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Marquartstein feiert 40 Jahre Ortspartnerschaft mit St. Andrä

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Marquartstein feiert 40 Jahre Ortspartnerschaft mit St. Andrä
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So sieht die Partnerschaftsurkunde aus, die die Partnerschaft zwischen Marquartstein und der Südtiroler Gemeinde St. Andrä vor 40 Jahren besiegelte. (Foto: Fembacher)

Marquartstein – Bereits seit Samstag dominiert ein stattliches Festzelt die Wiese neben der Marquartsteiner Pfarrkirche. Zahlreiche Vereinsvertreter und auch der gemeindliche Bauhof haben es in einer Gemeinschaftsaktion errichtet. Kein Zweifel: Die Feiern zum 40-jährigen Bestehen der Ortspartnerschaft zwischen Marquartstein und dem Südtiroler Dorf St. Andrä stehen unmittelbar bevor.


Bereits vom heutigen Mittwoch an wird der runde Geburtstag der Freundschaft mit einem bunten Programm gefeiert. Wie kam es zu dieser Verbindung? Das Traunsteiner Tagblatt sprach mit Altbürgermeister Hans Daxer, treibende Kraft der Gründung der Ortspartnerschaft 1979. Ebenfalls beim Gespräch dabei war der amtierende Bürgermeister Andreas Scheck. Er möchte die Partnerschaft der beiden Gemeinden in die Zukunft führen und sieht den Austausch als enorme Bereicherung.

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Herr Daxer, wie kam es zu der Ortspartnerschaft mit St. Andrä?

Ortspartnerschaften an sich gibt es ja viele, und manchmal hat man das Gefühl, dass deren Wert umso höher angesetzt wird, je weiter entfernt der befreundete Ort gelegen ist. Vor 40 Jahren war es außerdem auch noch so, dass die Bundesregierung Partnerschaften mit französischen Orten sehr begrüßt hat. Für den Marquartsteiner Gemeinderat spielte all das keine Rolle.

Als wir uns für die Suche nach einem Partnerort in Südtirol entschieden, stand Südtirol unter großem Druck – die Provinz sollte von Grund auf italienisch werden, die Bewohner ihre Sprache und Mentalität aufgeben. Bayern unterstützte die Südtiroler bei der Wahrung ihrer Wurzeln sehr stark, auch der Landtag fuhr bewusst nach Südtirol, um zu signalisieren: 'Lasst Euch nicht unterbuttern!' Wir handelten also sehr bayerisch.

Und wie fiel dann die Wahl letztendlich auf St. Andrä?

Über die CSU-Landesleitung nahmen wir Kontakt zur Südtiroler Volkspartei (SVP) auf, um herauszufinden, welche Orte für eine Partnerschaft in Frage kämen. Wir wurden an Luis Zingerle verwiesen, der damals Obmann des SVP-Bezirks Brixen und Stadtrat in Brixen war. Bei meinem Besuch fuhren wir zu einem Berggasthof und blickten ringsum. Als erstes stach uns Brixen ins Auge, aber das war für Marquartstein eine Nummer zu groß und seit 1969 mit Regensburg verbunden.

Am Berghang gegenüber, sehr malerisch gelegen, fiel unser Blick auf die Pfarrgemeinde St. Andrä. Wir sind dann mit dem Gemeinderat nach St. Andrä gefahren und haben uns mit den Ortsvertretern getroffen. Alle waren von der Idee begeistert und letztlich haben sich beide Seiten einstimmig für die Partnerschaft ausgesprochen.

Herr Daxer, können Sie uns noch etwas mehr von Ihrem ersten Besuch in St. Andrä erzählen?

Schon allein die Fahrt nach Südtirol war ein Erlebnis: Bei der Grenzkontrolle am Brenner haben uns die Beamten förmlich auseinandergenommen, an fast allen Brücken stand das italienische Militär in Stellung. Das war richtig bedrohlich und machte die gegenseitigen Besuche nicht einfach.

Brixen war noch recht heruntergekommen, die meisten Fassaden waren verfallen. St. Andrä war ein richtiges Bergbauerndorf, ohne Kanalisation und so weiter. Aber wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Überhaupt: In all den Jahren habe ich nie Stimmen gegen die Partnerschaft vernommen. Weder in Südtirol noch bei uns.

Herr Scheck, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Besuch in St. Andrä? Sie waren ja heuer mit einer Gruppe Radler aus Marquartstein dort und im Jahr 2015 mit dem Gemeinderat. Da hat sich Ihnen sicher ein völlig anderes Bild geboten?

Ich war in den letzten Jahren immer wieder zu einem Kurzurlaub in St. Andrä. Es ist heute ein malerisches, touristisch geprägtes Dorf. Man kann sich kaum vorstellen, dass das mal ganz anders ausgesehen hat.

Aber mein allererster Besuch dort liegt schon ganz lange zurück: Ungefähr 1979 habe ich mit meinen Eltern eine Fahrt nach St. Andrä unternommen. Wir hatten dort ein Zimmer in einer Schreinerei, bei einer Familie mit sehr vielen Kindern. Das waren einfache Verhältnisse und doch etwas Besonderes: Es war unser erster Urlaub!

