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Gemeinde Marquartstein will bezahlbaren Wohnraum schaffen

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Zwischen dem Sportplatz und dem Wohngebiet Brandäcker soll ein Mehr-Generationen-Wohnprojekt verwirklicht werden: Die drei dunklen Baukörper in U-Form beherbergen, so die Planung, 45 Wohnungen sowie eine Demenz-WG mit zehn Plätzen. Die Brücke über die Ache (rechts) garantiert eine gute Anbindung zum Ortskern. (Foto: Peter)

Marquartstein – Wie und mit wem kann bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, vor allem in welchem Umfang und in welcher Größe? Das diskutierte der Gemeinderat ausführlich in seiner jüngsten Sitzung. Das Wo ist geklärt. Das vorgeschlagene Mehrgenerationenwohnprojekt mit Demenzwohngruppe soll im Ortsteil Freiweidach zwischen dem Wohngebiet Brandäcker und Sportplatz entstehen.


Dort hat die Gemeinde vorausschauend für die Entwicklungsmöglichkeit bereits rund 20.000 Quadratmeter Grund erworben. Bürgermeister Andreas Scheck sagte: »Wir brauchen in Bayern neue Wohnformen. Alleine mit den Einfamilienhäusern wird es nicht weitergehen!«.

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Wie in vielen Städten und Kommunen Bayerns gebe es auch in Marquartstein einen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, so Bürgermeister Scheck. Die Situation habe sich noch dadurch verschärft, dass eine Änderung der Richtlinien beim früheren Einheimischen- und jetzigen Ansiedlungsmodell erforderlich waren. Solche Ansiedlungsmodelle könnten nur auf der grünen Wiese realisiert werden. Und durch den hohen Flächendruck werde das nicht einfacher, so der Bürgermeister.

Auf dem vorhandenen Areal könnten sich neben dem Wohnprojekt auch noch geeignete Handwerksbetriebe ansiedeln. Auch das Biomasse-Heizwerk für die Fernwärmeversorgung dort anzusiedeln sei denkbar, meinte Scheck.

Der Gemeinderat hatte die Verwaltung im November 2017 beauftragt, die Realisierung eines genossenschaftlichen Wohnprojekts mit der MARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen zu prüfen. Und eine Umsetzung ist, wie sich ergab, machbar. So stellte nun Geschäftsführerin Inge Schmidt-Winkler die MARO kurz vor.

Toni Entfellner zeigte bereits einen ersten Entwurf für das Projekt. Da er hier als Planer auftrat, durfte er an den Beratungen als Gemeinderat nicht teilnehmen.

Das Wohnprojekt umfasst drei Baukörper in U-Form über zwei und drei Stockwerke. Der Verbindungsbau zwischen den beiden Gebäudesegmenten beheimatet den Aufzug. Dadurch sei die Barrierefreiheit der Wohnungen der beiden Hauseinheiten gewährleistet, sagte Entfellner. Die Häuser seien so ausgerichtet, dass sie zur Mitte hin einen Hof bilden, um die Gemeinschaft hervorzuheben. Insgesamt werden 45 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern und eine Demenz-Wohngemeinschaft mit zehn Plätzen entstehen. Der Planer verwies darauf, dass er sich beim Entwurf der Baukörper von vorhandenen Gebäuden in Marquartstein habe inspirieren lassen.

Wie ein Bauablauf ausschauen kann, wollte Hubert Götschl von der MARO-Geschäftsführerin wissen. Sie meinte dazu, dass drei Bauabschnitte geplant seien. Dabei werde großer Wert darauf gelegt, die Arbeiten von heimischen und regionalen Betrieben ausführen zu lassen.

Ob es der Gemeinde obliege, wie die Wohnungen belegt werden, und ob sie sich weiter öffne und die Wohnungen an Mieter auch aus dem gesamten Achental vergibt, fragte Franz Aigner. Dazu meinte Schmidt-Winkler, dass die ersten Gespräche mit den Mietern von MARO geführt werden. Damit das Projekt funktioniert, sei ein gesunder Generationenmix erforderlich. Die Öffnung für weitere Gemeinden sei eine politische Entscheidung, fügte die Geschäftsführerin hinzu.

