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Pläne für Geothermieanlage stehen im Brennpunkt

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In der Gemeinde Sauerlach südlich von München wird bereits Geothermie für Nutzwärme und Strom genutzt.

Nußdorf – Der Sprecher der »Geothermie Standortgegner Litzlwalchen«, Sepp Kittl, hieß beim Zenzwirt in Sondermoning gut 100 Gäste willkommen, die sich einfanden, um sich kritisch mit der geplanten Geothermieanlage in Litzlwalchen und Walchenberg auseinanderzusetzen.


Referenten waren der ehemalige Bergbaudirektor der Regierung von Oberbayern, Ingo Tönnesmann aus Tengling, und Werner Müller, Vorstand der Bürgerinitiative Geothermie Landau-Südpfalz, der nach eigenen Angaben selbst Geschädigter eines Geothermie-Erdbebens ist, das an seinem Geschäftshaus massive Fassadenrisse verursacht habe.

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Tönnesmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Verschwendung von Energie und Grundwasser bei der Nutzung von Erdwärme (BIENE), versteht sich, genauso wie Kittl, nicht als grundsätzlicher Geothermie-Gegner. Er sprach sich gegen Fehlentwicklungen aus, die das Gesetz über Erneuerbare Energien (EEG) ermögliche. So sei ein Kraftwerk mit einem Wirkungsgrad von nur sechs bis zehn Prozent »eine umweltpolitische Todsünde«, wenn nicht die entstehende Abwärme genutzt werde.

Seiner Berechnung nach würde das in Litzlwalchen geplante Kraftwerk mit 15 Megawatt elektrischer Leistung, was der in Deutschland größten je gebauten Anlage entspräche, bei einer Förderung von zweimal 128 Grad Celsius bei einem Volumen von zweimal 185 Liter pro Sekunde eine Abwärme erzeugen, mit der 100.000 Häuser versorgt werden könnten, stattdessen aber würde sie »in die Natur geblasen« werden.

Zu seinem ehemaligen Studienkollegen an der niedersächsischen Technischen Universität Clausthal, Bergbau-Ingenieur Thomas Neu, der die Investoren der Firma Geothermie in Traunstein vertritt und für den Bau der Anlage in Litzl-walchen federführend ist, sagte Tönnesmann: »Das ist doch pervers, Thomas.«

Neu antwortete, dass er sich eine Fernwärmeleitung nach Traunstein wünsche, um die dem Kraftwerksbetrieb abgeführte Wärme effektiv nutzen zu können. Deshalb sei er auch mit den Stadtwerken in Traunstein und Traunreut in Kontakt, um eine Fernwärmeleitung auf den Weg zu bringen. Neu setze auf eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Nußdorf, dies habe er gegenüber dem dritten Bürgermeister, Gerhard Mittermaier, zum Ausdruck gebracht.

Weitere Infos für die Bürger nach der Wahl

Zum Vorwurf von Tönnesmann, dass Neu sich mit dem Geothermie-Projekt in Litzl-walchen »eine goldene Nase« auf Kosten der Steuerzahler verdienen wolle, nahm dieser nicht Stellung. Neu steht bezüglich Grundstücksverhandlungen der Geothermieanlage in Litzl-walchen und Walchenberg offensichtlich kurz vor dem Abschluss von Pachtverträgen mit den Eigentümern, er möchte aber erst nach der Kommunalwahl zu einer weiteren Bürgerinformationsveranstaltung einladen.

Grundstückseigentümer Martin Wallner aus Matzing, der mit Neu in Verhandlungen steht – und zwar hinsichtlich eines Pachtvertrags für das geplante Geothermiekraftwerk in Litzl-walchen – machte eine kritische Anmerkung: Er zeigte kein Verständnis dafür, dass Besuchern, die der Geothermie positiv gegenüberstehen, von Moderator Tönnesmann das Wort entzogen worden sei.

Zuvor hatte der aus Tittmoning kommende Maschinenbauer Korbinian Forster ein Plädoyer für den Bau von Geothermieanlagen abgegeben. Insbesondere im Speckgürtel von München hätten die etwa 15 Anlagen einen hohen Wirkungsgrad erzielt. Neben den regenerativen Energieträgern sei Geothermie aus seiner Sicht ein unverzichtbarer Teil, um die Energiewende erfolgreich zu schaffen.

Diesen Ausführungen stellte Müller gegenüber, dass allein am Standort Unterhaching seit 2004 etwa 600 Mikrobeben detektiert worden seien. Vom im Oberrheingraben gelegenen Geothermie-Kraftwerk Insheim seien seit 2009 insgesamt 143 Erdbeben ausgegangen bis zu einer Magnitude von 2,4, sowie eine Geländeanhebung um siebzig Millimeter auf einer Fläche von 2,5 mal 6 Kilometern, mit entsprechenden Schäden. Darauf sagte der Neu als Berater zur Seite stehende Geologe Dr. Stephan Uhlig aus Markt Schwaben, dass die Erdschichten im Oberrheingraben nicht mit denen in Litzl-walchen vergleichbar seien.

Carla und Frank Janietzky aus Walchenberg äußerten sich besorgt über die Gefahren, dass Erdrisse im Boden und an Gebäuden entstehen könnten. Der nahegelegene Trinkwasserspeicher der Stadt Traunreut könnte beeinträchtigt werden, Dauerlärm könnte entstehen, der von einer Bohranlage ausgeht. Auch die Haftungsfrage sei offen, nachdem die Investoren außerhalb der Europäischen Union in England seien. Ingo Tönnesmann meinte dann, Neu könne ja in Privathaftung für die Geothermieanlage treten und für die benachbarten Anlieger ein Beweissicherungsgutachten aus der eigenen Tasche in Auftrag geben.

Neu stellte in Aussicht, dass sich besorgte Bürger bei ihm melden könnten, um über ihre Anliegen und Befürchtungen mit ihm zu sprechen. Noch sei nichts entschieden über die Details der geplanten Anlage, die Bürger werden weiterhin informiert. Tönnesmann und seine Mitstreiter der »BIENE« wollen in weiteren Veranstaltungen auf die Risiken der Geothermie hinweisen. az