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Die Räumlichkeiten der schulischen Nebeneinrichtung in Schloss Niedernfels sind in die Jahre gekommen. Nun gab es erste Beratungen, wie die künftige Gestaltung ausschauen könnte. (Foto: Peter)

Neue Nutzung für Schloss Niedernfels?

Marquartstein – Vor rund 400 Jahren habe niemand gedacht, dass die Räume vom Schloss Niedernfels für ein Landschulheim genutzt würden, sagte Christoph Cramme, der Gesamtleiter des Pädagogischen Zentrums, in der jüngsten Gemeinderatssitzung. 


Die Räume des denkmalgeschützten Schlosses aus dem Jahr 1568 und dem Anbau aus dem Jahr 1808 eignen sich für die Unterbringung der Schüler nicht mehr. Darum wird an einen Neubau für die schulischen Nebeneinrichtungen, wie die Schulküche, den Hort oder die Wohngruppen gedacht. Das Schloss Niedernfels sollte anschließend neu als Wohnraum genutzt werden.

Die Räume der Nebeneinrichtungen entsprechen nicht mehr den rechtlichen und zeitgemäßen Anforderungen an solchen Einrichtungen. Eine Sanierung im Bestand erachtet der Träger, die Katholische Jugendfürsorge der Erzdiözese München und Freising, als nicht wirtschaftlich. Die Bestandsgebäude ließen sich nur schwer an die Anforderungen einer zeitgemäßen Kinderbetreuung anpassen. Wie Cramme bei der Vorstellung der ersten Planungen im Gemeinderat anmerkte, zeigte sich, dass die Sanierung und der Umbau ebenso viel kosten würden wie die Neuerrichtung der erforderlichen Gebäude.

Das Schloss Niedernfels mit dem Anbau und den beiden Nebengebäuden Salesianum und Josefsheim soll bei der Realisierung der vier angedachten Neubauten für die Nebeneinrichtungen neu genutzt werden. Hier kam der Architekt Christian Schwarz aus Pastetten im Landkreis Erding ins Spiel. Er würde die Gebäude Salesianum und Josefsheim durch einen Neubau in Holzkonstruktion mit Tiefgarage ersetzen und das denkmalgeschützte Schloss für Wohnzwecke umbauen. Insgesamt sollten nach den Vorstellungen von Schwarz 45 Wohnungen mit einer durchschnittlichen Größe von 85 Quadratmetern entstehen. Der Architekt merkte an, dass eine Hotelnutzung schwierig sei.

Man habe sich vor einiger Zeit das Gebäude angeschaut, sagte Bürgermeister Andreas Scheck (BfM). Das kürzlich gefeierte Jubiläum habe gezeigt, dass Nierdernfels eine einmalige Einrichtung für den Landkreis und insbesondere für die Gemeinde sei. Grundsätzlich seien der Landkreis und die Gemeinde am Erhalt der Einrichtung interessiert, bekräftigte der Bürgermeister. Sicher gebe es noch Diskussionsbedarf, in welcher Form und Ausführung mit dem Schloss umgegangen werden solle.

Bei ersten Gesprächen sei bereits untermalt worden, dass die Möglichkeit von Zweitwohnungen unterbunden werde, sagte Scheck. Die Lage und die Preisgestaltung würden die Frage aufbringen, ob die Vermietung nach den Vorstellungen der Gemeinde möglich sei, sagte Bürgermeister Scheck.

Klaus Hell (BfM) fragte, ob die Schullandschaft ein Problem sein könne. »Nein«, sagte Schwarz. Es gebe durch die Begebenheiten mit dem Bachlauf und die Situierung der Unterrichtsgebäude reichlich Abstandsflächen. Auch Franz Aigner (BfM) brachte seine Bedenken ein, ob denn ausreichend Interessenten für das Projekt gefunden werden könnten. Dazu meinte der Architekt, dass durch die Möglichkeit von Homeoffice für viele Menschen sich die Chance ergeben habe, aus den Metropolen wegzugehen, weil sie sich die Metropole nicht mehr leisten könnten. Auf die Bedenken von Scheck zur Mietpreisgestaltung meinte Schwarz, dass nach seinen Berechnungen sich ortsübliche Mieten ergeben würden. Er würde das Vorhaben selbst bauen und sich auch einige Wohnungen behalten, meinte er weiter.

Das Thema Verkehr griff neben dem Bürgermeister auch Martin Riedl (CSU) auf. Für ihn sei die Verkehrsanbindung ein entscheidendes Thema, meinte er. Das zu erwartende Verkehrsaufkommen solle durch ein Gutachten belegt werden. Denn die Anwohner der Schlossstraße seien gerade im Sommer schon sehr leidgeplagt. Hier fügte Scheck an, dass bei 45 neuen Wohnungen sicher mit mehr Verkehr zu rechnen sei. Michael Elgass (Grüne/Offene Liste) meinte, dass bei dem Projekt nach dem Motto »es gehe, weil« und nicht nach dem Motto »es gehe nicht, weil« vorgegangen werde solle. Er regte dazu an, bei einem eventuell erforderlichen Fußweg flexibel zu sein und eine von der Straße losgelöste Führung anzudenken.

Zweite Bürgermeisterin Claudia Kraus (Grüne/Offene Liste) und Katja Kink (BfM) wollten vom Planer schon detaillierte Angaben über die Bauausführung haben. So wollte Kraus wissen, ob bei der Errichtung der Tiefgarage mit 68 Stellplätzen vorkommende Felsen zum Problem werden könnten. Kink wollte erfahren, ob an dem Schlossanbau Balkone angebracht werden sollten. Ein Bodengutachten aus früheren Zeiten auf Flächen neben dem Schloss sowie die Unterkellerung ließen nicht auf ein übermäßiges Felsvorkommen schließen, meinte Schwarz. Letztlich werde hier erst ein Bodengutachten Aufschluss geben, so der Planer. Zu den Balkonen meinte er, dass das Gebäude grundsätzlich denkmalgeschützt sei. Jedoch bestehe hier noch Diskussionsbedarf.

Abschließend meinte Bürgermeister Scheck, dass es sich um ein sehr komplexes Projekt handle. Darum solle man das Thema sacken lassen und dann diskutiert und entschieden werden. Das Thema werde in nächster Zeit wieder auf die Tagesordnung genommen und Architekt Schwarz über die Entscheidungen und Ergebnisse des Gemeinderates informiert. Sollte diese städtebauliche Entwicklung für den Ortsteil Niedernfels und die Gemeinde Marquartstein als vertretbar, nachhaltig und zielführend erachtet werden, würden danach die nächsten Schritte wie das Bauleitverfahren begonnen, fügte der Bürgermeister hinzu.

MP