Nußdorf bekommt Katastrophenschutz-Zentrallager

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Auf einem Grundstück (im Bild links) gegenüber dem Kreisbauhof bei Nußdorf-Hartmann will der Landkreis Traunstein ein zentrales Katastrophenschutzlager errichten. Der Gemeinderat Nußdorf schuf durch eine Änderung des Bebauungsplans und die Anpassung des Flächennutzungsplans die Voraussetzung für den Neubau. (Foto: Volk)

Nußdorf – Der beabsichtigte Bau eines Zentrallagers für den Katastrophenschutz, nördlich von Hartmann, in Nachbarschaft zum Kreisbauhof und die notwendige Änderung des Bebauungsplans »Sondergebiet Bauhof des Landkreises Traunstein« fand nicht die ungeteilte Zustimmung des Gemeinderats.


In der jüngsten Sitzung befasste sich das Ratsgremium mit dem Antrag auf Erweiterung des Bebauungsplans, um die Grundlage für eine Bebauung der gut 5000 Quadratmeter großen Erweiterungsfläche zu schaffen. Nach ausführlicher Diskussion stimmte der Gemeinderat mit 9:6 Stimmen für die Bebauungsplanänderung.

Seit langer Zeit sei der Landkreis Traunstein auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für die Errichtung eines Lagers für Maschinen, Geräte und Material für den Katastrophenschutz, berichteten Florian Appelt, Sachgebietsleiter für Katastrophenschutz und öffentliche Ordnung und Kreisbrandrat Christof Grundner. In den vergangenen Jahren, in denen die Zahl von Unwetterereignissen stetig zunehme, habe sich gezeigt, wie notwendig es sei, Material für Katastropheneinsätze zentral und schnell erreichbar vorzuhalten. Die Errichtung des Lagers beim Kreisbauhof in Nußdorf-Hartmann habe viele Vorteile. Durch die Nähe zur Bundesstraße 304 sei es sehr gut erreichbar, es läge zentral im Landkreis und die Ansiedlung beim Kreisbauhof hätte synergetische Vorteile. Zudem sei die erforderliche Infrastruktur vorhanden.

Für die Nußdorfer würden durch das Zentrallager keine Belastungen entstehen. Das Verkehrsaufkommen steige lediglich im Katastrophenfall, wenn dort gelagertes Material und Gerätschaften abgeholt und zum Einsatzort gebracht werden. Die Anwohner im Ortsteil Hartmann seien von der Errichtung des Lagers kaum betroffen. Von der Nachbarbebauung sei das Katastrophenlager durch einen Waldgürtel getrennt und somit nicht sichtbar, betonte Grundner.

»Wieder wird Fläche versiegelt«

Franz Aigner (BL) missfiel, dass eine große Waldfläche abgeholzt werden müsse, um das Lager bauen zu können. Auch Franz Purzeller (UWG) bedauerte die Waldrodung. »Wieder wird Fläche versiegelt und zuvor eine große Waldfläche abgeholzt«, so Purzeller. Er habe den Eindruck, dass der Landkreis mit Anlagen, für die keine Gewerbesteuer zu zahlen ist, stets Nußdorf als Standort auswähle. Vor Jahrzehnten war es die Mülldeponie, dann der Kreisbauhof, später ein Salzlager. Die Argumente für ein Katastrophenschutzlager seien nachvollziehbar, er bat jedoch darum die Waldrodung auf ein notwendiges Mindestmaß zu begrenzen. Gerhard Lackner (WZG) findet es ebenfalls schade, dass Waldfläche wegfalle. Er findet es aber dennoch sinnvoll, das Lager zentral und anknüpfend an den Bauhof zu bauen. Es müsse nichts neu geschaffen werden, die erforderliche Infrastruktur bestehe schon.

Christian Ehinger (BL) sagte, er könne nicht zustimmen. Die Gemeinde Nußdorf habe keinerlei Vorteile, keine Gewerbesteuereinnahmen, keine Einkommensteuer, die erforderlichen Ausgleichsflächen entstehen auch nicht in Nußdorf. »Andere Gemeinden wollen es eh nicht, Nußdorf liegt in der Landkreismitte, machen wir es einfach dort hin«, so werde offensichtlich gedacht. »Irgendwo ist eine Grenze, und diese Grenze ist erreicht,« so Ehinger.

Thomas Ober (WZG) fragte, ob es nicht möglich sei, das vorhandene Bauhofgelände so weit zu verdichten, dass die geplante Lagerhalle dort Platz findet und eine deutlich geringere Waldfläche gerodet werden müsse. Kreisbrandrat Grundner berichtete, dass ein Teil der derzeitigen Bauhoffläche für das künftige Katastrophenschutzlager genutzt werde. Rund um die Lagerhalle werde es aber auch große Grün- bzw. Versickerungsflächen geben, um die Oberflächenentwässerung sicherzustellen.

Landkreis solle nach anderen Standorten suchen

Gerhard Mittermaier (WZG) sagte, er erkenne die Notwendigkeit eines Katastrophenschutzlagers, fragte jedoch: »Muss es immer Nußdorf sein, wenn der Landkreis einen Standort für öffentliche Anlagen sucht?« Traunstein, Chieming oder Traunreut liegen ebenso zentral im Landkreis wie Nußdorf. Er wünsche sich, dass der Landkreis auch woanders sucht und nicht immer nach Nußdorf tendiert.

Max Eder (BL) wollte wissen, ob im künftigen Lager Gefahrstoffe gelagert werden oder nach Einsätzen nur vorübergehend? Und ob daran gedacht ist, die Dachflächen mit Photovoltaikanlagen auszustatten? Kreisbrandrat Grundner versicherte, dass im Lager keinerlei Gefahrstoffe vorgehalten und auch nicht temporär zwischengelagert werden. Florian Appelt bestätigte, dass die Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Bürgermeister Toni Wimmer (CSU) betonte, dass der Landkreisbauhof bzw. dessen Erweiterung der richtige Standort für das Zentrale Katastrophenschutzlager sei. Zum Weiler Hartmann bleibe ein Waldstreifen als grüne Trennlinie, die Zufahrtsstraße sei schon jetzt für schwere Lastwagen ausgelegt und die Verkehrsbelastung steige nur im Katastrophenfall, wenn dort eingelagertes Material und Geräte abgeholt werden.

Mit 9 zu 6 Stimmen beschloss der Gemeinderat den Bebauungsplan »Sondergebiet Bauhof des Landkreises Traunstein« zu erweitern und den Flächennutzungsplan im Parallelverfahren anzupassen. Die Änderung der Bauleitplanung diene der Errichtung eines Katastrophenschutzlagers am Kreisbauhof.

Zusätzlich wurde dem Landkreis Traunstein als Antragsteller und Bauherr mitgegeben, den Unterhalt der Straße zu übernehmen, auf dem Dach der Lagerhalle eine Photovoltaikanlage zu errichten und die Beschilderung zum Kreisbauhof zu verbessern. Auf dem Gelände des Bauhofs wurde auch schon eine Covid-Teststation betrieben. Die Ausschilderung damals war mangelhaft, so dass viele der Autofahrer in Hartmann landeten, was für die Anlieger zur Last wurde. Auch wünschte er sich der Gemeinderat, dass die Grünordnung auf dem Grundstück vollständig umgesetzt wird.

pv