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Diskussion in Nußdorf – und das nicht nur zur Geothermie

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Diskussion in Nußdorf – und das nicht nur zur Geothermie
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Ein Bohrturm für eine Geothermie-Anlage in Bayern. Foto: Richard Bartz/Wikipedia

Nußdorf – Auf großes Interesse stieß die zweite Bürgerinformation zum Thema Geothermie. Dabei wurden vor rund 80 Besuchern auch viele Fragen zu der Thematik aus der Nußdorfer Bürgerversammlung im Mai geklärt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung des Landkreises Traunstein.


Sie wies darauf hin, dass der Landkreis seine gesteckten Ziele von 2007, nämlich bis 2020 seinen Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energiequellen zu decken, mittlerweile zu 90 Prozent erreicht habe. Neben Solarstrom, Wasserkraftwerken, Biomasse und Windenergie sei auch die grundlastfähige Geothermie eine Möglichkeit der Stromgewinnung.

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Bedenken der Anwohner möglichst früh klären

Der Investorenvertreter der Firma Geothermie Traunstein AG & Co. Explorations KG, Bergbauingenieur Thomas Neu, sagte, dass man sich derzeit in der Planungsphase befinde, also mögliche Standorte für einen Kraftwerksbau noch völlig offen seien. Ziel der Bürgerinformations-Veranstaltung sei es, die Bürger vorab zu informieren, damit mögliche Bedenken der Anwohner früh geklärt werden könnten.

Ingenieur Fabian Bräu von Hook Farny Ingenieure aus Landshut wies in seinem Referat darauf hin, dass die gesetzlich vorgeschriebene maximale Lärmbelastung in der Nacht bei 40 Dezibel für Wohngebiete liegen dürfe, tagsüber bei 55 Dezibel.

Geologe Dr. Thomas Hornung von der Geologie-Wasser-Umwelt GmbH aus Berchtesgaden nahm Bezug auf die allgemeine Geologie des Untersuchungsraums. Der Trink- und Grundwasserschutz gehöre zu den sensibelsten Bereichen des Wasserschutzes. Entsprechend habe er keine Bedenken, dass das Wasserwirtschaftsamt bei derlei Genehmigungsverfahren die Hürden sehr hoch ansetze und Schädigungen der Grundwasserqualität aufgrund der hohen Kontrollen kaum realistisch seien.

Dr. Simon Kremers von der DMT GmbH & Co. aus Essen ging auf induzierte seismische Ereignisse ein, auf die Beurteilung von Erschütterungen, Messungen nach DIN 4150, auf seismische Messnetze, Vorgaben zur Überwachung induzierter Seismizität, dazugehörige Ampelsysteme zur Steuerung des Betriebs und auf die Festlegung des Einwirkungsbereichs.

Ingenieur Wolfgang Schuardt vom Planungsbüro Schuardt aus Traunstein nahm in seinem Vortrag die Themen Umweltverträglichkeitsvorprüfung, spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, landschaftspflegerischer Begleitplan, naturschutzrechtliche Belange der Geothermie Litzlwalchen-Walchenberg und landschaftsplanerische Aspekte in den Blick.

Schuardts Äußerung, dass sich Litzlwalchen als »vorbelasteter Bereich« für eine Geothermieanlage grundsätzlich gut eignen könnte, weil es dort bereits eine stillgelegte Mülldeponie mit einer darauf gebauten Solaranlage gebe, sorgte bei einigen Bürgern für Empörung. »Diese Auffassung ist nicht hinnehmbar. Erst hatten wir eine Mülldeponie mit 400.000 m3 Restmüll, und jetzt werden von dort aus 400 Haushalte mit Strom versorgt, das muss doch reichen«, kritisierte Jürgen Kittl aus Litzlwalchen.

In der sich anschließenden Diskussion zwischen Bürgern und Referenten erwähnte Josef Kittl, dass eine Interessensgruppe aus 554 Bürgern aus den umliegenden Ortschaften bereits eine Unterschriftenaktion auf den Weg gebracht habe, um den Bau des Geothermiekraftwerks am genannten Standort zu verhindern.

Argumente seien: Lärmbelästigung durch Bohrungen bei Tag und Nacht, unsichere Haftungsfrage durch einen englischen Pensionsfonds mit Sitz in Luxemburg, der die Firma Petra Energy in München mit der Durchführung beauftragt, Bewahrung des bestehenden Orts- und Landschaftsbilds, drohender Wertverlust der bestehenden Immobilien, Flächenverbrauch von 2,5 Hektar Grünfläche, Vorbelastung durch Landkreis-Mülldeponie und jetzt Solaranlage an diesem Ort, bestehender Landkreisbauhof mit Landkreissalzlager und zurückliegender Kompostieranlage, Bohrungen in der Nähe eines Wasserschutzgebietes und Verbreiterung der Straße im Wasserschutzgebiet.

Aus diesen Gründen sei gefordert, das Bauvorhaben an einem Standort durchzuführen, bei dem die Risikofaktoren nicht in einem solchen Ausmaß vorhanden seien, und die Lebensqualität von Menschen nicht so beeinträchtigt werde.

Gerichtet wurde dieses Schreiben an den Leiter des Bergamts Südbayern, den Leitenden Bergdirektor Peter Freiherr von Pastor in der Regierung von Oberbayern, an den Kreisbaumeister im Landratsamt Traunstein, Rupert Seeholzer und an die Gemeinde Nußdorf.

Der dritte Bürgermeister von Nußdorf, Gerhard Mittermaier, sieht im Bau einer solchen Geothermieanlage einen viel zu geringen Wirkungsgrad, weil 85 Prozent der Energie nicht genutzt würde. Außerdem wäre durch die Anlage nur eine Strom- aber keine Wärmeabnahme gegeben. »Deshalb ist ein stadtnaher Standort wie in Traunreut zu bevorzugen, aber nicht mitten auf dem Land«, betonte Mittermaier.

Von Thomas Ober ging die Befürchtung aus, dass durch den Bau einer Geothermieanlage in Litzlwalchen die Tür für den Bau eines Gewerbegebiets in Richtung Matzing geöffnet wäre.

Bürgermeister wehrt sich gegen Behauptungen

Am Schluss der Veranstaltung richtete sich der sichtlich betroffene Bürgermeister Hans Gnadl an die Anwesenden. Er habe in seiner Tätigkeit als Kreisbrandrat Thomas Neu beim Geothermiebau in Traunreut als kompetenten und zuverlässigen Partner kennengelernt – und jetzt falle ihm die Geothermie auf die Füße, sagte er.

Öffentlich werde behauptet, er würde sich mit der Geothermie seine Rente aufbessern wollen. »Die Personen, die sich dahingehend geäußert haben, sind mir namentlich bekannt.« Da es dabei um einen gegen ihn gerichteten strafrechtlich relevanten Vorwurf der Vorteilsannahme im Amt gehe, werde er, Gnadl, im Wiederholungsfall sofort Kontakt mit einem Anwalt aufnehmen, »um gegen derartige Vorwürfe vorzugehen«. Thomas Neu kommentierte diese Aussage kurz und prägnant: »Wir schmieren nicht!« az