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Ein Holzbau für die Kleinen

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So können sich die Architekten Nikolaus Magg und Oliver Wortmeyer eine neue Kinderkrippe in Petting vorstellen. (Visualisierung: Magg Wortmeyer)

Petting – Philipp Strohmeyer formulierte seine Bedenken drastisch: »Schaut schön aus, aber technisch eine Katastrophe.« Die Kritik des CSU-Gemeinderats betraf in erster Linie die dreiteilige Grabendachausbildung der geplanten Kinderkrippe – aber nicht nur.


Wie berichtet, soll ein drei-gruppiger Holzbau nördlich des Sportplatzes entstehen. Bei Gruppenzahl und Standort war sich der Gemeinderat einig. Im Detail aber gab es noch Bedenken am Entwurf der Architekten Nikolaus Magg und Oliver Wortmeyer.

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Die Planer wollen kein starres Konzept, keinen Ruheraum, der nur kurz zum Schlafen genutzt wird. Ihre Lösung: Fünf große Flügeltüren sollen die Räume öffnen und eine flexible Nutzung ermöglichen. Für jede der drei Gruppen soll dennoch ein »eigenes« Haus entstehen.

Unter einem gemeinsamen Dach, das mit zwei Gräben und drei unterschiedlich hohen Giebeln das südliche Alpenpanorama abbilden soll. Nach Süden vorgelagert ist eine drei Meter breite Loggia, um auch bei Schlechtwetter und in der Übergangszeit ein Spielen draußen zu ermöglichen. Im Obergeschoß ist ein Bewegungsraum vorgesehen.

Grob geschätzt kostet der Bau 1,6 Millionen Euro

Der Bau wird als Holzbau mit Dämmung und Bretterfassade ausgeführt; Alkoven und Abstellräume sind an Ost- und Westseite. Oben drauf kommt Blech. Grob geschätzt kostet der Bau rund 1,6 Millionen Euro. Für Ausstattung, Außenbereich und Nebenkosten erwartet Magg zusätzliche 40 bis 45 Prozent. Die Mehrkosten gegenüber einer zweigruppigen Krippe würden laut Karl Lanzinger (CSU) durch einen höheren Zuschuss aufgefangen. Aber er machte deutlich: »Wir bauen nicht wegen des Zuschusses dreigruppig, sondern weil wir fürchten, dass wir mit zwei Gruppen schnell an Grenzen stoßen.«

Rund 20 Neubürger kommen in der Gemeinde pro Jahr hinzu; hochgerechnet auf drei Besuchsjahre ergäbe das einen Maximalbedarf an 60 Plätzen. Mit dieser Planung würden drei mal zwölf Krippenplätze geschaffen. »Mich beschäftigt die Dachform«, so Philipp Strohmeyer, bei Entwässerung und Schneeablagerung erwartet er zumindest mittelfristig Probleme. Daneben würde eine andere Dachausrichtung mehr Ertrag bei einer PV-Anlage erbringen.

»Ein öffentliches Gebäude darf, ja soll sich abheben«, warb Planer Wortmeyer für einen »spielerischen« Umgang und einen ebensolchen Entwurf. Magg verwies auf schnee- und niederschlagsreiche Orte wie Berchtesgaden, wo Grabendächer absolut üblich seien: »Das ist zu lösen«, ließ er keinen Zweifel.

Als Schreiner äußerte Ludwig Prechtl (FW) »Bauchweh« bei den vier Meter großen Flügeltüren: »Die hat noch keiner gebaut.« Mit der erforderlichen Bodenrolle würde sich eine »Bahn« abzeichnen, an die Wandteile ließe sich nichts stellen und schlimmstenfalls könne ein Kind »eingequetscht« werden. »Ich find' die Idee schee«, meinte Magg und verwies erneut auf die Flexibilität. Im Übrigen hätten zwei Tischler schon »grünes Licht« für solche Türen gegeben.

