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Turbulentes Multikulti-Theater im Landschulheim

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Eine Szene aus »Achtung Deutsch« am Staatlichen Landschulheim Marquartstein mit (von links) Virgine (Julia Damm), Bärbel und Bert Schröder (Rebecca Pietsch, Fabian Watzl) und der Syrerin Zahira (Penelope Spannagl). (Foto: Giesen)

Marquartstein – Unterhaltsames, aber auch hintergründiges Theater zu einem hoch aktuellen Thema bringen 14 Schüler der Q12 mit dem Stück »Achtung Deutsch« auf die Bühne. Die Komödie des österreichischen Autors Stefan Vögel, Jahrgang 1969, thematisiert auf höchst vergnügliche Weise das Zusammenleben mehrerer Personen aus verschiedenen Ländern. Gängige Vorurteile und Klischees über die jeweils anderen Nationen reihen sich in schneller Folge aneinander und machen so ihre Lächerlichkeit erst richtig deutlich.


Eine ziemlich chaotische Wohngemeinschaft von Germanistik-Studenten hat sich im mietgünstigen sozialen Wohnungsbau von Leipzig angesiedelt. Wahlspruch der WG ist es: »Deutschland ist nur bsuffn auszuhalten«. Zusammen wohnen nicht nur die drei syrischen Schwestern Zahira (Penelope Spannagl), Aische (Lisa Weizdörfer) und Fatima (Karolina Weiß), die wegen ihres Studiums perfekt deutsch sprechen, sondern auch sechs Europäerinnen.

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Mit typisch französischem Akzent stellt Französin Virgine (Julia Damm) gerne ihre Reize zur Schau. Geballtes südländisches Temperament verkörpern die beiden Italienerinnen Camilla (Veronika Schranzhofer) und Giuliana (Verena Kellermann), von den anderen als »Spaghettis« tituliert. Meist mit Flasche in der Hand aufs Sofa geflegelt, geben die drei Österreicherinnen Sissy (Robina Böhl), Evi (Maya Stocks) und Anni (Julia Auer) mit breitem Weana Dialekt ihre Kommentare (»so ein Schaaß«) ab.

Hauptmieter ist Henrik Schlüter (Thomas Lentner) mit Freundin Hanni (Julia Höger). Als typischer Schwabe ist er vor allem an den überhöhten Mietzahlungen der Mitbewohner interessiert. Komische Höhepunkte gibt es, wenn sich Nachbar Bert Schröder (Fabian Watzl) mit seiner Frau Bärbel (Rebecca Pietsch) wegen der nächtlichen Partys über den Lärm beschwert.

Mit typischem Zungenschlag der ehemaligen DDR und flotten Sprüchen machen beide keinen Hehl daraus, dass sie im Herzen DDR-Bürger geblieben sind – »vorwärts immer, rückwärts nimmer, sagt Erich« (Honnecker). Fabian Watzl erweist sich zudem am Klavier als versierter Pianist.

Richtig Bewegung kommt in die WG, als sich die Prüferin vom Sozialamt, die gestrenge Frau Reize (Lena Manzenberger) ankündigt, um »Familie Schlüter« zu überprüfen. Durch einen bürokratischen Irrtum wurde nämlich die WG als deutsche Familie mit zwei Kindern eingestuft. Panik pur.

Denn nun steht das Einbürgerungsverfahren der syrischen Schwestern auf dem Spiel. Alle helfen zusammen und spielen der Kontrolleurin mit Hilfe von Rollenwechsel und Verkleidungen eine perfekte deutsche Familie vor. Als unerwartet der Hauptmieter zu früh aus dem Skiurlaub zurückkehrt und sich die neugierigen Nachbarn nicht abwimmeln lassen, kommt es zu ungeahnten Verwicklungen …

Wie die Premiere im voll besetzten Festsaal des Staatlichen Landschulheims zeigte, brachten die jungen Spieler unter Regie von Sandra Altmann starke schauspielerische Leistungen auf die Bühne, sodass die Zuschauer immer wieder herzhaft lachen konnten. Besonders die verschiedenen Dialekte und Akzente ließen das verwirrende Multikulti deutlich werden. Angefeuert wurde die Spielfreude aller Spieler durch zahlreiche Lacher und häufigen Zwischenapplaus.

Für die gut funktionierende Licht- und Tontechnik zeichneten Justin Bülow, Daniel König und Martin Thoma verantwortlich. Das Publikum belohnte die witzig-spritzige Theateraufführung mit lang anhaltendem Applaus und großzügigen Spenden. Das Stück wird noch einmal am Donnerstag, 22. März, um 19 Uhr im Festsaal des Landschulheims gespielt. Reservierungen nimmt das Sekretariat der Schule unter Telefon 08641/62 40 entgegen. gi