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Mobilfunkturm am Wertstoffhof kommt – Betrieb erst in drei bis vier Jahren

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Petting: Mobilfunkturm am Wertstoffhof kommt – Betrieb erst in drei bis vier Jahren
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Mitten im Ort Petting steht zur Notversorgung dieser mobile Sendemast. (Foto: Höfer)

Petting – Am Ende einer langen Diskussion waren sich alle Pettinger Gemeinderäte einig: Es braucht diesen Sender. Ein solcher Sender braucht aber auch seine Zeit. Mit allen Verfahren, Vor- und Bauarbeiten werden wohl drei bis vier Jahre ins Land gehen, ehe er 40-Meter-Turm den Ort Petting mitsamt der vorbeiführenden Staatsstraße mit Frequenzen versorgt. Unklar ist noch, ob der Wunsch nach einer Versorgung von Wasserbrenner und Schönram ebenfalls zeitnah in Angriff genommen wird.


Frank-Peter Käßler von der Deutschen Telekom erläuterte im Gemeinderat Technik und Sachlage zu erläutern und beantwortete die Fragen der Gemeinderäte. Bekanntermaßen waren Verhandlungen über einen Weiterbetrieb der Sendeanlage in Streulach gescheitert, der Sendebetrieb von dort sei auch für die Gemeinde überraschend abrupt beendet worden. Die Telekom hat darauf mit einer Notversorgung reagiert. Mitten im Ort steht seit etlichen Wochen ein mobiler 20-Meter-Sendemast.

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»So eine Notversorgung ist nicht selbstverständlich«, betonte Käßler. Mit etlichen bunt eingefärbten Karten zeigte er vorhandene und fehlende Standorte sowie die Qualität der Abdeckung. Den Standort am Wertstoffhof nannte Käßler einen Kompromiss, mit dem der Ort Petting sowie eine beachtliche Wegstrecke der Staatsstraße gut versorgt sei.

Mitreden könne die Gemeinde lediglich bei der Art des Turms: Schleuderbeton oder Stahlgittermast. Keine ästhetische Glanzleistung, räumte der Experte ein, »aber das ist der Preis für diese Technologie«. Eine Technologie, die von vielen erhofft wird und bei einigen gefürchtet ist. Diese Sorge mochte Käßler relativieren, denn der wirkliche »Emissionsträger« sei das Endgerät. Die Belastung durch den Sender betrage gerade mal ein Tausendstel, der Rest komme vom Mobilteil am Körper. Für die beiden Häuser nahe am Standort konnte Käßler Entwarnung geben.

Stichwort Standort. Eine Platzierung bei Loh mit jeweils zweieinhalb Kilometer bis Petting und Schönram ist aus fachmännischer Sicht »heute nicht mehr machbar«. Für Sprachübertragung sei das kein Problem, bei Daten schon. Die Frage nach der Abdeckung ergänzte Ludwig Prechtl (Freie Wählergruppe): »Wird Schönram hinten gelassen?« Man suche auch dort seit geraumer Zeit, erwiderte Käßler, ein Mitbewerber ebenso. Der Vizebürgermeister weiß von einem Privatmann, der Grund für einen Sendemasten zur Verfügung stellen würde. Damit wäre wohl auch das Gewerbegebiet Wasserbrenner versorgt, denn die Firmen dort stünden »am Schlauch«.

Ob Anwohner eingebunden seien, war eine weitere Frage, die die Grüne Liste zuvor an die Fachleute übermittelt hatte. »Durch die Gemeinde über den erforderlichen Bauantrag«, antwortete Käßler. Abgedeckt würden praktisch alle Frequenzbereiche von 700 aufwärts. Jedoch: »3,6 Gigahertz wird es hier nicht geben. Dafür ist der Abstand zu groß.«

Steigt der Elektrosmog mit mehr Anbietern? Ja, im Maße einer Quadratwurzel. Bei vier Sendern steige die »Strahlung« damit nicht auf das Vierfache, sondern um den Faktor 2,5. Ausgelastet sei ein Netz üblicherweise in der Größenordnung 30 bis 40 Prozent. »Volllast erreichen wir nur einmal im Jahr«, erklärte Käßler schmunzelnd, »am 31. Dezember um 24 Uhr.«

Klar sei, jeder Anbieter habe sich an die Bundesimmissionsschutzverordnung zu halten, überwacht von der Bundesnetzagentur. »Diese Rahmenbedingungen sind einzuhalten«, betont der Fachmann, also auch bei dem »Schreckgespenst« 5G oder höher. »Die Frequenz ist technikneutral, wir können hier alles betreiben.« Käßler erwartet, dass sechs Gigahertz nicht kommen werden, ein nächster Schritt wären eher 20 Gigahertz oder mehr. »Doch diese hohen Frequenzen haben nur kurze Reichweiten und haben an diesem Standort wie überhaupt im ländlichen Umfeld keinen Sinn.« Letztlich habe man in diesem »Millimeterbereich« noch zu wenig Erkenntnis, »da wird Zeit ins Land gehen.«

Volllast bedeutet laut Käßler eine Sendeleistung von 200 bis 300 Watt. Zum Vergleich: Der Radiosender vom Gaisberg strahlt mit 100 Kilowatt. Rascher zu verwirklichen wäre ein Sender auf einem Privatbau, wenn er die zehn Meter über Dach nicht überschreitet, denn bis zu dieser Höhe ist ein solches Vorhaben genehmigungsfrei. Andreas Breitenlohner (Freie Wählergruppe) brachte hier das Teerwerk auf Teisendorfer Gemeindegebiet ins Spiel.

Käßler gestand, dass der geplante Sender bei den höherliegenden Gebieten ab Teichting »an die Grenzen« stoße. Wichtig sei generell, ein Netz wabenartig aufzubauen. »Was machen wir mit den Randgebieten«, fragte Regina Schnappinger (Grüne Liste). Käßler dazu: »So ein Sender kostet uns zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Für fünf Leute geht das nicht. Vielleicht gibt es irgendwann eine ganz neue Technik.« Für Petting rechnete Käßler grob vor, dass man mit 12.000 Euro Umsatz pro Monat rechnen dürfe. Daher brauche es diese lange Vertragslaufzeit von 30 Jahren. Ein Rückbau nach Vertragsende sei garantiert.

Einer Anregung von Martin Häusl, doch eine Informationsveranstaltung anzubieten, stand Frank-Peter Käßler skeptisch gegenüber. »Aus Erfahrung weiß ich, dass hier jene Leute kommen, die mit Mobilfunk ein Problem haben.« Solche Abende endeten meist »wie das Hornberger Schießen«. Er sei dabei schon als »Kindermörder« beschimpft worden. Zur Beruhigung aller Skeptiker hatte Käßler ein schönes Bild in seiner Präsentation: Störche nisten auf einen Mobilfunksender.

»Wir kommen nicht drumrum«, bilanzierte Prechtl, »am liebsten wäre mir, wir machen Schönram gleichzeitig«. Bürgermeister Karl Lanzinger (CSU) pflichtete dem bei. »Schön ist so ein Sender nirgends, aber am Wertstoffhof wird das durch die Bäume optisch abgemildert.« Inzwischen habe sich ein zweiter Anbieter gemeldet, der hier »mitmachen will«. Dem Standort am Wertstoffhof stimmte der Gemeinderat einhellig zu. Für Schönram versprach Lanzinger: »Wir bleiben dran.« höf