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In 120 von 490 Radrennen auf dem ersten Platz

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Klaus Auracher mit seinem goldfarbenen Lieblingsrad, auf dem er viele Rennen gewann. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Auch heute noch radelt Klaus Auracher an mehreren Tagen in der Woche gut und gern 100 Kilometer am Stück und das mit jetzt 82 Jahren, die man ihm aber in keiner Weise anmerkt.


Der gebürtige Unterwössener hat immer noch dort seinen Lebensmittelpunkt, ist seit seiner Jugend Mitglied im GTEV Unterwössen und im Skiclub, aber wohnt nun seit zehn Jahren in Marquartstein.

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Was heute nicht mehr so viele wissen: Klaus Auracher hat eine überaus erfolgreiche Karriere als Radrennsportler hinter sich, sowohl in seiner Spezialdisziplin, dem Bergfahren, als auch im Aschenbahnfahren, Straßen-, Bergrennen und Kriterien (Rundkurse meist in Städten). Obwohl er erst mit 28 Jahren mit dem Radrennsport begann, war Auracher zehn Jahre später einer der erfolgreichsten Fahrer im bundesweiten Radsport. Er bestritt 490 Radrennen, 120-Mal kam er auf den ersten Platz.

Klaus Auracher wuchs als zweiter von vier Söhnen von Max und Liesl Auracher in Unterwössen auf. Dort besuchte er acht Jahre die Volksschule, lernte ab 1950 Spengler und Installateur bei der Firma Lex und legte nach dreieinhalb Jahren die Gesellenprüfung ab.

Fünf Jahre arbeitete er dann bei Möbel Pflug in Unterwössen, heute Sägewerk Ager. Während dieser Zeit war er sehr aktiv im Skiclub Unterwössen und im Trachtenverein, wo die ganze Fa-milie auch engagiert war.

Beim Skifahren am Geigelstein mit anschließendem Après-Ski im Parkcafé Unterwössen lernte er Elisabeth Nagl aus Schleching kennen, überall nur als Lissi bekannt. Sie heirateten 1963 in der Salzburger Peterskirche. »Wir hatten eine traumhaft glückliche Ehe«, schwärmt Auracher mit Tränen in den Augen noch heute. Denn Lissi starb sehr plötzlich im Jahr 2016, nachdem sie noch 2012 ihre Goldene Hochzeit groß mit vielen Verwandten und Freunden gefeiert hatten. 1962 kam die einzige Tochter Claudia zur Welt, die in Rottau verheiratet ist und selbst nun schon einen erwachsenen Sohn und zwei Töchter hat.

Klaus Aurachers junge Familie lebte anfangs im Haus der Schwiegermutter in Ettenhausen und wohnte dann 35 Jahre lang bis 2008 in Hinterwössen. Das Ehepaar führte die »Pension Auracher«, wo es maximal vier Zimmer mit Frühstück vermietete, wie es damals noch üblich war. Auracher, der 1965 seine Radsportkarriere begonnen hatte, arbeitete zu der Zeit schon lange als Sportartikelverkäufer. Im Jahr 2008 zogen Lissi und Klaus in das Haus seines Onkels, des altersschwachen, allein stehenden Bruders seiner Mutter, Franz Döllerer. Der hatte Klaus das schöne alte Haus »Metzger Hansjörg« aus dem Jahr 1868 vererbt, nachdem ihn Klaus mehrere Jahre lang gepflegt hatte. Der verwitwete Döllerer war glücklich, dass er nicht in ein Pflegeheim musste, sondern in seinem Haus sterben konnte.

