weather-image

In Petting wird viel gebaut – Grundstücke reichen nicht

0.0
0.0
Petting: Grundstücke reichen nicht – Männer in der Überzahl
Bildtext einblenden
37 DIN-A4-Seiten geballtes Gemeindeleben: Bürgermeister Karl Lanzinger bei seinem Rechenschaftsbericht in der Bürgerversammlung. (Foto: Höfer)

Petting – Von A wie Angebot bis Z wie Zuschuss, von der Geburt bis zum Tod: Bürgermeister Karl Lanzinger spannte bei der Bürgerversammlung im Gasthaus Unterwirt einen weiten Bogen durch seine Gemeinde. Die Schwerpunkte lagen naturgemäß beim Thema Bauen.


Eines machte das Gemeindeoberhaupt in seinem Rechenschaftsbericht deutlich: Die 27 neuen Bauparzellen in der Gemeinde hätte man locker zweimal loswerden können.

Anzeige

Die Bedingungen für eine Vergabe von Bauplätzen im sogenannten Einheimischenmodell mussten aufgrund europäischer Rechtsprechung angepasst, die Punktevergabe modifiziert werden.

»Aktuell sind wir in der glücklichen Lage, dass wir 27 Baugrundstücke auf einmal vergeben können«, so der Bürgermeister – in Ringham, im Pettinger Mühlfeld sowie je zwei Parzellen in Schönram-Nord und am Kirchfeld III. »Die Nachfrage war so groß, dass wir die Grundstücke mindestens doppelt vergeben hätten können.« 75 Euro kostet der Quadratmeter in Ringham und Schönram, 95 Euro in Petting, wobei die Erschließung hinzukommt.

Erweitert wird das Gewerbegebiet Wasserbrenner. Die Straßen- und Kanalerschließung läuft, sodass demnächst Grundstücke vergeben werden können. »Eine Reihe von Firmen hat Interesse angemeldet und mehrere einheimische Firmen haben schon eine Zusage erhalten«, informierte Lanzinger. Hier liegt der Preis bei 35 Euro plus Erschließung. Fertiggestellt ist die Lagerhalle von Feuerwehr und Bauhof. Das Straßennetz der Gemeinde hat eine Länge von über 46 Kilometer.

»Hier nehmen wie uns jedes Jahr etwas vor«, versicherte der Rathauschef, für die öffentlichen Feld- und Waldwege aber seien die Anlieger verantwortlich. Hier übernehme die Gemeinde die Kosten für den Kies. Weniger erfreulich läuft das Projekt Kernwegenetz. »Das ganze Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Ausbau ausgewählter Straßen führte zu einer immer größeren Zeitverzögerung.«

Der Unterbau dieser bestehenden Straßen müsste komplett ausgetauscht und als Sondermüll entsorgt werden, mit der einhergehenden Verbreiterung seien Ausgleichsflächen erforderlich. »Wir haben deshalb beschlossen, die Straße nach Furt auf herkömmliche Weise instand zu setzen.«

Probleme bei »Neuputzham«

Lanzinger räumte ein, dass man bei Neuputzham »nicht recht« vorankomme, da ein Anlieger nicht zum Verkauf von Bankettfläche bereit sei. Bei diesem Thema gab der Bürgermeister bekannt, dass mit Markus Putzhammer ein neuer Feldgeschworener gewählt und vereidigt worden war.

Ein Ziel behält die Gemeinde weiterhin im Auge: den Radweg von Schönram in Richtung Freilassing. Die einheitliche Beschilderung der Wanderwege im Rahmen eines ILE-Programms soll nun endlich im kommenden Jahr umgesetzt werden.

Für die Entwicklung des Grundstücks Steffen am See fehle noch die zündende Idee, räumte Lanzinger ein. Das Haus dort sei derzeit mit elf Männern belegt, hauptsächlich Senegalesen. »Ihre Bleibeaussichten sind leider nicht gut«, bedauert Lanzinger.

