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Wieviel Wasser säuft »Großvieh«?

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Nußdorf – Abgelehnt hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Änderung der Abwassergebührensatzung. Gemeinderat und Landwirt Max Eder hält den bisherigen Abzug von jährlich 15 Kubikmetern Abwassermenge je Großvieheinheit für zu niedrig und beantragte eine Erhöhung der Abzugsmenge auf 25 bis 30 Kubikmeter pro Jahr. Zum Tränken einer Hochleistungsmilchkuh werde diese Wassermenge verbraucht, zeigte sich Eder überzeugt. Bei zwei Gegenstimmen von Max Eder und Uwe Kleinert beschloss das Ratsgremium den Abzugswert von 15 Kubikmeter vorerst zu belassen und erst nach der bevorstehenden Neukalkulation der Abwassergebühren und der damit notwendigen Änderung der Satzung einen anderen, neuen Wert festzulegen.


Bürgermeister Hans Gnadl und Geschäftsleiterin Gabriela Rogos erklärten zu Beginn der ausgiebigen Diskussion das Abrechnungsverfahren. Die Abwassermenge, die in den Schmutzwasserkanal geleitet und vom Verbraucher zu bezahlen ist, ergibt sich aus der Frischwassermenge, die vom Wasserversorger an die Gemeinde gemeldet wird. Die Wassermenge, die nicht in die Kanalisation eingeleitet wird, weil sie zum Tränken der Kühe gebraucht wird, kann entweder durch einen geeichten Zähler ermittelt oder pauschal mit Anrechnung von 15 Kubikmeter Wasser je Großvieheinheit in Abzug gebracht werden. »Eine pauschale Abzugsmenge ist gängige Praxis und rechtlich in Ordnung«, betonte Rogos. Sie machte darauf aufmerksam, dass ein Abzug von 15 Kubikmeter für alle Arten von Großvieh (Tiere über 500 kg) gelte.

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25 m3 kein Durch- schnittswert für Großvieh

Eders Antrag ziele jedoch auf Milchkühe mit Hochleistung ab, die vermutlich deutlich mehr Trinkwasser brauchen. Einen Wert bis 20 Kubikmeter festzulegen sei tragbar, die Abzugsmenge auf 25 Kubikmeter oder mehr festzulegen, ist aus Sicht der Verwaltung jedoch zu hoch. Dies möge zwar für Hochleistungsmilchkühe richtig sein, aber nicht als Durchschnitt für alle Großvieharten.

Eine Abfrage bei den Nachbargemeinden habe ergeben, dass sich die Bandbreite der pauschalen Abzugsmenge zwischen zwölf und 20 Kubikmetern bewege, Nußdorf also einen Mittelwert festgelegt habe. Um die tatsächliche Verbrauchsmenge für das Vieh zu ermitteln, sei der Einbau eines Zählers zu empfehlen, betonte Bürgermeister Gnadl. Dadurch sei es, möglich, die exakte Verbrauchsmenge festzustellen.

Anreiz schaffen, Zähler einzuführen

Uwe Kleinert schlug vor, bei einer Fachstelle, z. B. beim Amt für Landwirtschaft und Forsten nachzufragen, wieviel Wasser eine Kuh durchschnittlich säuft, und diesen Wert zu übernehmen. Eine möglichst niedrige pauschale Verbrauchsmenge anzusetzen, um damit einen Anreiz zum Einbau eines Zählers zu schaffen, wäre für Sebastian Schauer eine gangbare Lösung. Mehrere Gemeinderäte sprachen sich dafür aus, den Einbau von Wasserzählern zwingend vorzuschreiben, weil der Verbrauchswert damit eindeutig und rechtssicher festgestellt werden kann.

Der Einwand, dass es Betriebe gebe, bei denen aus Gründen des Denkmalschutzes ein Zählereinbau nicht möglich ist, wurde vom Ratsgremium als Einzelfall bewertet, der nicht dazu diene, die Problematik sachlich zu lösen. Deshalb sprachen sich die Gemeinderäte dafür aus, über eine Vorschrift zum Zählereinbau im Zuge der Satzungsänderung zu einem späteren Zeitpunkt zu beraten.

Vom Gemeinderat ohne Einwände und Änderungswünsche gebilligt wurde die neue Gebührenkalkulation der Musikschule Traunwalchen der Stadt Traunreut für das Schuljahr 2019/20. Unverändert bleibt die Verteilung der Jahresgebühr für den Musikschulunterricht: 70 Prozent der Gebühren sind von den Eltern zu tragen, der Gemeindeanteil und damit die kommunale Förderung beträgt 30 Prozent. Weiterhin mitgetragen werden die Sozial- und Familienermäßigungen. Der Beschluss wurde mit 10:5 Stimmen getroffen.

Einige Gemeinderäte verwiesen auf einen Beschluss aus dem Jahr 2016, in dem der Gemeinderat eine Kostendeckelung für die Musikschule von jährlich maximal 30 000 Euro als Gemeindeanteil festlegte. Auf diesen Höchstbetrag an Förderung sollte im Beschluss hingewiesen werden, so der Wunsch der Räte. In den Beschlusstext wurde die maximale Kostenbeteiligung, die als interne Höchstgrenze fixiert worden sei, schließlich nicht aufgenommen.

Bürgermeister Hans Gnadl informierte den Gemeinderat über einen Sachstand zur Verbesserung der Mobilfunkversorgung in der Gemeinde. Von Seiten der Verwaltung wurde Kontakt zur »Initiative Bayern Digital« aufgenommen. Dabei kam heraus, dass Karten, auf deren Grundlage eine finanzielle Förderung der Mobilfunkversorgung möglich wäre, ein komplett falsches Bild des Versorgungsgrads in der Gemeinde darstellen. Nach diesen Karten weist Nußdorf keine unversorgten Flächen auf und sei nahezu lückenlos versorgt.

Bürger sollen »weiße Flecken« melden

Weil dies tatsächlich weit an der Realität vorbeigeht und in großen Teilbereichen im Gemeindegebiet keine Netzabdeckung besteht, will die Gemeinde einen Aufruf im Amtsblatt starten und die Bürger auffordern weiße Flecken der Nicht- oder Unterversorgung mitzuteilen und sich in eine Unterschriftenliste einzutragen. Damit soll die Anerkennung als Fördergebiet der Mobilfunk-Initiative Bayern erreicht werden. pv