»Zwei Jahre – dann bist du an der Spitze«

Zu Aurachers Sportkarriere: Entscheidend änderte sich Klaus Aurachers Leben als ihn 1964 der Betreuer des Radweltmeisters Rudi Altig auf seinem Rennrad beobachtete. Der machte gerade in Ettenhausen ein paar Tage Urlaub. Auracher fuhr mit seinem Rennrad jeden Tag und bei jedem Wetter nach Unterwössen zur Arbeit. Altigs Betreuer war offensichtlich so beeindruckt von seiner Fahrweise, dass er ihm sagte »zwei Jahre, dann bist du an der Spitze«. Aurachers Ehrgeiz erwachte: Noch im gleichen Jahr trat er dem RSV Traunstein bei und nahm ohne vorheriges Training beim 40 Kilometer »Rad-Kriterium« in Neuötting teil. Auf Anhieb wurde er Zehnter bei etwa 80 Teilnehmern. Von da an ging Aurachers Karriere steil bergauf. Innerhalb von fünf weiteren Rennen stieg er in die B-Klasse auf, innerhalb von weiteren fünf Rennen in die A-Klasse. 1969 wechselte er zum RSV Rosenheim.

Nur ein kleiner Teil von Aurachers Radsporterfolgen kann hier genannt werden. 1974 wurde er Deutscher Vize-Bergmeister in Sonthofen, in den drei Jahren davor war er sechsmal Bayerischer Vize-Bergmeister geworden, 15 mal Oberbayerischer Meister im Bergfahren. 1970 wurde er Erster beim 20. Internationalen Henninger-Turm-Rennen in Frankfurt, im gleichen Jahr erster Mannschafts-Pokal-Sieger in Bayern und ebenfalls Erster beim Rathaus-Kriterium in Rosenheim. 1971 folgte das Straßenrennen rund durch Schwaben in Augsburg auf 185 Kilometern, wo Auracher ebenfalls Erster wurde, beim Großen Bergpreis von Europa aufs Kitzbüheler Horn erreichte er den dritten Platz.

Preisgeld maximal 150 Mark

»Damals gab es noch nicht solche Preise wie heute«, erzählt Auracher. Maximal 150 Mark habe man als Sieger bekommen, andernfalls wäre man disqualifiziert worden. Allerdings seien natürlich die gesamte Ausrüstung und die Rennräder von Firmen gesponsert worden. Hat er bei den großen Rennen so etwas wie Lampenfieber gehabt? »Nein, nie«, sagt Auracher. Er habe immer gewusst, was er konnte, und es habe ihm einfach immer großen Spaß gemacht. Dabei räumt er ein, dass er durch seinen Körperbau – überdurchschnittlich lange Oberschenkel und Arme – physisch oft im Vorteil gewesen sei. An Unfällen und Missgeschicken kam auch er nicht ganz vorbei: Wegen eines Kniegelenkbruchs konnte er 1975 zum Beispiel kein Rennen fahren, 1976 nur vier Rennen, da das Metall aus dem Knie entfernt wurde.

Jähes Ende der Karriere

1979 gewann Auracher die Internationale Tiroler Bergmeisterschaft am Ziller-Gerlosberg und 1984 wurde er Erster beim Großen Mila-Bergpreis Bozen–Deutschnofen. 1987 gewann er die Bergmeisterschaft der Senioren in Zwiesel und den ersten Deutschland Pokal Mountainbike in Garmisch - Esterbergalm. Im gleichen Jahr fand jedoch Aurachers Radkarriere im Alter von 51 Jahren ein jähes Ende: beim Training von der Feldlahn-Alm in Oberwössen übersah er in der Abenddämmerung einen Stein und stürzte hart, sodass sein ganzes Gesicht zerschrammt war, die Augenbraue herunterhing. Eine Operation mit neun Stichen war notwendig, um ihn wieder herzustellen. Seither fährt Auracher nur noch zum eigenen Vergnügen Rad und fährt als Zuschauer zu sämtlichen Radrennen in der Region. Außerdem spielt er gerne und regelmäßig Schafkopf und ist natürlich ein begeisterter Großvater. Am heutigen Freitag feiert der im Kreise seiner Familie seinen 82. Geburtstag. Auch das Traunsteiner Tagblatt wünscht weiterhin alles Gute und noch viele glückliche Jahre. Christiane Giesen

 


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