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Ludwig Watzlawik aus Brannenburg kümmert sich in Uganda zusammen mit James Turyasingura um den Schulneubau. Im Hintergrund sind die selbstgebrannten Ziegel von Annet Nakigudde zu sehen. (Foto: Privat)

Schule in Uganda nach wie vor geschlossen – Verein Matoke berichtet über Schulhausneubau

Nußdorf – Der Verein »Uganda Matoke« gab bei der Jahreshauptversammlung einen Überblick über 2021. »Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende, ein Auf und Ab, geprägt von Coronabeschränkungen hier bei uns, aber erheblich schlimmeren Folgen für die Kinder und ihre Familien in Uganda«, betont Projektleiterin Christa Gromotka in ihrem Jahresrückblick.


Nur von Mai bis Juni war in Uganda ein Besuch der Mukisa Parent School möglich, »das waren ganze sechs Wochen seit Coronabeginn im März 2020«, so Gromotka. Dann hat die Regierung in Uganda wieder harte Einschränkungen erlassen und somit kann voraussichtlich erst ab Ende Januar 2022 wieder Unterricht stattfinden. Besonders die Kinder würden darunter leiden. Es gibt keine Schulverpflegung, keine Beschäftigung, die Enge der Behausung, kein Spielzeug und immer die Not mit der kargen Ernährung.

Seit März 2020 sorgt der Matoke regelmäßig mit Lebensmittelausgaben dafür, dass der schlimmste Hunger gestillt wird. Dank der Spenden war es möglich, für über 20 000 Euro Grundnahrungs-mittel zu beschaffen und monatlich an die Kinder auszugeben. Mit einem Minigehalt von etwa 25 Euro pro Monat konnte auch dem Lehrpersonal über die schwierige Zeit geholfen werden, da es keinerlei Sozialsystem gibt, das bei Verdienstausfall einspringt. Alle Pläne des Matoke, die Schule zu erweitern, mussten warten, weil die Versorgung Vorrang hatte.

Mit Ludwig Watzlawik, Bauingenieur aus Brannenburg, hat der Matoke einen kompetenten, jungen Mann mit Auslandserfahrung gefunden. Er war nach dem Erdbeben in Kathmandu am Wiederaufbau beteiligt, hat in Myanmar erste Erfahrungen in der Krankenbe-treuung gemacht, in Brasilien Gastvorlesungen gehalten und ist jetzt voller Begeisterung dabei, sich ehrenamtlich um die Erweiterung der Mukisa Parent School in Uganda zu kümmern. Mit den kostenlosen Plänen der Architektin Lea Michelfeit aus München im Gepäck will Ludwig Watzlawik in drei Monaten gemeinsam mit dem örtlichen Projektbegleiter James Turyasingura den Schulhausbau fertigstellen und sich um die Kostenkontrolle verantwortlich kümmern. Bis zum Schulbeginn im Januar 2022 soll alles fertig sein, so dass alle Kinder mit genügend Abstand wieder zur Schule gehen können. Die frei werdenden, bestehenden Schul­zimmer werden künftig für den Kindergarten genutzt, sodass mehr Kinder die Chance auf einen Schulbesuch bekommen.

»Die Herzlichkeit der Menschen ist überwältigend«, schreibt Ludwig Watzlawik aus Uganda, er hat sich gut eingelebt und in diesen Tagen wird bereits das Fundament gegraben. Am teuersten ist das Material, so kostet ein Sack Zement fast genauso viel wie bei uns, nur die Arbeitskosten sind gering, etwa vier bis sechs Euro je nach Qualifikation pro Mann und Tag plus Mittagessen. Dafür wurde bereits Harriet, eine Nachbarin der Schule, als Köchin engagiert, um täglich für etwa zehn bis 15 Mann auf der Baustelle ein warmes Essen zu kochen, das besteht dann meistens aus Poshu und Bohnen.

Zwanzigtausend Ziegel, in der Zeit der Schulschließung von der Schulleitung Annet Nakigudde mit Jugendlichen in den Lehmgruben von Hand geformt, sind schon gebrannt und warten auf die Verbauung.

Für die vier großen, neuen Klassenzimmer mit einer offenen, überdachten Aula, den notwendigen Toilettenhäuschen, sowie der Schulbänke und Pulte sind etwa 50 000 Euro notwendig. »Das ist eine riesige Summe für den kleinen Matoke Ve-rein, fast nicht zu stemmen, aber im Vergleich zu den Baukosten in Deutschland, ist die Summe verschwindend klein«, betont Projektleiterin Christa Gromotka. »Ohne Hilfe durch Spenden wird der Schulhausbau nicht gelingen, mit einer Spende wird nicht nur der Neubau gefördert, sondern auch die Instandhaltung der bestehenden Gebäude, die Schulgebühren für die mittellosen Kinder, die Verpflegung und die regelmäßige Bezahlung des Lehrpersonals. Bildung ist das Grundrecht aller Kinder und deshalb besonders förderungswürdig.« Mit dem Benefizkonzert von Sieglinde Zehetbauer im Juli konnte der Verein einen ersten finanziellen Grundstein legen und die Weltläden Traunreut und Erding haben weitere Grundsteine gespendet.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann das über das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg des Vereins Matoke e. V. tun: IBAN DE83 7105 2050 0040 6029 97.

In der Versammlung wurden auch der Vorsitzende Peter Gronau und Roman Gromotka als zweiter Vorsitzender wiedergewählt und entlastet. Peter Gronau möchte allerdings aus Altersgründen sein Amt in jüngere Hände legen. Bei der nächsten, für Frühjahr 2022 vorgesehenen, Jahreshauptversammlung möchte er als Vorsitzender ausscheiden, aber weiterhin als Mitglied die Arbeit im Verein mitgestalten.

mix