weather-image
19°

Kräftige Verstärkung für das heimische Elektro-Handwerk

4.5
4.5
Freisprechungsfeier der Elektro-Innung Traunstein in Palling
Bildtext einblenden
Sie sind die Prüfungsbesten der Elektro-Innung: Niklas Altmann (2. von links) und Robin Westphal. Die Gesellenbriefe überreichten Obermeister Otto Zach (links) und Lehrlingswart Hermann Stadler (rechts). Foto: Wittenzellner

Palling – Kräftige Verstärkung für das heimische Elektro-Handwerk: Im Rahmen der Freisprechungsfeier der Innung für Elektro- und Informationstechnik Traunstein am Donnerstag Abend in Palling wurden 103 junge Handwerker, darunter auch eine Reihe weiblicher Teilnehmer, nach einer dreieinhalbjährigen Lehrzeit und entsprechend erfolgreicher Prüfung mit dem Gesellenbrief ausgezeichnet.


Wie erfolgreich in der Region in Berufsschule, Handwerkskammer und Betrieben ausgebildet wird, zeigte sich auch daran, dass auch Landes- und Bundessieger geehrt wurden. In der Innung sind Betriebe aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgaden, Mühldorf und Traunstein zusammengeschlossen.

Anzeige

„Wir sitzen am Puls der Zeit“

Obermeister Otto Zach ging in seiner Rede im vollen Saal in Palling auf die zukünftige Entwicklung ein: Internet und Digitalisierung würden unsere Welt in nicht vorhersehbaren Dimensionen und in ungeheurer Geschwindigkeit verändern. „Unser Beruf ist ganz wesentlich mit diesen Veränderungen in Technik, Gesellschaft und bei unseren Kunden befasst. Wir sitzen am Puls der Zeit.“ Es sei wichtig, die Trends zu erkennen. Gleichzeitig legte er den Fokus auf das Erlernen eines handwerklichen Berufes: „Bewahren Sie sich die Fähigkeiten und Lust mit eigenen Händen Dinge schaffen zu können.“

„Die Einladung ist ein Ausdruck der sehr guten Zusammenarbeit“, betonte der ständige Vertreter des Schulleiters Werner Holzhammer von den Beruflichen Schulen Altötting in seinem auch stellvertretend für die weiteren Berufsschulen und Bildungszentren gesprochenen Grußwort und lobte die gute Zusammenarbeit mit der Innung und den Ausbildungsbetrieben. „Sie haben noch nicht das Ende des Berufslebens erreicht.“ Er sprach über das jetzt erreichte Etappenziel, das den jungen Gesellen neue berufliche Wege wie beispielsweise der Meisterbrief oder einer akademischen Richtung eröffne. „Die Fachkraft aus dem Elektrohandwerk wird in jedem Fall in Zukunft heiß begehrt sein.“

Impressionen von der Freisprechungsfeier:

Früher gab es zum Ende der Lehrzeit eine Ohrfeige

Lehrlingswart und Prüfungsausschussvorsitzender Hermann Stadler ging auf die statistischen Zahlen ein: Insgesamt haben 106 Auszubildende an der Gesellenprüfung teilgenommen, 103 haben diese bestanden, 73 davon in der Winterprüfung 2019 und 30 in der Sommerprüfung 2018. Bei 3,2 lag der Notendurchschnitt der Winterprüflinge, 2,5 waren es bei der Sommerprüfung. Er bedankte sich bei den Mitgliedern des Prüfungsausschusses sowie den Berufsschulen in Altötting und Traunstein und den Bildungszentren der Handwerkskammer in Mühldorf und Traunstein für die gute Zusammenarbeit bei den umfangreichen Prüfungen.

An die Prüflinge gewandt sagte er: „Seien Sie stolz, genießen Sie den Erfolg.“ In seinen Ausführungen ging er auch darauf ein, dass die Freisprechung eine Jahrhunderte alte Tradition im Handwerk habe – inklusive der Integration des Lehrlings in der Familie des Meisters. Zum Ende der Lehrzeit wurde er dann vom Meister „freigesprochen“, was auch eine Ohrfeige („damit er sich benimmt“) beinhaltete. Ein Ritual, das es heutzutage nicht mehr gäbe. „Sie werden heute freigesprochen, weil Sie Ihr Ziel mit Fleiß, Beharrlichkeit und Disziplin erreicht haben. Allerdings dürfen Sie sich nicht auf Ihren Lorbeeren ausruhen, sondern müssen sich neue Ziele setzen. Denn Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“

Prüfungsvorsitzender Stadler hört auf

Obermeister Zach gab bekannt, dass der Prüfungsvorsitzende und Lehrlingswart Stadler die Ehrenämter nach der nächsten Innungs-Hauptversammlung niederlegen werde. Er würdigte dessen Engagement: Mit ihm sei ein ganz neuer Stil eingetreten. Er habe einen „ungeheuren Einsatz“ gezeigt, der finanziell nicht aufzuwiegen sei. Lang anhaltender Applaus zeigte die Beliebtheit und den Respekt, den Stadler genießt.

Ehren-Kreishandwerksmeister Peter Eicher nahm die Freisprechungszeremonie vor. Er betonte, das Elektrohandwerk sei nicht nur krisenfest sondern auch innovativ. „Ein engagierter Elektriker wird nicht arbeitslos.“ Er machte deutlich, dass das Handwerk auch davon lebe, dass man zusammenhelfe, was sowohl im Innungsleben aber auch auf der Baustelle erkennbar sei. Anschließend sprach er die Gesellen von den Pflichten ihres Lehrverhältnisses frei, was mit lang anhaltendem Applaus der Anwesenden quittiert wurde. Die Blaskapelle Emertsham sorgte für die gekonnte musikalische Begleitung des festlichen Abends.

Landes- und Bundessieger ausgezeichnet

Im Nachgang an die Freisprechungszeremonie gab es für die jungen Handwerker die begehrten Gesellenbriefe. Prüfungsbeste in der Winterprüfung sind Robin Westphal vom Ausbildungsbetrieb Elektro Pointner in Ruhpolding und Niklas Altmann von der Firma Bauer Elektroanlagen Süd in Buchbach. In der Sommerprüfung waren Maximilian Heinrich vom Ausbildungsbetrieb Nutz in Aschau und Christoph Harwalik von der Firma Zach Elektroanlagen in Tacherting vorne.

Damit aber nicht genug: Auf Landes- und Bundesebene haben heimische Gesellen ausgezeichnete Ergebnisse erzielt. Konstantin Kleiner (Ausbildungsberuf Elektroniker Fachrichtung Informations- und Telekommunikationstechnik) von der Firma Emtec aus Seeon ist Landessieger. Stefan Bauer vom Ausbildungsbetrieb Abel Mobilfunk in Engelsberg schaffte es vom Kammer- über den Landes- bis hin zum Bundessieger. Der Informationselektriker mit Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik wurde für die ausgezeichnete Leistung geehrt. Beide erhielten einen anerkennenden Geldbetrag. awi