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»Todesursache: Flucht« – Mahnwache in Marquartstein

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Mit einer Mahnwache gedachten in Marquartstein die Initiative für Flüchtlingsrechte im Landkreis Traunstein und etliche Passanten der auf der Flucht nach oder in Europa verstorbenen Menschen. (Foto: Fembacher)

Marquartstein – »Dritter Juni 2018 – Amina Rashid, drei Jahre, ertrunken mit vier Geschwistern, Eltern gerettet – gekentertes Speed-Boot vor der isländischen Küste.« Mit leiser, eindringlicher Stimme liest Diakon Michael Soergel am Tag der Menschenrechte bei einer Mahnwache am Marquartsteiner Labyrinth aus dem Buch »Todesursache: Flucht. Eine unvollständige Liste.«


Das Buch ist im Rahmen eines Crowd-Funding-Projekts entstanden und anlässlich des 70. Jahrestags der Verabschiedung der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen erschienen. Es enthält eine Liste mit belegten Todesfällen von Flüchtlingen, die die Organisation »UNITED for Intercultural Action« zusammengestellt hat. Die Liste umfasst auch die Namen einiger Verstorbener mit Porträts, Fotos und Berichten von Überlebenden.

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Verantwortlich für die Mahnwache ist die Initiative für Flüchtlingsrechte im Landkreis Traunstein. Organisator Stephan Wegner wirkt zufrieden: Trotz des unwirtlichen Wetters bleiben immer wieder Passanten stehen, hören zu, fragen nach. Auf die Frage, ob es auch ablehnende Reaktionen gibt, meint Wegner: »Klar, Pöbeleien gibt es immer wieder. Wenn wir an den Adventssamstagen am Maxplatz in Traunstein stehen, werden wir auch mal angefeindet.«

Das kümmert Wegner offensichtlich wenig. Er möchte mit seiner Aktion dazu beitragen, den über 35 000 Opfern, die in den vergangenen 25 Jahren auf der Flucht nach und in Europa ums Leben kamen, ein Gesicht zu geben und den Diskurs um Flucht und Geflüchtete menschlicher zu machen. Diese Mission wird Wegner in den nächsten Wochen auch noch zu Landrat Siegfried Walch und zum Traunsteiner Oberbürgermeister Christian Kegel führen – ihnen möchte er je eine Ausgabe des Buches überreichen. fem

 


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