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Kritik an geplantem Wohnprojekt »Am Sportplatz«

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Marquartstein: Kritik an geplantem Wohnprojekt "Am Sportplatz"
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Sie fühlen sich bei der Erarbeitung des Entwicklungskonzepts »Am Sportplatz« zu wenig eingebunden und darum wollen Birgit Buttinger (von links), Frank Buttinger, Katharina Illner und Werner Poebing das Misch- und Gewerbegebiet verhindern. (Foto: Peter)

Marquartstein – Die Gemeinde Marquartstein mit Bürgermeister Andreas Scheck (Bürger für Marquartstein) will mit dem Entwicklungskonzept »Am Sportplatz«, das Gebiet zwischen Brandäcker und Sportplatz in Freiweidach, überplanen. Es sollen dort die Möglichkeiten für eine Wohnbebauung sowie Misch- und Gewerbegebiet geschaffen werden. Das gesamte Areal umfasst etwas über drei Hektar, wovon rund zwei Drittel der Fläche im Eigentum der Gemeinde sind.


Im nördlichen Bereich, direkt im Anschluss zur Wohn- bebauung Brandäcker, soll nach den Vorstellungen der Gemeinde die Wohnbebung mit einem Wohnprojekt mit 25 Wohnungen verschiedener Größen und neun Demenz- wohnplätzen der »MARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen« begonnen und Richtung Sportplatz mit dem Misch- und Gewerbegebiet fortgeführt werden.

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Anlieger vom Wohngebiet Brandäcker fühlen sich in die Erarbeitung des Entwicklungskonzepts nicht eingebunden und ihre Belange nicht berücksichtigt. Und so lud die Gruppe mit Frank Buttiger als Sprecher in den Weßner Hof zur Gründung der Bürgerinitiative »Lebenswert statt zugeteert« (BI) ein. Ziel der BI ist, das geplante Misch- und Gewerbegebiet und die Wohnbebauung durch Investoren »Am Sportplatz« in Freiweidach zu stoppen. Der Einladung folgten nicht nur Gegner des Konzepts, sondern ebenso Befürworter, interessierte Bürger sowie ein großer Teil des Gemeinderats und der Bürgermeister.

Ein Kritikpunkt war, dass die Brandäcker-Anwohner erst im Januar aus dem Traunsteiner Tagblatt vom geplanten Wohnbauprojekt und dem Entwicklungskonzept »Am Sportplatz« erfahren hätten. Durch die fehlende Bürgerbeteiligung sei es zum Entschluss gekommen, die BI zu gründen. Die immer wieder propagierte »Mitmachgemeinde mit Bürgerbeteiligung« sei nicht gegeben, meinte Buttinger. In diesem Zusammenhang wurde kritisiert, dass die Genossenschaft MARO bereits im Oktober 2018 begonnen habe, für das Projekt in Marquartstein Anteile zu verkaufen.

Die weiteren Gründe, warum sie gegen das Entwicklungskonzept sind, trugen Birgit Buttinger, Carina Valentin, Katharina Illner und Werner Poebing vor. So stellte Birgit Buttinger in Frage, ob das Wohnungsprojekt bedarfsgerecht ist; auch sei ihrer Ansicht nach das angedachte Areal zu groß und der falsche Standort dafür gewählt. Sie stellte zur Diskussion, ob sich die Gemeinde von MARO etwas aufdrücken habe lassen, was gar nicht benötigt werde. Die geplanten, dreigeschoßigen Gebäude würden da nicht hinpassen, da rundherum nur Kniestockhäuser seien, so Birgit Buttinger.