Scheck sagte, er sehe es als sinnvoll an, sich für das Achental bei der Belegung zu öffnen, sagte Scheck. Die Bevölkerungszahlen und -struktur zeigten, dass die Gemeinde einen Zuzug benötige, führte der Bürgermeister an.

In der weiteren Diskussion und den Wortbeiträgen wurden immer wieder die Größe und die Höhe der geplanten Häuser sowie die Anzahl der Wohneinheiten infrage gestellt. So befürchtete Roland Polleichtner, dass der freie Blick auf die Burg verloren gehe. Josef Moritz meinte, wenn bei diesem Projekt die Seitenwandhöhe über acht Meter betrage, müsste doch privaten Bauwerbern künftig diese Höhe auch zugestanden werden – was auch Hans Hacher und Anke Entfellner-Häusler kritisch sahen. Jetzt liegt sie bei 6,4 Metern. Zusätzlich sah Entfellner-Häusler keinen Grund dafür, warum das Projekt mit der MARO realisiert werden soll und nicht alleine von der Gemeinde unter Mithilfe von Fachleuten.

Für ihn sei es mitentscheidend, wie viele Wohneinheiten je versiegelter Fläche entstehen, meinte der Bürgermeister auf die Bedenken der Größe und Höhe der Wohngebäude. Durch die Lage und die Nähe zum Sportplatz werde zusätzlich eine Gewerbebebauung entstehen und somit eine Abstufung gewährleistet sein, sagte Scheck.

Geschäftsleiter Florian Stephan schob ein, dass beim Entwurf die Umgebungsbebauung bereits miteinbezogen worden sei. Mit dem vorgeschlagenen genossenschaftlichen Projekt werde eine neue Wohnform geschaffen, auf die die herkömmlichen Standards nicht im vollen Umfang angewandt werden könnten.

Für ihn sei entscheidend, dass das Projekt funktioniere, so Scheck. Die Umsetzung des Projekts werde mit den vorhandenen Kapazitäten der Gemeinde nicht umzusetzen sein. In der Zusammnarbeit mit der MARO greife man auf Fachkräfte zurück, so Scheck.

Mit dem Projekt entstehe eine ergänzende Wohnform, mit der die Gemeinde ihrer Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum gerecht werde, sagte zweite Bürgermeisterin Claudia Kraus. Leute mit geringen und mittleren Einkommen seien in der Gastronomie und im Pflegebereich tätig – und sie seien gesucht. Weiter führte Kraus aus, dass aber auch junge Arbeiter bezahlbaren Wohnraum benötigten und davon profitieren könnten. Die Zahl der demenzkranken Menschen nehme zu, so Kraus, die Demenz-WG sei darauf eine Antwort. Die Gemeinde habe Mitsprache im Projekt und könne so immer sehen, was passiert.

Von einem wichtigen Projekt sprach Peter Lloyd. Er spüre ein gewisses Misstrauen, aber keine generelle Ablehnung. Nötig seien, wie Lloyd betonte, neue Wohnformen. Schließlich höre man immer wieder, dass alte Menschen alleine in ihren Wohnungen sterben – und das es dann erst Wochen später bemerkt wird. Hier gehe es nicht um ein Stockwerk mehr oder weniger, sondern um das Konzept. Lloyd stellte nicht die Frage, ob das Projekt funktioniert, sondern wollte vielmehr wissen, wie es denn funktioniert. Hierauf antwortete Kraus: »Wir brauchen eine gewisse Fläche, damit die Struktur entsteht und das Miteinander erhalten wird«.

Veronika Memminger beantragte, die Entscheidung über das Projekt zu vertagen. Für sie gab es noch zu viele Punkte, die weiter erläutert werden müssen. Noch mehr Informationen seien nötig. Mit drei Gegenstimmen wurde dem Antrag stattgegeben. Somit wird sich der Gemeinderat mit dem Thema Entwicklungskonzept »Am Sportplatz« in nächster Zeit wieder beschäftigen. MP