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Ein weiterer großer Schritt zur Realisierung der Fernwärmeversorgung ist mit dem Flächenkauf für das Biomasseheizwerk getan. Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) steht am Eck des Areals am nördlichen Ortsrand. (Foto: Peter)

Ein Standort für das Biomasseheizwerk ist gefunden

Marquartstein – Die Suche hat ein Ende. Und was sich anfangs als Hürde aufbauen hätte können, eröffnete letztlich neue Chancen. Zuerst war das Biomasseheizwerk für die Fernwärmeversorgung in Marquartstein im neuen Entwicklungsgebiet »Am Sportplatz« geplant. Doch die Querung der Tiroler Ache vereitelte das Vorhaben, und der Alternativstandort im Gewerbegebiet Nord scheiterte an den Grundstücksverhandlungen mit dem Eigentümer. So suchte die Gemeinde eine neue Möglichkeit. Es gab Gespräche mit verschiedenen Grundstückseigentümern. Ein Landwirt, der Flächen zwischen Grassau und Marquartstein im Bereich der Bundesstraße 305 und dem Achendamm hat, stellt der Gemeinde auf Erbpacht die erforderliche Fläche für das Heizwerk zur Verfügung. 


Schon vor rund 20 Jahren hatte es in Marquartstein einen Anlauf für den Ausbau einer Fernwärmeversorgung gegeben. Das Projekt scheiterte an einem geeigneten Standort für das Heizwerk. Vor gut drei Jahren nahm der Gemeinderat das Projekt wieder in Angriff und gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Die Untersuchung ergab, dass für einen Bereich zwischen Gewerbegebiet und Realschule mit rund 55 anzuschließenden Gebäuden ein technisch einwandfreier und wirtschaftlicher Betrieb einer Fernwärmeversorgung möglich wäre. Im Juni 2019 gab der Gemeinderat durch einen Grundsatzbeschluss grünes Licht für das Fernwärmenetz in Marquartstein.

Das Biomasseheizwerk auf der Basis von Hackschnitzelverfeuerung sollte am nördlichen Ortsrand von Marquartstein im geplanten neuen Entwicklungsgebiet »Am Sportplatz«, östlich der Tiroler Achen, seinen Standort finden und das Gebiet gleich mitversorgen. Der angedachte Standort hätte jedoch für die weitere Erschließung des Orts eine Über- oder Unterquerung der Tiroler Achen erforderlich gemacht.

Wie Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagte, hätten Untersuchungen gezeigt, dass dieses Vorhaben mit großen Unwägbarkeiten verbunden sei. Die Unterquerung hätte durch den inhomogenen Untergrund, der durch das alte Flussbett der Tiroler Ache entstanden ist, einen hohen technischen Aufwand bedeutet und wäre trotzdem mit sehr hohen Risiken verbunden gewesen. Die Möglichkeit der Überquerung mit einer Leitungsbrücke hat das Wasserwirtschaftsamt kritisch gesehen. Und nebenbei hätte das Bauwerk in unmittelbarer Nähe der Fußgänger-Bogenbrücke negative Auswirkungen auf das Ortsbild gehabt, schob Scheck ein. Nachdem der Standort östlich der Tiroler Achen wegen der Unwägbarkeiten aufgegeben wurde, wollte die Gemeinde das Biomasseheizwerk in das Gewerbegebiet Nord verlegen. Doch habe der private Eigentümer die langwierigen Flächenverhandlungen ergebnislos abgebrochen, so der Bürgermeister. In der Folge seien Gespräche mit verschiedenen anderen Grundstückseigentümern geführt worden, auf deren Flächen man sich das Heizwerk hätte vorstellen können. Letztlich kristallisierte sich die Fläche heraus, die ungefähr 150 Meter nördlich des Gewerbegebiets Nord liegt und an deren Grenze schon eine Pumpstation für die Abwasserentsorgung liegt.

Für das Fernwärmenetz mit dem bisher verfolgten Standort des Heizwerks hatte es nach den Worten von Scheck 34 Vorverträge gegeben, was eine CO2-Einsparung von rund 1200 Tonnen gebracht hätte. Was wiederum einer Einsparung von circa 440 000 Litern Heizöl entspricht. Mit dem neuen Standort, der 2000 Quadratmeter umfasst, wird die beabsichtigte Trasse um ein Drittel länger und wäre dann sechs Kilometer lang. Sie wird laut Andreas Scheck über die Enzianstraße zur Pettendorfer Straße und von dort ins Ortszentrum geführt. Zusätzlich soll über die St.-Andräer-Straße und die Bruckfeldstraße die Loitshauser Straße mit erschlossen werden. Somit entstünden weitere Anschlussmöglichkeiten für Interessenten, sagte Scheck.

Die grobe Kostenschätzung lag beim ersten angedachten Standort bei rund 2,6 Millionen Euro und für die neue und umfangreichere Planung mit mehr Anschlussmöglichkeiten bei 3,4 Millionen Euro. Wobei zu sehen ist, betont Scheck, dass die aufwendige und kostspielige Querung der Tiroler Ache nun entfällt.

Durch die neuen Gegebenheiten würde jedoch das Ziel, auch die Gebiete östlich der Tiroler Achen mit Fernwärme zu versorgen, nicht aufgegeben, sagte der Bürgermeister. Es ist angedacht, im weiteren Ausbau der Fernwärme das Leitungsnetz über die Alte Brücke zu führen. Das sei möglich, da für die Versorgung der östlichen Ortsteile ein kleinerer Durchmesser bei den Rohren reiche, so Scheck. Im neuen Entwicklungsgebiet »Am Sportplatz« solle das Leitungsnetz für die Wärmeversorgung von Anfang an aufgebaut und eine temporäre Lösung zur Wärmeversorgung realisiert werden, bis der Anschluss an das Hauptnetz möglich sei, so Scheck weiter.

Wie Scheck weiter anmerkte, würde das Kommunalunternehmen Wärmeversorgung Marquartstein KU alle Vorvertragspartner demnächst mit aktuellen Informationen versorgen.

MP