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Die Tracht als Wurzel, Heimat und ein Bekenntnis zur Geschichte

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Nußdorf: Trachtenverein feierte 100. Geburtstag mit kleiner Jubiläumsfeier
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Sie freuten sich, dass der 100. Geburtstag des Trachtenvereins Nußdorf zumindest im kleinen Rahmen gefeiert werden konnte: Vorsitzende Stefanie Brunner (von rechts), Bürgermeister Toni Wimmer, zweiter Vorsitzender Sebastian Osenstätter und Hans Gnadl, Schirmherr und Nußdorfs ehemaliger Bürgermeister.

Nußdorf – Mit einer Feier im Kleinen, einem Festgottesdienst auf dem Dorfplatz vor dem Bürger- und Vereinsheim und einem Totengedenken am Kriegerdenkmal beging der Trachtenverein Nußdorf seinen 100. Geburtstag.


Eigentlich wären am Sonntag die Nußdorfer Festtage aus Anlass des 100. Geburtstags des Trachtenvereins zu Ende gegangen. Vier Tage – so die ursprüngliche Planung – hätte er sein rundes Jubiläum gefeiert. Doch die Corona-Pandemie machte den Trachtlern einen Strich durch die Rechnung. Die Jubiläumsfeiern mussten abgesagt und auf 2022 verschoben werden. Ganz ohne Feier sollte das Jubiläumsjahr aber nicht vorübergehen. Die Vorstandschaft entschloss sich für eine Feier im kleinen Rahmen, die den aktuellen Corona-Hygienevorschriften entspricht.

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Seit 100 Jahren Tradition zu pflegen und Brauchtum zu erhalten und zu fördern – das sei Aufgabe des Trachtenvereins Nußdorf, betonte Vorsitzende Stefanie Brunner beim Totengedenken vor der Pfarrkirche St. Laurentius. »Was die Gründungsväter begannen, muss uns Anspruch sein, fortzuführen und zu bewahren.« Um den Gründern des Vereins zu gedenken und sich an die Vorfahren und verstorbenen Mitglieder in Dankbarkeit zu erinnern, wurde am Kriegerdenkmal ein Kranz niedergelegt.

Vereinsgründung war in schwieriger Zeit

Pater Marius dankte in Gebeten allen, die das Vereinsleben in den vergangenen 100 Jahren getragen und aktiv gestaltet haben. Bürgermeister Toni Wimmer bedauerte, dass die geplante große Feier aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden könne. Er erinnerte daran, dass die Gründung des Trachtenvereins am 19. Juli 1920 kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs und noch während der Spanischen Grippe erfolgte, in einer überaus schwierigen Zeit.

Dennoch hatten die Gründungsväter den Mut, eine neue Gemeinschaft ins Leben zu rufen. Er hoffe und wünsche, dass der Verein in Gesundheit und Frieden weiterhin Tradition und Brauchtum pflege. »Frieden sei nicht nur die Windstille zwischen zwei Kriegen – Frieden und Miteinander beginne in den Herzen«, so Wimmer.

Der anschließende Festzug mit dem Festverein und den Abordnungen der Nußdorfer Ortsvereine sowie den Patenvereinen aus Traunstein, Altenmarkt und Burgkirchen führte zum Bürger- und Vereinsheim. Auf dem Vorplatz wurde der Festgottesdienst zum 100-jährigen Bestehen gefeiert.

Pater Marius, der die Gottesdienstfeier zelebrierte, gratulierte dem Trachtenverein zu dem besonderen Jubiläum. Es sei ebenso ein besonderer Anlass für die ganze Gemeinde. Und auch wenn die Corona-Pandemie in diesem Jahr ein großes Fest unmöglich mache, werde sich der Verein 2022, wenn sich die Situation hoffentlich deutlich verbessert habe, »bestimmt revanchieren«, so der Seelsorger.

Als er 2012 nach Bayern kam, habe er schon bei seinem ersten Gottesdienst zu einem Vereinsjahrtag erfahren dürfen, wie wichtig die Tracht ist. »Die Tracht, das Gewand, ist ein Stück Wurzel, es vermittelt Heimat, ist ein Bekenntnis zur Geschichte, zum Dörflichen.« Der Trachtenverein trage Verantwortung dafür, dass Tradition lebendig bleibt. »Was vor 100 Jahren geschaffen wurde, soll noch Hunderte und Tausende von Jahren weitergehen«, wünschte der Pater.
Dazu gehöre untrennbar der Glaube. »Christus als Gewand anlegen«, wie es das Evangelium beschreibt, sei die Aufgabe. Der Glaube soll nicht nur im Herzen getragen werden, sondern ebenso wie das Trachtengewand im Alltag sichtbar und erlebbar sein. »Unser Glaube ist Teil unserer Gemeinschaft, unserer Dörfer, unserer Gemeinde.«

Der Seelsorger forderte dazu auf, dafür einzutreten, dass Brauchtum, Tradition und Glaube weitergetragen und gefördert werden. Der Freiluftgottesdienst wurde von den Wahoizner Sängern mit Karoline Speckbacher an der Harfe sowie Bläsern der Musikkapelle Nußdorf musikalisch umrahmt.

Hans Gnadl, Nußdorfs ehemaliger Bürgermeister und Schirmherr des Vereinsjubiläums, freute sich, dass der 100. Geburtstag trotz widriger Umstände gefeiert werde. »Es hat vor 100 Jahren Idealisten gegeben, die den Verein gegründet haben, und es wird immer wieder Idealisten geben, die ihn weiterführen und mit Leben erfüllen«, zeigte sich Gnadl überzeugt. Gnadl wünschte dem Trachtenverein für die Zukunft alles Gute und in zwei Jahren ein Fest ohne besondere Hindernisse.

»Absage wurde uns von der Politik auferlegt«

Mit einem Augenzwinkern stellte Vereinschefin Stefanie Brunner fest, dass Gnadl seine Aufgabe als Schirmherr sehr gut gemacht hätte. Die geplanten vier Festtage hätten bei bestem Wetter stattgefunden, ebenso die kleine abendliche Festlichkeit. Sie erinnerte daran, dass der Festausschuss seit Januar 2018 15-mal zusammengekommen ist, viele ehrenamtliche Stunden erbracht habe und die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeier zum größten Teil abgeschlossen waren. Das Jubiläumsprogramm stand fest, Fest- sowie Eintrittszeichen, mühevoll in Handarbeit gefertigt, lagen bereit. »Dann kam Corona und die Entscheidung, alles absagen zu müssen, wurde uns von der Politik auferlegt«.

Vorstandschaft und Festausschuss entschieden schließlich für eine Verlegung der Jubiläumsfeier auf das zweite Augustwochenende 2022. »Wir hängen uns an das 125-jährige Gründungsfest des Burschenvereins an und so wird es eine Nußdorfer Festwoche geben«, kündigte Brunner an. Vorstellen konnte die Vereinschefin die Festschrift zum 100. Geburtstag. Der Festausschuss legte Wert darauf, diese zum tatsächlichen Jubiläumsjahr herauszugeben. Sie ist beim Trachtenverein erhältlich.

Mit zwei Schlägen zapfte Schirmherr Gnadl ein Bierfass an und die kleine Feier zum 100. Gründungsfest fand mit einem gemütlichen Beisammensein auf dem Dorfplatz ein Ende. pv

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Den Festgottesdienst vor dem Bürger- und Vereinsheim zelebrierte Pater Marius. Er wünschte, dass der Trachtenverein noch Hunderte und Tausende Jahre für Brauchtum und Tradition eintrete und lebendig erhalte. (Fotos: Volk)