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Was bei der Direktvermarktung beachtet werden muss

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Mittlerweile bieten Landwirte Milch, Käse, Eier, Wurst, Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse und einiges mehr rund um die Uhr in Verkaufsautomaten an. (Foto: M. Konnert)

Palling – Landwirte, die eine Weiterentwicklung oder Optimierung ihrer Direktvermarktung anstreben oder gar einen Neueinstieg in diesen Betriebszweig planen, waren bei der von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Traunstein und Töging gemeinsam organisierten, eintägigen Veranstaltung beim Michl-Wirt in Palling genau richtig.


Am Vormittag zeigten Fachexperten, was man bei der im Trend liegenden Vermarktung mit Automaten und Vertrauenskassen beachten sollte und welche rechtlichen Aspekte, vorrangig im Bereich der Hygiene, dabei berücksichtigt werden müssen. Am Nachmittag standen Erfahrungsberichte von Direktvermarktern auf der Tagesordnung. Durch das Programm führte Annemarie Hofstetter-Hack, Leiterin des Sachgebiets Ernährung und Haushaltsleistungen am AELF Traunstein.

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Innovative Vermarktungsformen liegen im Trend; Begriffe wie »Milchtankstelle« machen die Runde. Während es den Verkauf mit Selbstbedienung und Vertrauenskasse schon seit etwa 20 Jahren gibt, ist der Verkauf mit Automaten relativ neu. Die ersten Rohmilchautomaten wurden zum Beispiel erst vor zwei bis drei Jahren aufgestellt. Mittlerweile bieten Landwirte Milch, Käse, Eier, Wurst, Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse und einiges mehr rund um die Uhr in Verkaufsautomaten oder mit Vertrauenskasse an. Doch was sollte der Landwirt bei einem solchen Geschäftsmodell beachten? Welche Produkte eignen sich am besten zum Direktverkauf, welcher Arbeitsaufwand und welche Kosten sind damit verbunden? Sollte man ein oder mehrere Produkte an einem Standort anbieten? Auf all diese und weitere Fragen ging Sabine Biberger vom Fachzentrum »Diversifizierung und Strukturentwicklung« am AELF Ingolstadt ein.

Bei beiden Vermarktungsformen –- Verkaufsautomat oder Selbstbedienung mit Vertrauenskasse – müsse man Chancen und Risiken beachten und gegeneinander abwägen, so Biberger. Vorteilen wie Arbeitserleichterung, Kundendiversifizierung und Werbung für die eigenen Produkte stünden Nachteile wie Investitionskosten, geringer Kundenkontakt, ständige Verfügbarkeit für Nachfüllen der Automaten oder mögliche Lärmbelästigung auch nachts gegenüber. Deshalb müsse detailliert abgewogen werden, was, wie, wo und wann verkauft wird und welcher Automatentyp der passende ist. Als Mindestinvestitionskosten für die Aufstellung eines Automaten nannte Biberger 20 000 Euro. Den täglichen Arbeitszeitaufwand für den Betrieb eines Milchautomaten als Beispiel, bezifferte sie mit mindestens einer Stunde. Die Durchschnittskosten, die ein auf dem Hof aufgestellter Automat jährlich verursacht, wurden mit rund 10 000 Euro angegeben. Zur Deckung dieser Kosten müssten bei den gegenwärtigen Marktpreisen rund 340 Eier, beziehungsweise 40 Liter Milch oder 4,5 kg Grillfleisch täglich verkauft werden. Allein diese Rechnung zeige, dass die Anschaffung eines Verkaufsautomaten wohlüberlegt sein müsse. Wer Lebensmittel auf dem genannten Wege vermarkten möchte, muss aber auch zahlreiche rechtliche Fragen klären.

Dass bei der Vermarktung das Lebensmittelrecht und die Hygienevorschriften für Lebensmittel zu beachten sind und welches diese sind, erklärte Michael Förtsch, Chef der Lebensmittelüberwachung am Landratsamt Traunstein und als Landesvorsitzender der bayerischen Lebensmittelkontrolleure auch oberster Lebensmittelüberwacher im Freistaat. Er wies darauf hin, dass jegliche Direktvermarktung beim Landratsamt anzuzeigen sei und ging im Detail auf die besonderen Vorschriften bei der Rohmilchabgabe ein, weil diese, nicht richtig behandelt, ein nicht zu unterschätzendes Risiko für den Verbraucher bergen könne.

»Überlegen Sie in Ruhe, ob diese Vermarktungsformen zu Ihrer Situation passen, informieren Sie sich über Ihre Region und die potenzielle Nachfrage, planen Sie Ihr Vorgehen genau mit allen Betroffenen und überlegen Sie, wie Sie es nach Inbetriebnahme bekannt machen können«, so der Rat der beiden Referenten. Denn nicht zuletzt gelte auch für landwirtschaftliche Produkte, dass man für eine professionelle Vermarktung eine gute Marketingstrategie brauche. Dies werde bei der bäuerlichen Direktvermarktung leider allzu oft vergessen. kon