Auch das Thema Verkehr wurde angesprochen. Er könne es nicht verstehen, dass die Grünen diesem Vorhaben im Gemeinderat zustimmen konnten, sagte Werner Poebing. Bei der Entstehung eines Misch- und Gewerbegebiets könnte das Verkehrsaufkommen durch die vorhandene Straße nicht bewältigt werden. »Warum wird das vorhandene Gewerbegebiet an der B 305 nicht vorher vollgemacht«, wollte er wissen. Katharina Illner meinte, dass sich durch die 25 geplanten Wohnungen die Verkehrssituation am Knotenpunkt Freiweidacher Straße – Alte Achenbrücke und im weiteren Verlauf am Einmündungsbereich Lanzinger Straße zusätzlich verschärfen würde.

Die BI-Akteure hegten auch Bedenken, dass sich durch eine weitere Bebauung die Hochwassersituation zuspitzen könnte. Die Ache sei nicht mehr das Problem. Doch das Wasser, das unterirdisch aus Richtung Schnappenberg den Hang herabfließe, pralle an die Spundwände, die am Achendamm eingeschlagen wurden, und würde so den Grundwasserspiegel erhöhen. Die Folge wäre, dass dort keine Keller oder Tiefgaragen errichtet werden könnten.

Die Nachhaltigkeit sah Carina Valentin ebenfalls nicht gewahrt, wenn die rund drei Hektar zu Nutzung wie geplant ausgewiesen würden und dadurch die Versiegelung vorangetrieben werde. Durch die großen Gebäude werde ihrer Ansicht nach das Ortsbild negativ beeinträchtig.

Nach ihren Vorstellungen sollte Freiweidach im vorhandenen Stil weiterentwickelt werden, meinte Buttinger. Sicher solle bezahlbarer Wohnraum entstehen, jedoch nicht durch ein fremdbestimmtes Konzeption einer Wohnbaugenossenschaft, so die Ansicht aus der BI.

Auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts am Rande der Veranstaltung, wie sich die BI die Weiterentwicklung vorstelle, meinte Buttinger, es solle dort weiter mit Einfamilien- und Doppelhäusern, sowie mit Mehrspännern geplant werden, die zur Mitte der Fläche hin durchaus zweigeschoßig sein könnten. Er räumte ein, dass bei dieser Weiterentwicklung auch mit einem höheren Verkehrsaufkommen zu rechnen sei. Aber bei der jetzigen Planung sei der Lastwagenverkehr der Knackpunkt, so Buttinger.

Im Anschluss meldete sich Peter Lloyd, Sprecher der Grünen in Marquartstein zu Wort: Es würden nicht die ganzen 32.000 Quadratmeter versiegelt. Beim Gewerbe seien vier Betriebe beabsichtigt, sagte Gemeinderat Lloyd.

Auf den Einwand der BI-Befürworter, dass MARO bereits seit Herbst vergangenen Jahres Anteile für das Marquartsteiner Projekt verkaufe, führte Lloyd aus, dass eine Genossenschaft erst einen gewissen finanziellen Grundstock einholen müsse, bevor ein Projekt verwirklicht werden könne.

Bürgermeister Andreas Scheck äußerte sich zu den Vorwürfen der BI. Der Zeitplan, den die BI-Verantwortlichen im Zusammenhang mit der Informationspolitik der Gemeinde angeben, hinke, da bereits im September 2017 in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung Inge Schmidt-Winkler, eine der Vorsitzenden der MARO Genossenschaft, ein mögliches Wohnprojekt zu selbstbestimmtem Wohnen vorgestellt habe.

Die Diskussion wurde nach kurzer Zeit aus den Reihen der Vortragenden mit der Begründung beendet, dass es sich um die Informationsveranstaltung zur Gründung der BI handle. Die Initiatoren der BI zeigten sich in der Veranstaltung zuversichtlich, dass sie die rund 260 erforderlichen Unterschriften für das Bürgerbegehren schnell bekommen würden, damit es letztlich zu einem Bürgerentscheid mit der Fragestellung »Sind Sie dafür, das derzeitige Entwicklungskonzept auf den Flurstücken 259, 260 und 262 in Freiweidach zu stoppen und stattdessen gemeinsam in einem Bürgerbeteiligungsverfahren ein neues Konzept zu erarbeiten?« kommen könne. MP