Bachhuber.

»Pfiat Eich« würden die unzählig vielen Buskinder vielleicht an dieser Stelle sagen und sich den oben genannten Wünschen gerne anschließen: Gesundheit und einen zufriedenen Ruhestand. fb

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