Erste Großübung von Feuerwehren, Hilfs- und Rettungsdiensten nach Coronazwangspause

Erste Großübung von Feuerwehren, Hilfs- und Rettungsdiensten nach Coronazwangspause
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Verpuffung in einer Werkstatt: Feuerwehrmänner mit Atemschutzgeräten retten einen Schwerverletzten aus den völlig verqualmten Räumen. Das war eines der Notfallszenarien, täuschend echt inszeniert, die von den Einsatzkräften beim Übungstag in Nußdorf zu bewältigen und abzuarbeiten waren. (Foto: KFV)

Nußdorf – Die Zusammenarbeit stärken, die Kommunikation am Einsatzort üben und junge Führungskräfte fördern und Routine zu geben, waren die Ziele eines Übungstags von Feuerwehren und Hilfs- und Rettungsdiensten im Gemeindegebiet Nußdorf.


Der Kreisfeuerwehrverband initiierte die Gemeinschaftsübung der Feuerwehren im Inspektionsbereich »Traunstein Land 5« (Landkreismitte) zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), Technischen Hilfswerk (THW), Wasserwacht und Deutscher-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Polizei. Insgesamt 160 Ehrenamtliche der verschiedenen Hilfsorganisationen wirkten mit und setzen sich mit acht verschiedenen Notfallszenarien auseinander. Bei allen ging es darum, Menschenleben zu retten, Schäden abzuwehren und Gefahren zu beseitigen.

Rund 80 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Traunreut, Matzing, Chieming, Ising, Hart, Surberg und Nußdorf sowie der Werkfeuerwehr Bosch-Siemens-Hausgerätewerk Traunreut, ebenso 80 Ehrenamtliche des Bayerischen Roten Kreuzes, der THW-Ortsverbände Traunstein und Traunreut, der Wasserwacht und DLRG, sowie Polizei, Bundeswehr, Übungsbeobachter, Verletztendarsteller nahmen teil.

Szenarien an acht verschiedenen Stellen

An acht verschiedenen Stellen im Gemeindegebiet Nußdorf wurden Notfallsituationen in Szene gesetzt. Die BRK-Gruppe für Notfalldarstellung sorgte mit Schminke und Farbe für täuschend echte Verletzungen und perfekte schauspielerische Darstellung.

Aufgabe der Rettungskräfte war es, nach Alarm und Anforderung der Feuerwehr-Führungsstelle Chiemsee in Erlstätt zu den verschiedenen Unglücksorten zu fahren und dort schnelle Hilfe zu leisten. Was die Helfer erwartete, blieb vorab geheim. Erst als die Rettungs- und Löschtrupps an den Unfallstellen ankamen, erfuhren sie, um welche Art von Notfall oder Unglück es sich handelte.

In Szene gesetzt wurde eine Verpuffung in der Werkstatt einer Baufirma, entstanden durch austretendes Gas bei Schweißarbeiten. Dabei mussten Atemschutzträger der Feuerwehr eine verletzte Person in einer völlig verrauchten Garage suchen, in Sicherheit bringen und den Brand löschen. Auch war ein Verletzter mit schweren Brandverletzungen zu versorgen, bis der BRK-Rettungsdienst eintraf und die weitere Versorgung übernahm.

An anderer Stelle musste ein Mann gerettet werden, der einen Stromschlag erlitten hatte. Aufgabe der Rettungskräfte war es, einen Zugang zu dem Schwerverletzten zu schaffen, denn das Gebäude war versperrt. Muss eine Türe mit Spezialwerkzeug geöffnet werden, oder kann der Verletzte über ein Fenster im Obergeschoss und eine Leiter gerettet werden?

Gefahrgutunfall mit Natriumchlorid

Aus misslicher Lage zu retten war auch eine Person, die auf einem Jägerstand in gut vier Metern Höhe einen Hexenschuss erlitten hatte und sich kaum mehr bewegen konnte. Spektakulär auch ein Gefahrgutunfall, bei dem Natriumchlorid aus einem Kanister ausgelaufen und dadurch eine Frau bewusstlos zusammengebrochen war. Atemschutzträger der Feuerwehr sicherten den Gefahrstoff und führten zusammen mit dem Rettungsdienst die Erstversorgung der Verletzten durch.

Bei einem inszenierten Betriebsunfall wurde eine Arbeiterin schwer verletzt. Sie war in eine Bauschalung gestürzt. Rettungsdienst und Feuerwehr bewiesen Improvisationsgabe und stimmten sich ab, um die Verletzte schonend und dennoch schnell zu befreien. In einem Wald lief wegen eines technischen Defekts Öl aus einem Rückewagen aus und verunreinigte einen nahen Weiher. Die Einsatzkräfte mussten rasch handeln, um in dem stehenden Gewässer einen Umweltschaden zu verhindern.

Mutter vermisste ihre Kinder

Ein für die Einsatzkräfte herausforderndes Szenario war eine Vermisstensuche und die Rettung einer Person, die leblos im Mühlbach trieb. Die mitwirkenden Wasserrettungskräfte meisterten die Aufgabe mit Bravour. Große Aufregung bei einer Mutter, die ihre Kinder vermisste, die in einer Kiesgrube gespielt hatten und plötzlich unauffindbar waren. Die Feuerwehr suchte das Gelände ab, fand vier Kinder unversehrt und brachte sie in Sicherheit. Ein Kind war in ein Schachtrohr gestürzt, aus dem es gerettet werden musste.

Koordiniert wurde die Einsatzübung von der Führungsstelle Chiemsee und einem Einsatzleitfahrzeug der Feuerwehr Surberg, das im Bereitstellungsraum im Gewerbegebiet Aiging platziert war. Auch die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG SAN-EL) des BRK wirkte mit. Von der Übungsleitstelle aus wurden die Einheiten zu den Einsätzen beordert und die gesamte Kommunikation sichergestellt.

Die Kreisbrandinspektoren Georg König und Martin Schupfner sowie die kritischen Übungsbeobachter zogen am Ende der vierstündigen Übung eine positive Bilanz der gezeigten Leistungen. An allen Übungsstellen sei ruhig und routiniert gearbeitet worden, gepaart mit Improvisationsgabe und dem Augenmerk auf Sicherungsmaßnahmen und Eigenschutz der Einsatzkräfte. Nach langer Zeit der Corona-Einschränkungen, in der Übungen fast unmöglich waren, habe sich eine gewisse Lethargie eingestellt. »Wir müssen unsere Helferschaft wieder hinter den Öfen hervorlocken«, so König. Auch die Führungskräfte der Rettungsdienste werteten das Ziel der Gemeinschaftsübung als erreicht.

Nußdorfs Bürgermeister Toni Wimmer, selbst aktiver Feuerwehrmann, dankte allen Übenden für die engagierte Mitwirkung und die Zeit, die die ausschließlich ehrenamtlichen Übungsteilnehmer dafür aufbringen. Es sei enorm wichtig, dass die Blaulichtorganisationen die gleiche Sprache sprechen, um im Einsatz gut und effektiv zusammenzuarbeiten. Der Übungstag trage erheblich dazu bei, die Zusammenarbeit zu fördern. Kreisbrandinspektor Schupfner betonte, dass die mittlerweile etablierten, aber Corona-bedingt mehr als ein Jahr ausgesetzten Übungstage eine gute Chance bieten, Erfahrung zu sammeln und Verbesserungen in Taktik und Einsatzbewältigung anzustoßen.

pv