76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs: 30 Pettinger Soldaten werden immer noch vermisst

Bildtext einblenden
Der Soldatenfriedhof im russischen Rshew. (Foto: Volksbundarchiv) Foto: Volksbundarchiv

Petting – Über das Schicksal eines Soldaten aus Ringham erhielt zweiter Vorstand Christian Mayer, der in Petting Sammelleiter der KSK für die Kriegsgräberfürsorge ist, nun Auskunft seitens des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes bzw. vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Eine Haussammlung der KSK Petting startet am Freitag - warum diese Sammlungen auch 76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer von Bedeutung sind, berichtet zweiter Vorsitzender Christian Mayer von der KSK.


»Aus den Gemeinden Petting und Ringham mussten im Zweiten Weltkrieg 178 Männer in den Krieg ziehen. Von ihnen sind lediglich 108 lebend nach Hause zurückgekehrt.« Drei von ihnen starben an den Spätfolgen des Krieges. 70 Männer sind nicht mehr aus dem Krieg oder Gefangenschaft nach Hause gekommen. Von diesen 70 Gefallenen und Vermissten konnten lediglich 17 auf Sammelfriedhöfe überführt werden. 31 Männer wurden noch vermisst.

Über das Schicksal eines Soldaten aus Ringham erhielt Christian Mayer, der in Petting Sammelleiter der KSK für die Kriegsgräberfürsorge ist, nun Auskunft seitens des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes bzw. vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. »Immer wieder sprechen mich KSK-Mitglieder und Pettinger Bürger an, ob man nicht doch noch etwas über ihre vermissten Verwandten herausfinden könnte«, berichtet Mayer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dabei sei es inzwischen meist die Nachkriegsgeneration, zu der er selbst auch gehört, die über das Schicksal ihrer Verwandten etwas erfahren möchte. Auch ein Onkel von Christian Mayer ist noch irgendwo am Schwarzen Meer vermisst. Und es sei immer schwieriger, Informationen zu bekommen, da die Zeitzeugen, also ehemalige Kameraden, die Auskunft etwa über die letzte Sichtung eines Vermissten bei Kampfhandlungen geben können, immer weniger werden.

Nun hatte sich ein Vereinsmitglied, das etwas über dessen Onkel väterlicherseits wissen wollte, an ihn gewandt. Als Informationsbasis hatte er den Namen, den Mayer hier nicht nennen möchte, sowie folgende Angaben: »Mit 18 Jahren war er Schütze bei der Schneeschuh K.SS-Rgt.D und war seit dem 13. Februar 1942 im Gefecht bei Nowo Filikino vermisst«, sagt Mayer. Die Schlacht habe rund 200 Kilometer vor Stalingrad (heute Wolgograd) stattgefunden. Mayer hatte Glück, es kam eine Antwort.

Im Schreiben heißt es: »In Petunowo wurden von unserem Umbettungsdienst 63 deutsche Soldaten aus oberirdisch nicht mehr erkennbaren und teilweise geplünderten Gräbern exhumiert und zur Kriegsgräberstätte im russischen Rshew überführt. Es konnten nicht alle für den Ort gemeldeten Toten geborgen werden. Leider wurde die Erkennungsmarke Ihres Onkels bei keinem der geborgenen Toten gefunden. Auch anhand anderer Anhaltspunkte war seine Identifizierung nicht möglich. Derzeit gehen wir davon aus, dass er vermutlich einer jener deutschen Soldaten ist, die im Block 15 der deutschen Kriegsgräberstätte in Rshew ruhen. Der Soldatenfriedhof Rshew ist drei Hektar groß und wurde von 1999 bis 2002 erbaut, dort ruhen über 39.000 (Stand Ende 2017) Gefallene. Weitere Zubettungen werden folgen.« Der Soldatenfriedhof liegt rund 200 Kilometer östlich von Moskau.

Auch wenn das Schicksal des Onkels seines Kameraden nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, ist das Ergebnis für den stellvertretenden Vorsitzenden Christian Mayer doch ein kleiner Erfolg.

»Es gibt immer wieder Zufallsfunde von Kriegsgräbern, die nirgends verzeichnet sind, etwa bei Bau- oder Grabungsarbeiten, so können doch immer wieder Vermisste identifiziert oder zugeordnet werden.« Es ermutigt ihn, die Sammlung jedes Jahr aufs Neue zu organisieren, denn diese würde zeigen, wie wichtig die Aufgabe des Bunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge auch 76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer ist.

vew