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Widerstand gegen Pläne für neue Kiesgrube in Nußdorf

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Nußdorf: Kiesgrube stößt auf Widerstand – Bürgerinitiative »Rettet den Haidforst« kritisiert geplante Wald-Rodung
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Der Aushub einer neuen Kiesgrube ist im Bereich zwischen Wang und Weiderting geplant. Weiter östlich ist die B304 (rechts oben auf unserem Bild). Beabsichtigt ist, 9,5 Hektar Wald zu roden und anschließend Kies auf 8,91 Hektar abzubauen.

Nußdorf – Die Naturschützer laufen Sturm gegen den Aushub einer weiteren Kiesgrube in der Gemeinde Nußdorf: Sie kritisieren die Pläne, rund neun Hektar Wald zwischen Wang und Weiderting zu roden und dort dann Kies abzubauen.


Der Bereich diene, wie Beate Rutkowski, die Kreisvorsitzende des Bunds Natuschutz dem Traunsteiner Tagblatt mitteilte, nicht nur als Schutzwald, sondern sei auch ein »wichtiger Lebensraum für europaweit geschützte Arten«. Die Bürgerinitiative »Rettet den Haidforst« sieht durch den geplanten Kiesabbau, wie ihre Sprecherin Rosi Berger sagt, »den Haidforst in seinem Erhalt direkt bedroht«.

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Zurzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben auf der Flurnummer 1937. In den vergangenen Wochen hatten die Bürger die Möglichkeit bekommen – was die Naturschützer dann auch machten –, sich zu äußern. Die Frist für die Eingabe von Stellungnahmen ist jetzt abgelaufen. Die Genehmigungsbehörde, das Landratsamt, ist nun aufgefordert, die Stellungnahmen zu behandeln.

»Derzeit liegen dem Landratsamt drei schriftliche Einwendungen vor, unter anderem eine des Bund Naturschutz«, sagt Michael Reithmeier, der Pressesprecher des Landratsamts. »Des Weiteren sind uns derzeit zehn Einwendungen von Bürgern aus dem Stadtgebiet Traunstein bekannt.«

Bei Kiesabbauvorhaben werden laut dem Pressesprecher »immer alle öffentlich und rechtlich relevanten Vorgaben im Rahmen eines komplexen rechtsstaatlichen Genehmigungsverfahrens umfassend geprüft«. Im Brennpunkt stehen seinen Angaben zufolge der Natur- und Landschafts- sowie der Gewässer- und Bodenschutz wie auch Belange, die von der Land- und Forstwirtschaft über die Erschließung bis zum Denkmalschutz, Lärm- und Staubschutz reichen.

8,91 Hektar zum Kiesabbau beantragt

Die Flurnummer 1937 liegt im Bereich zwischen Wang und Weiderting – und zwar in der Gemeinde Nußdorf an der Grenze zur Stadt Traunstein. Ein Stück weit entfernt im Osten verläuft die B304. Zum Abbau beantragt hat der Grundstückseigentümer eine Gesamtfläche von 8,91 Hektar, zur Rodung ist eine Waldfläche von 9,5 Hektar vorgesehen. Beabsichtigt ist ein Trockenabbau mit anschließender Wiederverfüllung und Rekultivierung mit Wiederaufforstung. Da die Fläche im Regionalplan als Vorrangfläche aufgeführt wird, ist kein Raumordnungs- oder landesplanerisches Verfahren erforderlich.

Nußdorf ist eine der wenigen Gemeinden, die vor zweieinhalb Jahren einen Teilflächennutzungsplan mit Vorranggebieten für den Kiesabbau geschaffen hat. Diese Aufstellung ist damals nicht ganz freiwillig geschehen. Das Bayerische Verwaltungsgericht hatte der Gemeinde Nußdorf im Rahmen einer Klage des Grundstückseigentümers, der dann den Kiesabbau auf der Flurnummer 1937 beantragte, dringend angeraten, einen solchen Teilflächennutzungsplan für Vorranggebiete aufzustellen. Sie leiste der Empfehlung Folge. Und der Plan ist nun schon seit 2018 rechtsgültig in Kraft.

Die Fläche, die nun zur Ausbeutung beantragt ist, liegt in einem dieser »Vorranggebiete Kiesabbau«. Der Grundstückseigentümer hat sie zwischenzeitlich an eine Tiefbaufirma im Salzburger Land zum Kiesabbau abgegeben.

Im Rahmen des Verfahrens habe die Gemeinde Nußdorf, so Bürgermeister Hans Gnadl, eine baurechtliche Stellungnahme abgegeben: Planungsrechtlich befinde sich das beantragte Abbaugebiet innerhalb der Konzentrationsfläche 1A der 14. Änderung des Flächennutzungsplans. »Insofern war von gemeindlicher Seite das Einvernehmen für den Abbau aus planungsrechtlicher Sicht zu erteilen«, so Gnadl.

Rutkowski: Wald muss erhalten werden

Ganz anders lautet hingegen die Stellungnahme vom Bund Naturschutz: Er stemmt sich gegen den Kiesabbau auf rund neun Hektar. »Diese Fläche steht im ökologischen Zusammenhang mit dem Haidforst«, so Kreisvorsitzende Rutkowski. »Der Törringwald dient nicht nur als Schutzwald für die nördlichen Bereiche des Haidforsts – und dürfte deshalb laut Waldgesetz gar nicht abgeholzt werden –, sondern ist auch ein wichtiger Lebensraum für europaweit geschützte Arten wie Haselmaus, Schwarzspecht und fast die Hälfte aller einheimischen Fledermausarten.« Zudem diene er Spaziergängern, Langläufern und Sportlern »als ortsnaher Erholungswald«. Er habe einen »wichtigen Einfluss auf das Kleinklima und die Luftverbesserung im nördlichen Stadtteil von Traunstein«.

Als Ausgleich für den Waldverlust werde auf die »Wiederaufforstung in Jahrzehnten vertröstet«. Rutkowski: »So lange können die hier lebenden Tierpopulationen aber nicht warten.« Auch eine »enorme Zunahme« des Lkw-Verkehrs sei zu erwarten. »Der Erhalt des Walds mit seinen Gemeinwohlfunktionen muss über den Interessen eines Einzelnen zur wirtschaftlichen Vermarktung von Bodenschätzen stehen, zumal der dort abgebaute Kies nicht für den lokalen Bedarf, sondern offensichtlich für die internationale Vermarktung vorgesehen ist.«

Auch die Bürgerinitiaive »Rettet den Haidforst« kritisiert den geplanten Kiesabbau. Als Sprecherin der BI hat sich Rosi Berger an das Landratsamt gewandt und Einwände gegen das Projekt vorgebracht. »Wir wollen den Haidforst und die umliegenden Wälder in ihrer Gesamtheit erhalten«, beschreibt Berger die Haltung der BI. Die Abholzung von fast zehn Hektar angrenzendem Törringwald sei »ein erheblicher Eingriff auch für den Haidforst«, der die Funktion eines Schutzwalds habe und Lebensraum biete.«

Einem Bericht sei zu entnehmen, so Berger, dass 0,9 Hektar des Schutzwalds für den Haidforst ebenfalls gerodet werden müssten. Diese 9000 Quadratmeter entsprechen laut der BI-Sprecherin 18 bis 25 Bauplätzen für Einfamilienhäuser. »Der Haidforst ist dadurch in seinem Erhalt direkt bedroht, da die nächsten Stürme den Haidforst zerstören können.« Und weiter: »Nach Aussagen der Klimaforscher werden Wetterextreme, zu denen auch Stürme gehören, immer häufiger werden.«