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Gläserne Schaumolkerei im Gewerbegebiet?

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Auf zwei Parzellen im Gewerbegebiet Nord in Marquartstein soll nach Wunsch eines Bauherrn eine gläserne Schaumolkerei entstehen. Mit zwei eigenen Ausfahrten ist der Betrieb vor und neben den bestehenden Firmen Skywalk und Linus Wittich vorgesehen. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Über eine Bauvoranfrage beriet der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung: Auf zwei Parzellen im eingeschränkten Gewerbegebiet Nord soll auf Anfrage von Max Seyboldt demnächst eine »Gläserne Molkerei« entstehen. Dort soll vor allem Ziegenmilch verarbeitet werden, wie Bürgermeister Andreas Scheck erläuterte.


Die Molkerei sei auf 10 Millionen Liter pro Jahr ausgerichtet. Der Betrieb biete Arbeit für 50 bis 70 Vollzeitplätze im Zweischichtbetrieb, das heiße, dass 365 Tage, alle vier Jahre sogar 366 Tage, voll gearbeitet werde, erklärte Scheck weiter. Die umbaute Grundfläche pro Geschoß betrage etwa 1000 Quadratmeter. Bei insgesamt zwei Stockwerken seien im oberen Stockwerk Büros und Lagerflächen für Verkaufsmaterial wie Becher, Folien oder Flaschen untergebracht, also für Dinge, für die keine Kühlung notwendig ist. Das Grundstück aber solle möglichst vollständig unterkellert werden, da hier die Reiferäume für den Schnittkäse vorgesehen seien.

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Im Gebäude soll weiter ein rund 70 Quadratmeter großer Laden integriert werden, denn die »gläserne Molkerei« ist so konzipiert, dass die Besucher die handwerkliche Herstellung von Ziegenkäse mit eigenen Augen sehen und anschließend die Produkte mit nach Hause nehmen können. Der Markt für die Produkte sei überwiegend der Großraum München, in geringerem Maße Rosenheim und kaum der Chiemgau, heißt es in dem Antrag weiter.

Geschäftsleiter Florian Stephan ergänzte weitere Einzelheiten zu dem Bauvorhaben. So werde das Bauvorhaben von der Schlechinger Firma Vinzenz Bachmann geplant. 30 Molkereifacharbeiter, Verpacker, Abfüller und Logistikpersonal würden pro Schicht eingesetzt, insgesamt rund 60 Mitarbeiter.

Bedenken wegen der Größe

Zum Bauwerber Max Seyboldt, erklärte Andi Scheck, dass dieser primär aus einer anderen Branche komme, aber nun sein Hobby zum Beruf machen wolle. Der Bürgermeister hielt das Vorhaben insgesamt für ein zukunftsträchtiges Konzept, wenn auch noch viele Details geklärt werden müssten. Insgesamt fanden alle Gemeinderäte ein so naturnahes Konzept »spitze« und die 60 Arbeitsplätze »super«.

Peter Lloyd meldete allerdings Bedenken wegen der Größe des Betriebs an, der auf zwei Parzellen im Gewerbegebiet angesiedelt werden solle. Grund sei, dass der Eigentümer, Ulrich Freiherr von Ribaupierre, die Grundstücke nicht verkaufe sondern nur auf Erbpacht weitergebe. Für einheimische Betriebe sei so möglicherweise kein Platz mehr im Gewerbegebiet, so Lloyd. »Wir müssen weiterdenken, eventuell muss sich der Eigentümer bewegen«, so Lloyd.

»Achental voll mit Geißen«

Franz Aigner stellte die Frage nach der Herkunft der Unmengen von Ziegenmilch. »Dann wäre das ganze Achental voll mit Geißen«, so Aigner. Auch Josef Moritz sprach Klartext mit der Feststellung, dass die Milch von 5000 Ziegen ein kleiner Industriebetrieb sei – »da geht was durchi«. Das sei keine nostalgische Molkerei mehr, so Moritz, der Betreiber »muss sein ganzes Zeug verklopfen«. Es gebe auf jeden Fall einen riesigen Transportverkehr, sodass der Verkehr der Firmen Wittich und Skywalk »gar nix dagegen« wären. Roland Polleichtner verlangte, dass der Bauwerber erstmal eine richtige Planung vorlegen müsse, und Claudia Kraus meinte, dass das geplante Flachdach gar nicht gehe und wahrscheinlich gar nicht alle der geplanten Arbeitsplätze in Maquartstein entstünden.

So wurde dem Gesamtkonzept mit einer Gegenstimme grundsätzlich zugestimmt. Der Bauwerber müsse aber noch viele Detailfragen klären. gi

Blattl Sonntag Traunstein