An Kinder denken, die auf Hilfe angewiesen sind

Lydia Zehentner (CSU) bat, wenigstens eine Eingangstür zum Sanitärbereich breiter zu gestalten: »Denken wir an Kinder, die auf Hilfe angewiesen sind.« – »Dachüberstände: wenig bis gar nicht«, zweifelte Strohmeyer am nötigen Holzschutz. »Definitiv gewährleistet«, widersprach Wortmeyer mit Verweis auf die 30 Zentimeter.

Unterstützung kam von Lisa Wolfgruber (Grüne Liste): »So etwas haben wir nicht nur in anderen Gegenden, sondern auch in unserer Region.« Sie finde den Entwurf »durchdacht und gut gestaltet – mir gefällt es gut.«

Strohmeyer aber war mit seinen Bedenken noch nicht am Ende: »Mit den vier Außen-Geräteräumen schaffen wir sauteuren Stauraum.« Auch hier widersprach Wortmeyer: »Außen ist hier nur die Holzfassade, die eigentliche Wand liegt dahinter.« Im Übrigen würde ein eigener Lagerraum Bewegungsfläche erfordern, ein zusätzlicher Meter Bodenfläche wie hier sei zudem deutlich billiger als an anderer Stelle einen Geräteschuppen für Spielgeräte und Sonnenschirme zu bauen.

Magg und Wortmeyer betonten, dass man im Vorfeld mit der Kindergartenleitung gesprochen habe und der Entwurf positiv aufgenommen worden sei. Gleichwohl stehe man »ganz am Anfang.« Magg versprach: »Wir nehmen alle Anregungen und Bedenken mit.«

Über die Energieversorgung hatte sich Michael Hövel Gedanken gemacht. Auch über den Wärmeschutz. »Die Sommer werden wärmer«, ließ der Energieberater aus Prien keinen Zweifel. Ohne Frage sei in einem Holzbau mit einem »zügigeren Temperaturanstieg« zu rechnen. Das würde er jedoch nicht mit einer Klimaanlage lösen, sondern mit separaten Lüftungsanlagen. »In den hohen Giebeln lassen sich Ventilatoren platzieren.« Über die Nordseite würde jede Nacht kühle Luft eingebracht. Im Winter könne eine Wärmerückgewinnung Energie sparen.

Eine weitere Herausforderung sei die Luftfeuchtigkeit: »Sie könnte bis auf 14 Prozent runtergehen. Das ist zu wenig.« Also befeuchten. Die von Kollegen häufig favorisierte Wärmepumpe sei nicht unbedingt die beste Lösung. Auf Nachfrage von Regina Schnappinger (GL) stellte er klar: »Stünde die Kinderkrippe irgendwo allein auf weitem Feld, würde ich sagen Wärmepumpe. Aber hier neben dem Kindergarten bietet sich eine gemeinsame Lösung mit Pellets oder Hackschnitzeln an.«

Bedenken gegenüber einer ungünstigen Dachausrichtung im Hinblick auf Solarenergie zerstreute Hövel: »Das macht nicht viel aus. Auf diese Art nutzen wir am Morgen die Ostsonne.« Sorge äußerte Martin Häusl (CSU): »Holzpellets kommen nicht selten aus Kahlschlägen in Osteuropa. Zusammen mit dem Transportweg ist das alles andere als nachhaltig.«

Hackschnitzel aus der Region verwenden

An Holz mangele es der Region nicht, meinte Hövel, gab aber zu bedenken, dass eine Anlage für Hackschnitzel mehr Betreuungsaufwand erfordere. Für »heimische Hackschnitzel« warb auch Theo Pastötter (FW): »Einen Container kannst du überall hinstellen. In Österreich ist das gang und gäbe.«

Zu Häusls Frage nach Wasserstoff sagte Hövel: »Es gibt ein System mit Luftheizung. Das kostet 65.000 Euro – ohne Einbau.« – »Sacken lassen«, riet Lanzinger. Einen Beschluss aber wollte er doch: Dass eine dreigruppige Krippe mitsamt Bewegungsraum gebaut wird. Der erfolgte einstimmig. Was Zuschüsse und eine künftige Förderung betrifft, versicherte er: »Das haben wir auf dem Tablett.« höf