weather-image
16°

Niederschläge verursachten erhebliche Schäden im Forstrevier

5.0
5.0
Marquartstein: Regen verursachte erhebliche Schäden im Forstrevier
Bildtext einblenden
Revierleiter Florian Lutz zeigt die gewaltigen Hoch- wasserschäden im gut 3000 Hektar großen Forstrevier Marquartstein. (Foto: Giesen)

Marquartstein – »So einen Niederschlag in kürzester Zeit habe ich noch nie erlebt – wirklich ein herausragendes Ereignis, stärker noch als 2013«, sagt Florian Lutz, Revierleiter des etwa 3000 Hektar großen Forstreviers Marquartstein. In den 48 Stunden am Montag und Dienstag letzter Woche seien in den Bergen auf der Gesamtfläche des Forstreviers 225 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen – eine fast unvorstellbare Menge, da ein »normaler Starkregen« 50 bis höchstens 100 Liter pro Quadratmeter abregnet.


Das Forstrevier Marquartstein, das neben den Revieren Aschau, Schleching und Unterwössen zum Forstbetrieb Ruhpolding gehört, war am stärksten betroffen. Obwohl die schlimmsten Schäden schon an den folgenden drei Tagen so gut wie möglich beseitigt wurden, sieht es auf Forststraßen und Wanderwegen noch immer schlimm aus. Einige Wege sind für Wanderer und Biker noch gesperrt, bei anderen gilt besondere Vorsicht.

Anzeige

Bei einer Besichtigungsfahrt von Piesenhausen über Rottau Richtung Erlbergalm sind zum Beispiel an der Tennbodenreib, einer Haarnadelkurve in knapp 1000 Meter Höhe, riesige Erosionen sichtbar. Auf der Schwarzbergstraße Richtung Lindlalm gingen drei schwere Muren ab.

»Breiiger Schlamm und Erdreich türmten sich bis zu vier Meter Höhe auf der Straße, Bäume wurden ausgerissen und die Wasserdurchlässe waren zum Teil so zerstört, dass wir sie gar nicht mehr gefunden haben«, sagt Revierleiter Lutz. Die Straße sei komplett mit Erdreich überfüllt gewesen, sodass zum Teil gar keine Straße mehr sichtbar gewesen sei. »Ein Brei, so weich wie Kuhfladen«, sagt Lutz, denn durch den vielen Regen sei alles so aufgeweicht gewesen, dass die Erdmassen schlicht »der Schwerkraft folgten« und mit Macht in die Tiefe rutschten. Sie rissen dabei alles mit, was im Weg war.

Ziel der Waldbewirtschaftung sind heute stabile Mischwälder mit jeweils etwa der Hälfte an Nadel- und Laubholz, darunter auch Tannen, die dank ihrer tiefen Wurzeln besonders stabilisierend wirken. Bei einem solchen Hochwasserereignis nützen allerdings auch sie nichts mehr, wie sich deutlich zeigte. Am Grießenbach in Rottau wurde eine Fußgängerbrücke von den Fluten total mitgerissen, sodass sie nicht mehr auffindbar war. In Hintergschwendt im Bereich Aschau wurden drei große Muren bereits beseitigt.

Glück im Unglück sei es gewesen, dass das Fuhrunternehmen Aigner aus Marquartstein bereits einen Bagger am Bergwalderlebnisweg auf der Hochplatte stehen hatte, weil der Weg hergerichtet werden sollte, so Lutz. So konnte gleich am Mittwoch mit den Reparaturen begonnen werden. Bagger- und Lastwagenfahrer brachten aus der Staffen-Kiesgrube in Unterwössen drei Lastwagen-Fuhren voll steiniges Material, das zur Verfestigung der Straßen und auch zum Einbau neuer Wasserabflussrohre verwendet wurde.

Allein diese Soforthilfen kosteten rund 5000 Euro, so Lutz. Bis die Wasserschäden wirklich beseitigt sind, werden noch Monate ins Land gehen. Der Leiter des Forstbetriebs Ruhpolding, Paul Höglmüller, schätzt, dass sich die Kosten auf rund 800.000 Euro belaufen. Noch war aus der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg niemand zur Besichtigung der Schäden da. Das wird in den nächsten Wochen geschehen, sodass Gelder bewilligt werden können. gi