Ablehnung auch im Gemeinderat Nußdorf: Geothermie – nein, danke!

Nußdorf: Ablehnung gegen Geothermie im Gemeinderat und bei Bürgern – Unterschriftenlisten
Bildtext einblenden
Bereits im Juni sprach sich der Gemeinderat Nußdorf grundsätzlich gegen den Bau eines Geothermie-Kraftwerks nahe Litzlwalchen, nördlich der Staatsstraße 2096 (im Bildhintergrund) aus. Die Gemeinde könne dies »keinesfalls unterstützen«, so der Beschluss. Nun beschloss das Ratsgremium, im Widerstand gegen das Projekt nachzulegen und politische Entscheidungsträger und Behörden über die Ablehnung der Anlage zu informieren. Auch wird eine Unterschriftensammlung initiiert. (Foto: Volk)

Nußdorf – Wie kann das geplante Geothermie-Kraftwerk nordöstlich von Litzlwalchen an der Gemeindegrenze zur Stadt Traunreut verhindert werden? Und was kann die Gemeinde Nußdorf dagegen tun – darüber beriet der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.


Die Räte sprachen sich einstimmig dafür aus, ihren bereits im Juni gefassten Beschluss, das geplante Kraftwerk keinesfalls zu unterstützen, den Entscheidungsträgern von Politik und Behörden und damit die Ablehnung des Projekts deutlich zu machen. Auch den Städten Traunreut und Traunstein soll schriftlich dargelegt werden, warum die Gemeinde Nußdorf gegen den Bau der Anlage ist und mit den Nachbargemeinden über ein möglicherweise gemeinsames Vorgehen sprechen.

Anzeige

Initiieren will der Gemeinderat auch eine Unterschriftenaktion zur Ablehnung der geplanten Geothermie. Zudem soll das Energiekonzept der Gemeinde, das 2014 erarbeitet wurde, zusammen mit dem örtlichen Arbeitskreis Energie und gegebenenfalls mit Fachbehörden überarbeitet werden.

Die Bürgerliste und Wir-Zukunft-Gemeinde stellten den Antrag, die geplante Geothermie bei Litzlwalchen erneut im Gemeinderat zu behandeln und die Aktivitäten gegen die Anlage zu verstärken. Vor kurzen fand ein Gespräch der Bürgerliste mit Thomas Neu, Projektleiter der Petra Energy-Geothermie Traunstein statt. Christian Ehinger (BL) informierte über dieses Treffen und den, vom Projektleiter dargestellten aktuellen Sachstand.

Auch Bürgermeister Toni Wimmer (CSU) hatte ein Gespräch mit Projektleiter Thomas Neu. In diesem Zusammenhang machte er deutlich, dass die Gemeinde Nußdorf nicht Genehmigungsbehörde für das Projekt sei.

Trotz aller Ablehnung des Projekts und der beabsichtigten und beschlossenen Maßnahmen zur Verhinderung der Geothermie müsse den Bürgern bekannt gemacht werden, dass die Gemeinde keinerlei Genehmigung oder Ablehnung beschließen oder erteilen kann.

»Falls das Geothermie-Kraftwerk tatsächlich realisiert wird, muss die Gemeinde mit dem Betreiber im Gespräch bleiben und versuchen, dennoch das Beste für die Anlieger und die Gemeindebürger zu tun.« Wimmer nannte als Beispiele Lärmschutzmaßnahmen oder baulichen Immissionsschutz.

Franz Purzeller (UWG) zeigte sich enttäuscht, dass von Landrat Siegfried Walch keine Aussagen kämen, ob der Landkreis dem Projekt positiv oder ablehnend gegenüberstehe. Die Gemeinde Nußdorf sei mit vielen Projekten belastet, die von den Bürgern als »Negativ-Einrichtungen« angesehen würden. Nun solle an der Gemeindegrenze eine Geothermie-Anlage entstehen, die auf breite Ablehnung stoße. »Doch vom Landrat hört man dazu nichts«, bedauerte Purzeller.

Zweiter Bürgermeister Gerhard Mittermaier (WZG) befürchtete, dass es bereits zu spät ist, gegen den Bau der Anlage mobil zu machen. Dennoch betonte er, dass es schon Gewicht habe, wenn sich die Gemeinde mit verschiedenen Initiativen gegen die Anlage ausspricht. Bislang wurde von der Betreibergesellschaft immer nur davon gesprochen, die Anlage ausschließlich zur Stromgewinnung zu bauen.

Erst seit den Einwänden der Gemeinde spreche Projektleiter Neu auch von einem Wärmekonzept. Rund 80.000 Haushalte könnten mit Fernwärme aus der Geothermie versorgt werden. Diesen Absichten könne er nicht glauben. Er halte dies nur für vorgeschoben, um die Anlage bauen zu können. »Die schreiben das Ding auf 20 Jahre ab, und dann interessiert es die Betreiber nicht mehr«, ist Mittermaier überzeugt.

Auch Christian Ehinger (BL) glaubt trotz aller Bekundungen nicht an ein nachhaltiges Konzept. Bei einer möglichen Wärmeenergie von 80 Megawatt könnten im besten Fall ein Viertel für die Fernwärme abgenommen werden, und dies nur im Umkreis von zehn Kilometern um die Anlage, so Ehinger.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat, Landrat Siegfried Walch, Regierungspräsidentin Maria Els, den Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Ministerpräsident Markus Söder über die Ablehnung des Projekts und die Gründe gegen den Bau der Anlage zu informieren, ebenso das Bergamt als Genehmigungsbehörde für die Tiefenbohrungen. Unterschriftenlisten, in die sich die Gegner der Anlage eintragen können, werden im Rathaus ausgelegt, ebenso im Vereinsheim, Dorfladen oder Sportheim. pv


Einstellungen