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Verkehrsunfälle mit Lkw sind für die Feuerwehren eine besondere Herausforderung. Der Kreisfeuerwehrverband hat deshalb ein Seminar „Technische Hilfe Lkw“ entwickelt. Nun fanden die ersten beiden Termine für 32 Aktive der Feuerwehren im Landkreis Traunstein statt. Fotos: Hobmaier

Unfälle mit Lkw sind eine besondere Herausforderung: Erstmals Seminar für Feuerwehren der Region

Petting – Nicht nur auf den Autobahnen, sondern auch auf Landstraßen nimmt der Schwerverkehr zu. Feuerwehren werden immer wieder zu Sicherungsmaßnahmen sowie Lkw-Bergungen gerufen und kommen auch dann zum Einsatz, wenn es sich um schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen handelt. In zwei Tagesseminaren des Kreisfeuerwehrverbandes konnten sich nun zahlreiche heimische Einsatzkräfte das nötige Wissen rund um die Menschenrettung aus den schweren Zugmaschinen aneignen.


„Die Fahrzeughöhen von bis zu 3,90 Metern und eine Sitzhöhe der Insassen von rund 2 Metern über dem Boden unterscheidet sich deutlich von einer Rettung aus einem Auto“, erklärt Matthias Seidenfuß vom Kreisfeuerwehrverband und ergänzt, „da wird eine schnelle und sichere Rettung von verletzten Personen ungleich schwieriger“. Aus diesem Grund habe man sich dem Thema nun angenommen und einen eigenen Lehrgang für die Technische Hilfeleistung für Lastkraftwagen ins Angebot für die 80 Feuerwehren herausgebracht.

Als Ausbilder konnte man Axel Topp von der Berufsfeuerwehr Nürnberg gewinnen. Der hauptamtliche Sachgebietsleiter und Brandamtsmann ist in Sachen „Technische Lkw-Rettung“ ein in Feuerwehrkreisen bekannter Ausbilder und bringt viele Jahre Praxiserfahrung mit. Die Verantwortlichen haben bewusst darauf geachtet, dass die praktischen Übungen im Vordergrund stehen und die Teilnehmer die notwendigen Maßnahmen und richtigen Abläufe anwenden können.

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An zwei Tagen konnten so insgesamt 32 aktive Frauen und Männer der Feuerwehren Fridolfing, Erlstätt, Eisenärzt, Pietling, Holzhausen, Traunreut, Waging am See, Trostberg, Inzell, Traunstein, Petting, Engelsberg, Surberg, Ruhpolding, Kirchanschöring, Kirchstätt, Stein, Trostberg und Pietling das Seminar besuchen und wertvolle Kenntnisse in Sachen „Technische Lkw-Rettung“ erlangen. „Das Feedback der Teilnehmer war überwältigend“, so Matthias Seidenfuss, „deshalb sind wir bereits jetzt auf der Suche nach einem neuen Schrott-Lkw, der im nächsten Lehrgang als Unfallfahrzeug dient“.

In diesem Jahr konnte ein ausrangiertes Fahrzeug von der Firma Agrardienstleistungen Aicher aus Petting für die Übungen genutzt werden. „Es ist jedoch gar nicht so einfach, an alte Lkw zu kommen, die wir für die Seminare brauchen“, erklärt der Fachberater und Lehrgangsleiter des Verbandes. Als Zugabe konnten sich die Seminarteilnehmer mit einem „nagelneuen“ Fahrzeug vertraut machen und aktuelle Sicherheitseinrichtungen kennenlernen. Dieses hatte die Brauerei Schönram zur Verfügung gestellt.

Bei den Übungen am Fahrzeug trainierten die Teilnehmer nicht nur die vorbereitenden Maßnahmen, vielmehr mussten sie sich zunächst einen Zugang verschaffen und eine sogenannte „Rettungsplattform“ in Stellung bringen, ehe sie mit Schere, Spreizer und Rettungszylindern Zugang in die Fahrgastzelle erlangen konnten. Mit vereinten Kräften konnten sie den Insassen aus seiner misslichen Lage befreien und mittels Trage aus dem Führerhaus der Zugmaschine retten.

Die Seminarteilnehmer haben durch den Ausbilder zahlreiche alternative Möglichkeiten an die Hand bekommen. „Es ist bei der Feuerwehr wichtig, dass man immer einen Plan B in der Schublade hat, damit man schnell reagieren kann, wenn etwas nicht wie gewünscht funktioniert“, so Matthias Seidenfuß. Die Möglichkeit, eine Technische Rettung aus einem Lkw zu üben, gibt es nicht jeden Tag. Dies dürfte somit für viele Feuerwehren der Antrieb gewesen sein, sich für dieses Ausbildungsangebot anzumelden.

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Zum Abschluss des Lehrgangs waren sich alle Beteiligten einig. „Ein Patentrezept zur Rettung aus einem Lkw gibt es nicht, mit den erlernten Fertigkeiten verfüge man jedoch über einen Werkzeugkasten voller Möglichkeiten. Damit könne man jede Herausforderung meistern“, so der Tenor aus den Reihen der Teilnehmer. Dies machte sich insbesondere im Feedbackgespräch bemerkbar. Die Feuerwehrler berichteten übereinstimmend, dass dieses Angebot wahrlich „aus der Praxis – für die Praxis“ komme und verliehen übereinstimmend das Prädikat „ausgezeichnet“.

Hob