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Diakon Michael Soergel von der evangelischen Gemeinde Marquartstein und Philine Dietrich, Psychologin in der Initiative TAFF des Diakonischen Werks Bayern, vor einigen der gemalten Wunschträume. (Foto: Giesen)

Wunschträume von Flüchtlingskindern: Bilder traumatisierter Geflüchteter in der Erlöserkirche

Marquartstein – Eine ganz besondere Kunstausstellung ist im Rahmen eines Gottesdienstes in der evangelischen Kirche in Marquartstein eröffnet worden: Im Rahmen therapeutischer Angebote für Flüchtlinge des Diakonischen Werks Bayern haben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei einem kunsttherapeutischen Projekt rund 60 Bilder in allen möglichen Techniken angefertigt, die jetzt zwei Wochen lang in Marquartstein gezeigt werden. Kinder und Jugendliche drücken auf diese Weise im Bild aus, was sie sich wünschen und wie sie sich ihre Zukunft weiter vorstellen. 


Diakon Michael Soergel leitete den stimmungsvollen und vor allem auch durch die musikalische Untermalung sehr eindrucksvollen Gottesdienst. Er wies in seiner Predigt darauf hin, dass in der Politik oft zwischen »richtigen und falschen Flüchtlingen« unterschieden werde. In der Realität aber verlasse keiner aus purer Lust sein Heimatland, um in der Fremde in völlig anderer Kultur ganz neu ohne Familie, Freunde und Beruf wieder neu zu beginnen.

Philine Dietrich, Psychologin der Diakonie Hochfranken, die im TAFF (therapeutische Angebote für Flüchtlinge) arbeitet und das Kunstprojekt betreute, stellte die berührenden Bilder der Flüchtlinge vor. Zu sehen ist zum Beispiel das tiefblaue Meer links und rechts umstanden von Palmen am Ufer, strahlende Sonne und mitten im Meer ein kleines Boot, in dem ein kleiner Flüchtling auf sein künftiges Leben zutreibt.

TAFF koordiniert und schult Psychotherapeuten und Psychiater, die psychisch erkrankte Flüchtlinge und Asylbewerber behandeln können, erklärte Philine Dietrich. Ziel der Ini-tiative, die von der Stiftung »Welten verbinden« finanziert wird, sei die nachhaltige Integration der Geflüchteten in unsere Gesellschaft, was als dauerhafte politische und gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. »Flüchtlinge und Zuwanderer müssen eine echte Chance bekommen, hier anzukommen und ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten«, erklärte Dietrich.

Bei den Bildern und teilweise erklärenden Texten dazu sind Kinder und Jugendliche vieler Herkunftsländer vertreten, wie Somalia, Kenia, Kongo und Nigeria, aber auch aus Asien und anderen Ländern. Durch die aktuellen Flüchtlingszahlen des Ukraine-Kriegs wurde der gesamte Gottesdienst für Akteure und Besucher noch zusätzlich eindringlich.

Für die schöne, musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten Dagmar Warweg und Antonia Steinert, beide Gesang, mit Liedern wie »Sometimes I feel like a motherless child« oder »The water is wide«. Der Gottesdienst endete mit Blessing, einem musikalischen Segen, und schließlich »What a wonderful world«, adaptiert nach Louis Armstrongs berühmtem Song.

Im Anschluss machten die Besucher ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch, die Bilder und Texte anzusehen und sich auszutauschen. Schon an dem großzügig gespendeten Geld für TAFF wurde deutlich, wie beeindruckt die Besucher waren. Die Ausstellung in der evangelischen Erlöserkirche ist voraussichtlich bis Donnerstag, 17. März, täglich zwischen 9 und 17 Uhr zu besichtigen.

gi