Herr Daxer, vielleicht können Sie uns noch den Verlauf der Partnerschaftsaktivitäten über die Jahre skizzieren?

Im Mai 1979 fanden in Marquartstein und im September 1979 in St. Andrä Festveranstaltungen statt, bei denen die Partnerschaft besiegelt wurde. Brixens Bürgermeister Zeno Giacomuzzi und ich haben die Partnerschaftsurkunde unterschrieben. Zweimal fand ein größerer Schüleraustausch statt.

Da die Schüler in Familien untergebracht waren, entstanden zum Teil sehr enge Freundschaften. Die Heimatbühne St. Andrä gab öfters Gastspiele in Marquartstein, unser Trachtenverein belebte mit seinen Gruppen das Brixner Altstadtfest. Auf Gemeinde- und Stadtratsebene gab es einen regen Austausch.

Auch zwischen den Sportvereinen und den Musikkapellen entstanden enge Bande. Nicht zu vergessen die Pfarreien: Wir Marquartsteiner haben die Pfarrgemeinde St. Andrä teilweise mit Gütern unterstützt, zum Beispiel mit einer Schreibmaschine.

Herr Daxer, 40 Jahre sind eine lange Zeit. Pflegen Sie heute noch persönliche Kontakte nach St. Andrä und machen Sie noch Besuche in Südtirol?

Die persönlichen Kontakte, besonders zu den Schützen, sind geblieben. Die Besuche werden altersbedingt seltener. Aber wann immer ich dort bin, geht mir das Herz auf.

Und was ist Ihre schönste Erinnerung – oder gibt es eine lustige Anekdote?

Eigentlich war es immer schön und sehr harmonisch, wenn wir beieinander waren. Aber als ganz besonders schön empfunden habe ich die Begeisterung und die Dankbarkeit, mit der die Südtiroler die Partnerschaft angenommen haben.

Lustig war es natürlich auch jedes Mal wieder. Ich war ja Offizier bei der Bundeswehr und bei einem der Besuche der St. Andräer hier in Marquartstein habe ich die Schützen mit in den Bundeswehr-Schießstand genommen. Die haben sich gefreut wie kleine Kinder und konnten gar nicht glauben, dass sie mit echten Waffen schießen dürfen. In Südtirol war das damals ja nicht denkbar.

Worin sehen Sie den Wert der Partnerschaft heute?

Daxer: In den vergangenen Jahren haben sich die Kontakte zwischen Marquartstein und St. Andrä gelockert. Ich wünsche mir, dass die kommende Generation an der Partnerschaft festhält, damit die Geschichte nicht vergessen wird! Vielleicht wird die Sache mit dem Festwochenende neu belebt und die junge Generation an die Sache herangeführt.

Scheck: Auf unsere Hilfe sind die St. Andräer sicher nicht mehr angewiesen. Und ich denke auch, dass es den Südtirolern insgesamt sehr gut gelungen ist, ihre kulturellen Wurzeln und ihre Identität zu bewahren. Unsere Partnerschaft sehe ich als sehr wertvoll, weil sie eine Möglichkeit zum Austausch bietet.

Bei unseren letzten Besuchen habe ich zum Beispiel festgestellt, dass St. Andrä und Marquartstein vor sehr ähnlichen Fragen stehen. Beide Dörfer sind touristisch geprägt, beide haben Bergbahnen und müssen überlegen, wie sie Tourismus und Natur in Einklang bringen. Beide Dörfer erleben Zuzug, müssen sich öffnen, ohne ihren dörflichen Charakter aufzugeben. Für mich war es sehr bereichernd, mich mit den Südtirolern zu diesen Fragen auszutauschen.

Das Festprogramm für das Jubiläum

St. Andrä ist eine Fraktion von Brixen und liegt auf 960 Metern Höhe über der Bischofsstadt Brixen und dem Eisacktal direkt am Berg Plose. Die Ortschaft, die bis 1941 eine eigenständige Gemeinde war, zählt heute rund 1500 Einwohner, die sich auf acht kleinere Ortsteile verteilen. St. Andrä ist vor allem bei Wanderern sehr beliebt, bietet aber auch kulturelle Sehenswürdigkeiten, beispielsweise die Pfarrkirche zum Heiligen Andreas, eine der ältesten Kirchen der Gegend.

Am heutigen Mittwoch veranstaltet der Jugendfußballförderverein Marquartstein ab 19.30 Uhr die Sports Night unter dem Motto »zu Gast bei Freunden«. Für Partystimmung sorgt die Band »ZündUp«.
Am Freitag um 19 Uhr steigt das gemeinsame Wein- und Weißbierfest der Bergwacht und der Feuerwehr Marquartstein. Die Neustifter Stimmungsböhmische aus Südtirol spielt auf.
Am Samstag um 19 Uhr ist der Festabend der Gemeinde Marquartstein. Für musikalische Unterhaltung sorgt die Musikkapelle Marquartstein.
Am Sonntag startet der Tag ab 8.30 Uhr mit einem Weißwurstfrühstück. Nach dem Kirchenzug und dem Erntedankgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche »Zum kostbaren Blut« klingt das Festwochenende ab 11 Uhr mit einem Frühschoppen aus. Für Stimmung sorgt die Musikkapelle St. Andrä.

Ute Fembacher