Längst abgeschlossen sein sollte der Breitbandausbau in der Gemeinde, wobei Petting das Glasfaserkabel nicht nur bis zu den Verteilern legt, sondern hin an jedes Grundstück. Der Gemeindechef hofft, in der Bürgerversammlung im nächsten Jahr von einen »positiven Ausgang« berichten zu können.

Fertiggestellt worden sind drei Freiflächen-Fotovoltaik-Anlagen. Sonnenstrom gewinnt die Gemeinde von drei ihrer Dachflächen. »Besonders sinnvoll sind sie auf Schule und Rathaus, wo der größte Teil des benötigten Stroms selbst erzeugt wird.« Großflächig liegen Paneelen auch auf dem Schönramer Vereinsheim, laut Lanzinger inzwischen »Aushängeschild der Leader-Aktionsgruppe«.

Neues Rasenspielfeld bereitet Probleme

Probleme bereitet nach wie vor das neue Rasenspielfeld, obwohl oder gerade, weil es nach DIN-Norm gebaut wurde. »Wir wollen mit dem TSV versuchen, das Ganze zu optimieren«, kündigte Lanzinger an, rechnet aber noch einige Jahre mit »erhöhten Kosten.« Für den Weg vom Ort zum Sportgelände samt Beleuchtung läuft momentan ein kleines Dorferneuerungsverfahren, das mit 75 Prozent gefördert wird. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h habe man zumindest im Bereich des Kindergartens erreichen können.

Lanzinger appellierte erneut an die Bürger, in Petting einzukaufen. »Der Einkauf vor Ort erspart Zeit und Nerven.« Gejammert werde immer dann, wenn ein Geschäft zusperrt. Zu guter Letzt erinnerte das Gemeindeoberhaupt seine Bürger an ihre Pflichten: »Hecken, Bäume und Sträucher zurückschneiden. Nicht auf Gehwegen parken.« Speziell die Maisbauern sollten auf Übersicht an Kurven und Kreuzungen achten. Und noch etwas: »Das Bankett gehört zur Straße, nicht zum Feld.« Hinterlassenschaften von Hunden und Pferden würden immer wieder für Unmut sorgen.

Seinen ausführlichen Bericht schloss Lanzinger mit einer Empfehlung: »Wer in der Vorweihnachtszeit etwas spenden will und sichergehen möchte, dass die Mittel auch wirklich ankommen und richtig verwendet werden, der kann auch an unseren Sozialfonds spenden.«

Männer in der Überzahl

In Petting dominiert der Mann. Entgegen der bundes- und landesweiten Geschlechterverteilung sind hier die Frauen mit 47,56 Prozent in der Minderheit. Die Gesamteinwohnerzahl ist seit der letzten Bürgerversammlung um elf angestiegen. 2332 Menschen haben ihren Hauptwohnsitz in der Gemeinde, 89 einen Nebenwohnsitz. Römisch-katholisch sind 81,9 Prozent, evangelisch 3,34. Andersgläubig oder ohne Religionszugehörigkeit sind 14,75 Prozent. Ausländer leben in Petting 109, was einem Anteil von 4,67 Prozent entspricht.

Die Übernachtungszahlen haben sich nach einem Höchstwert im Vorjahr um rund 500 auf heuer 25.582 verringert. »Blickt man auf die Wertschöpfung, die der Tourismus in die ganze Gemeinde bringt, so ist das die 3800 Euro Beitrag an den Chiemgau-Tourismus allemal wert«, betonte Bürgermeister Karl Lanzinger.

Den Kindergarten besuchen 63 Kinder, unter Dreijährige sind es elf. Ebenso viele werden am Nachmittag betreut. In der neu erbauten Grundschule lernen 87 Mädchen und Buben, 50 davon nutzen den Bus. In die Waginger Mittelschule pendeln täglich 42 junge Pettinger.

höf