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Von Produktionstechnik bis Düngemittelverordnung

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Die Weidehaltung auf der Alm, wie hier ein Bild aus dem Sommer auf der Kallbrunnalm, bringt positive Auswirkungen auf die Nährstoffbilanz in der neuen Düngeverordnung. (Foto: M. Peter)

Palling – Der überragende Besuch der Landwirte beim Laufener und Traunsteiner Milchviehtag im Gasthaus Michlwirt in Palling zeige, dass mit den Themen das Interesse der Milchviehhalter getroffen worden sei, sagte Hans Zens, Bereichsleiter Landwirtschaft am Landwirtschafts- und Forstamt Traunstein (AELF). Bei den Fachvorträgen ging es um die allgemeinen Herausforderungen in der Milchviehhaltung wie in den Bereichen Technik und Düngeverordnung, aber auch die Lebensqualität der Familien.


Bei seinem Schlusswort sagte der Vorsitzende des Verbands landwirtschaftlicher Fortbildung Laufen (VlF), Bruno Thurnhausstatter, dass bei der Grundwasserbelastung auch die Kommunen mit dem Kanalnetz in der Verpflichtung seien.

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Die Nutztierhaltung stehe unter Beschuss, auch beim Methanausstoß. Die Milchkuh sei jedoch ein gigantisches Phänomen, so Peter Dufter, Leiter des Fachzentrums Rinderhaltung am AELF. Die Kuh schaffe es, aus Gras, das der Mensch nicht verwerten könne, ein hochwertiges und beliebtes Nahrungsmittel zu erzeugen: die Milch. Rund zwei Drittel der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen seien Grünland.

Ein weiteres Thema sei die Biodiversität. Hier gebe es den Zielkonflikt zwischen bester Grundfutterleistung und Artenvielfalt im Grünland, so Dufter. Ein Lösungsansatz sei die differenzierte Grünlandbewirtschaftung; also Flächen für die extensive Nutzung bereitzustellen und mit Mist zu düngen. Dies könnten ein Spitz am Ende der Wiese sein oder auch Hanglagen, die schwieriger zu bewirtschaften seien.

Die Pflanzenwelt ändere sich dort zugunsten des Nahrungsangebots für Bienen, Wildbienen und alle anderen Insekten. Geerntetes Futter könnte gezielt für trockenstehende Kühe genutzt werden. »Doch ist da ein Umdenken erforderlich!«, sagte Dufter. Noch sei die Ordnungsliebe sehr stark in vielen Köpfen verankert. Wenn eine Fläche mal etwas wilder ausschaue, habe das nichts mit Schlamperei zu tun, sondern mit einem Beitrag zur Biodiversität. Der Vorsitzende des Maschinen- und Betriebshilfsrings (MR) Traunstein meinte, die differenzierte Grünlandbewirtschaftung könne ein weiterer Baustein sein, wie es etwa Blühstreifen am Feldrand schon seit Jahren seien.

Zur neuen Düngeverordnung meinte Michael Höhensteiger vom Maschinenring Bad Aibling, sie sei eine Reaktion auf Regionen mit zu viel Nitrat im Grundwasser. Dazu sei es wichtig, Inhaltsstoffe und deren Mengen im Futter zu kennen. So könne der Landwirt bereits bei der Fütterung auf Nitratverminderung achten. Nachdem rund ein Drittel der Gülle vom Jungvieh kam, sollte man überlegen, den Jungviehbestand abzubauen, so Höhensteiger. Sei die Reduzierung des Viehbestands notwendig, könne die Weidehaltung im Tal oder auf der Alm eine Alternative sein. Denn Weidehaltung wirke sich positiv auf die Nährstoffbilanz aus.

Doch zeigten die Werte auch, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Belastung und hoher Viehdichte bestehe. Problemgebiete seien verbreitet in Ackerbauregionen. Darum wäre für ihn, wie auch für Dufter, die Abschaffung der Verordnung wichtig. Dabei könne man geltendes Recht durch andere Regelungen ersetzen. So könnte nach Ansicht der Fachleute auf die regionalen und klimatischen Gegebenheiten eingegangen werden ohne nachteilige Auswirkungen für die Umwelt.

Den Bereich Produktionstechnik und Lebensqualität der Unternehmerfamilien deckten die Vorträge der beiden Vertreter Veronika Wolf und Martin Maier vom Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung (LKV) sowie von Ludwig Huber vom AELF ab. Bei der »Cashcow-Beratung« (»Geldkuh-Beratung«), die Maier vorstellte, geht es darum, die Zahlen des eigenen Betriebs zu ermitteln und mit Kennzahlen aus anderen Betrieben zu vergleichen, um eventuelle Schwachstellen aufzudecken.

Wie Wolf anführte, geht es bei der Umstellung von Melkmaschine auf Melkroboter nicht nur um eine technische Umstellung, sondern um eine Systemumstellung zu flexiblen Einsatzzeiten. Bei der Melkmaschine gibt es feste Stall- und Melkzeiten. Beim Melkroboter kann die Kuh selbst entscheiden, wann sie zum Melken geht. Milchviehhalter sollten schon nach den ersten Gedanken einer Umstellung auf den Melkroboter eine Beratung nutzen. So könnten Fehler schon in der Planung vermieden werden.

Bei Wachstums-Plänen müsste das Ziel von mehr Lebensqualität im Vordergrund stehen. Doch könne sich das Wachstum auch ins Gegenteil kehren. Größen, die heute diskutiert werden, waren laut Huber vor 30 Jahren undenkbar. Gab es 1970 noch 240 000 Milchviehhalter in Bayern, waren es vor acht Jahren noch rund 40 000, heute seien es unter 30 000. Die durchschnittliche Größe stieg dabei in den letzten acht Jahren um acht auf 37 Kühe an. Aber egal, ob Betriebsgröße halten oder Wachstumsschritt – es werde immer die beste Produktionstechnik gebraucht, so Huber.

Die aktuellen Herausforderungen für die Milchviehhalter seien vielfältig. Jeder müsse schauen, wo er Lösungsansätze finde, meinte Thurnhausstatter. Der Landwirt tue viel für die Wasserreinhaltung durch die Dichtigkeit der Gülle- und Sickerwassergruben. Aus seiner Sicht sollten die Kommunen hier nachziehen. Denn 10 bis 20 Prozent der Abwässer von Haushalten kämen nicht bei den Kläranlagen an, sondern versickerten durch undichte Kanalnetze im Erdreich. MP

 


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