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Vergabekriterien in Petting werden nicht geändert

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Foto: Jens Büttner/dpa-Symbolbild

Petting – Zum 1. Februar 2018 setzte Pettings Gemeinderat die Vergabekriterien nach dem sogenannten Einheimischenmodell neu fest. Darin geregelt sind die Mindestanforderungen und eine Sozialpunktezuteilung entsprechend der Kinderzahl. Genau daran wollte Bürgermeister Karl Lanzinger nun wieder rütteln, indem er vorschlug, die Kinderpunktezahl von zehn auf 20 zu erhöhen. Diesem Wunsch folgte der Gemeinderat nicht.


»Es gibt die Diskussion, die Baulandkriterien anzupassen«, stieg der Rathauschef in das Thema ein. Ihm war aufgefallen, dass ein junger Student im Vergleich zu einem durchschnittlich verdienenden Familienvater im Vorteil sei. Daher sein »Gedanke«: Die Kinderpunkte erhöhen. Wobei die sogenannten Sozialpunkte jedoch auf 60 begrenzt sind. Unterstützung fand Lanzinger in Franz Vordermayer: »Beim Einkommen zählen die letzten drei Jahre. Mir gefällt es gut, Kinder zu gewichten.«

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In zwei Jahren nochmal drüber diskutieren

Insgesamt käme man relativ gut hin, befand dagegen Andreas Götzinger, die meisten seien wohl verheiratet, hätten Kinder, und die Frau arbeite daher Teilzeit. »Bauchweh« gestand Franz-Martin Abfalter, »wir ändern während eines laufenden Verfahrens.« Er schlug vor, sich allenfalls für die Zukunft Gedanken zu machen. »Wir haben uns darüber bereits brutale Gedanken gemacht«, erinnerte Josef Stippel an die Vorarbeit zu einer Neuregelung. »Mehr Ledige«, erwartet Vordermayer, worauf Ludwig Prechtl erwiderte: »Die wollen auch bauen.« Der Vizebürgermeister unterstützte Abfalters Sicht, wonach entschieden sei und man jetzt nicht »den Spieß umdrehen« könne. Prechtl würde gerne »Erfahrungswerte sammeln« und in zwei Jahren nochmal darüber diskutieren.

»Die Kriterien stehen im Internet – und dann?«, gab Götzinger zu Bedenken. Ambivalent die Haltung von Martin Häusl: »Ich würde dabei bleiben, aber Familien unterstützen.« Das möchte auch Vordermayer: »Bei einem Studenten weiß man doch gar nicht, ob der in drei Jahren einzieht. Wir haben Beispiele, wo nur ein Rohbau steht.« Im Übrigen beobachte man derzeit eine Flucht des Kapitals in Immobilien. Diese Sorge mochte Götzinger im Falle Pettings nicht teilen.

Weil man lange nichts getan habe, gebe es nun den Stau, konstatierte Christian Mayer. Lanzinger mochte einer Verschiebung nichts abgewinnen, denn: »Wir können nicht versprechen, dass wir in drei Jahren wieder was haben. Alles hat zwei Seiten.« Prechtl erinnerte an ein wichtiges Kriterium: »Der Bewerber darf nicht mehr besitzen, als der Baugrund kostet.« Auch er gestand »Bauchweh«, denn alle Interessierten hätten es sich zwischenzeitlich ausgerechnet, und würden dann feststellen: »Ihr sads schene Hanswurstn.«

»Keiner kennt die Bewerberliste«

Lanzinger versuchte, die Bedenken der Kollegen zu zerstreuen: »Keiner der Gemeinderäte kennt die Bewerberliste.« Anders Verwaltung und Bürgermeister, denn die hatten die Bewerber angeschrieben. »Die Verwaltung war wochenlang damit beschäftigt, die nötigen Unterlagen einzuholen«, bilanzierte Lanzinger. Worauf Vordermayer fragte, was denn nun Auslöser der Diskussion gewesen sei. »Das kam eher von mir«, gestand das Gemeindeoberhaupt, anerkannte aber auch: »Ich höre eine Mehrheit für ein Beibehalten raus.« So war denn auch das Abstimmungsergebnis: Mit Lanzinger stimmte lediglich Vordermayer für eine Höherbewertung von Kindern.

Kurz vor der Sitzung hatte die Verwaltung die Nachricht eines Bewerbers erreicht, der bat, von einer Höherwertung von Kindern abzusehen. Denn er und andere Interessierte planten ihr Leben genau andersrum: Zuerst das Nest bauen und dann Kinder zeugen. höf