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Gemeinderat Nußdorf ist gegen Geothermie-Projekt

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Gemeinderat Nußdorf ist gegen Geothermie-Projekt
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Nicht nur die Nutzung eines Feld- und Radwegs als Zufahrt zum Bohrplatz eines beabsichtigten Geothermie-Kraftwerks sowie dessen Verlegung lehnte der Gemeinderat Nußdorf ab, sondern generell das gesamte Projekt. Den Bau der Anlage nahe Litzlwalchen und nördlich der Staatsstraße 2096 (im Bildhintergrund) könne die Gemeinde »keinesfalls unterstützen«, so der Beschluss des Gemeinderats. (Foto: Volk).

Nußdorf – Eigentlich ging es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Nußdorf gleich zu Beginn bei Tagesordnungspunkt 2 um die »Verlegung eines Feld- und Waldwegs bei Litzlwalchen als Zufahrt für einen Bohrplatz für die Geothermie«. Daraus wurde jedoch eine Generaldebatte über das Für und Wider der Geothermie und die Absichten einer Investorengruppe, nordöstlich von Litzlwalchen an der Gemeindegrenze zur Stadt Traunreut eine 15-Megawatt-Anlage – nach Aussage der Projektfirma die größte Anlage in Deutschland – errichten zu wollen.


Der Gemeinderat beschloss bei einer Gegenstimme, dass der Feld- und Waldweg, der zudem als Radweg ausgewiesen ist und von der Staatsstraße 2096 in Richtung Matzing verläuft, nicht verlegt wird. Auch schloss das Ratsgremium eine Nutzung für den Werksverkehr und als Zufahrt für das geplante Geothermie-Kraftwerk aus. Der Weg sei für Schwerverkehr nicht geeignet, auch habe die Gemeinde kein Interesse, den Weg entsprechend auszubauen.

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Die Gemeinderäte machten mit einer ergänzenden und generellen Stellungnahme zum Beschluss deutlich, dass sie modernen Energieerzeugungsverfahren aufgeschlossen gegenüberstehen, das geplante Geothermiekraftwerk jedoch keinesfalls unterstützt werden könne. Unter anderem deshalb, weil nur Strom erzeugt werde, aber keine Wärmenutzung erfolgen solle.

Bürgermeister Toni Wimmer machte zu Beginn der Beratung deutlich, dass er gegen eine Verlegung des Wegs und auch gegen eine Nutzung als Zu- und Abfahrt zu den Grundstücken des geplanten Geothermiekraftwerks ist. Er persönlich sei gegen den Bau der Anlage, weil die Rahmen- und Nutzungsbedingungen nicht passen. Das sei auch die Meinung vieler Bürger, die das Kraftwerk auch nicht wollen, so der Rathauschef.

Franz Purzeller bedauerte, dass es von Seiten der Investoren seit langem keine Information zum Stand des Projekts gebe. »Die Sache scheint nicht ausgegoren. Es ist schade, dass sich der Landkreis Traunstein nicht einschaltet, wenn ein Kraftwerk nur zur Stromerzeugung geplant ist, ein geringer Wirkungsgrad gegeben ist und nicht ausgeschöpft wird, was möglich ist.«

Nur möglich, »weil es hoch subventioniert wird«

Zweiter Bürgermeister Gerhard Mittermaier hielt ein langes Plädoyer und erläuterte, warum er gegen die Errichtung der Geothermie bei Litzlwalchen ist: Es sei ihm klar, dass der Landkreis seine Energieziele erreichen möchte und der im Landkreis benötigte Strom zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie erzeugt werden soll. Bei der Tiefengeothermie bei Litzlwalchen solle jedoch ausschließlich Strom gewonnen werden. Eine Nutzung der Erdwärme, mit der 80.000 Haushalte versorgt werden könnten, sei wegen nicht vorhandener Abnehmer nicht realisierbar. Die Investoren hätten zwar angeblich ein Konzept zur Wärmenutzung erarbeitet, doch gebe es allem Anschein nach keine Interessenten und Großabnehmer.

Die Geothermie-Anlage bei Litzlwalchen solle mehr als die doppelte Leistung des Kraftwerks im Nordwesten von Traunreut haben. Das Ganze sei nur möglich, »weil es hoch subventioniert wird«, so Mittermaier. Er befürchtet einen hohen Flächenverbrauch, eine Schädigung der Umwelt und als größte Sorge Gefahren für das Grundwasser, vor allem wegen Bohrungen bei Walchenberg (Stadt Traunreut), nahe am Wasserschutzgebiet aus dem – nach Mittermaiers Kenntnis – die Stadt Traunreut 90 Prozent ihres Trinkwassers gewinne. Auch gehe die Wertschöpfung komplett ins Ausland – der Investor sei eine britische Gesellschaft. Steuereinnahmen für die Gemeinde Nußdorf seien kaum zu erwarten, ist sich Mittermaier sicher.

Bürgermeister Wimmer betonte, die Gemeinde sei nicht die Genehmigungsbehörde für das Projekt. Auch wenn sich der Gemeinderat gegen den Bau der Geothermie ausspreche, müsse den Bürgern bekannt gemacht werden, dass es sich um eine privilegierte Baumaßnahme handelt, über die andere entscheiden, die Staatsregierung und das Wirtschaftsministerium und die Genehmigungen für Bohrungen erteilt das Bergamt.

Sich strikt gegen das Projekt auszusprechen, sei wenig diplomatisch, mahnte Helmut Braml. »Wenn wir unsere Interessen und Anliegen wahren wollen, sollten wir mit dem Investor und künftigen Betreiber im Gespräch bleiben«, so Braml. »Bei einem 'Nein', erfahren wir gar nichts mehr!« Franz Aigner schlug vor, den Tagesordnungspunkt zurückzustellen und Thomas Neu, den Geschäftsführender Gesellschafter der pro G.E.O. Ingenieurgesellschaft einzuladen, um sich aus erster Hand über den Sachstand informieren zu lassen. Davon hielt Gerhard Mittermaier nichts: »Es ist eine Frechheit, dass wir von den Investoren nicht informiert werden, wie weit das Projekt fortgeschritten ist.«

»Die Gemeinde Nußdorf sollte ein Zeichen setzen und eine generelle Stellungnahme abgeben, wie wir zu dem Projekt stehen, auch wenn wir nicht Genehmigungsbehörde sind oder gerade deshalb, weil es eine privilegierte Baumaßnahme ist«, sagte Thomas Ober. Max Eder erinnert, dass lange um den Radweg entlang der Staatsstraße und eine Verbindung nach Matzing und Traunreut gekämpft wurde. Diesen nun für den Werkverkehr und als Zufahrt zum Geothermie-Projekt aufzugeben, dürfe nicht geschehen. »Das Geothermie-Kraftwerk passt nicht nach Litzlwalchen, weil das Energie- und Wärmekonzept nicht passt,« so Eder.

Mit 14 zu 1 Stimmen lehnte der Gemeinderat die Nutzung des gemeindlichen Feld- und Waldwegs als Zufahrt zum Geothermie-Bohrplatz ab, ebenso die Verlegung des Wegs auf Kosten der Investoren. Das Geothermie-Kraftwerk bei Litzlwalchen könne keinesfalls unterstützt werden, so die generelle Stellungnahme des Gemeinderats. pv