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Ein Paradies zwischen Kampenwand und Hochplatte

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Zwischen Kampenwand und Hochplatte liegt die Piesenhausener Hochalm. (Fotos: J. Albrecht)
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Die beiden Sennerinnen Anna (links) und Angela zusammen mit Almbauer Anderl Aigner. (Foto: Hötzelsperger)

Zwischen Kampenwand und Hochplatte und mit einer Weitsicht vom Großvenediger bis zum Bayerischen Wald liegt die Piesenhausener Hochalm. Ein Besuch auf der 1360 Meter hoch gelegenen Alm lohnt sich – nicht nur wegen der einzigartigen Lage und traumhaften Sicht hinab ins Schlechinger Tal oder zum Chiemsee.


Anderl Aigner, 33-jähriger Naderbauer von Piesenhausen in der Gemeinde Marquartstein, erläutert bei einem Almbesuch mit Stolz, was seine Familie mit der Alm für eine lange Geschichte hat. »Seit 550 Jahren sind der Naderbauerhof sowie die Piesenhausener Hochalm und die Naderbauer Niederalm in unserem Familienbesitz, später kam noch als dritter Kaser die Grassauer Hütte dazu.«

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Bisher von Unfällen verschont geblieben

Froh ist der Bauer und Almbesitzer, dass die 43 Kühe auf der Alm alle sein eigen sind. Dazu kommen noch vier Kühe, die täglich gemolken werden. Für diese Arbeit hat die Alm zwei Sennerinnen, die sich auch um das Wohl der Gäste kümmern. Die Arbeit außerhalb der Alm übernehmen die Bauersleut. 35 Hektar Lichtweide hat die Alm. »Achteinhalb Kilometer Zaun muss im Frühjahr erstellt, im Sommer gewartet und im Herbst wieder zurückgebaut werden. Das sind insgesamt im Jahr rund 200 Stunden handfeste Arbeit, bei der wir von Freunden unterstützt werden«, erklärt Anderl Aigner. Von Unfällen sind die Almleute bis jetzt verschont geblieben – Gott sei Dank, denn in den vergangenen Jahren ging schon mehrfach ein Tier durch Blitzschlag verloren.

Neben den Jung- und Milchkühen auf der Hochalm hat die Bauersfamilie Aigner noch rund 25 junge Nachwuchstiere auf der Niederalm unweit des bewirtschafteten Gasthofs Staffenalm. »Nach dem ersten Jahr auf der Niederalm kommen die Tiere im kommenden Jahr dann auf die Hochalm, das ist ein guter Einstieg«, sagt der Almbauer. Mit weiteren 30 Kühen im Tal bringt es Anderl Aigner auf fast 120 Tiere.

Der heiße Sommer ist natürlich nicht dauerhaft ideal für die Almbewirtschaftung, aber noch zeichnen sich weder Wasser- noch Futtermangel ab, sodass wie geplant Ende September oder Anfang Oktober der Almabtrieb erfolgen kann, erklärt Anderl Aigner weiter. Der Heimgang von der Hochalm zum Tal-Bauernhof erfolgt in zwei Etappen. Am ersten Tag wird bis zur Niederalm gegangen, am zweiten Tag dann der Rest. Und wenn der Almsommer auch weiterhin unfallfrei ist, dann werden die Tiere auch feinsäuberlich geschmückt.

Sennerinnen freuen sich auf das Aufkranzen

Auf diese Aufgabe, das Herrichten des Almschmucks und das Aufkranzen, freuen sich jetzt schon die beiden Sennerinnen Anna (31) und Angela (23). Beide verbringen heuer ihren ersten Almsommer in den Bergen, abseits der sonst gewohnten Gesellschaft. Beide sind froh, den Schritt weg vom bisherigen Arbeitsplatz hinauf auf die Hochalm gewagt zu haben. Anna aus der Gemeinde Saaldorf ist gelernte Schnitt-Zeichnerin und Angela aus Waging ist Gärtnerin. Die jungen Frauen ließen sich vor ihrem Almbezug von Steffi Aigner im Verarbeiten der Milch und im Käsen einlernen, Almbauer Anderl Aigner vermittelte viele Details zum Melken und rund um die Alm. Wöchentlich wechseln sich die beiden Sennerinnen mit ihren Aufgaben ab. Eine kümmert sich um das Melken der Kühe und um das Käsen, die andere versorgt die Wanderer.

Eine ganz wichtige Aufgabe ist das tägliche Zählen des Almviehs, was gar nicht so einfach ist. Einmal verzählten sich beide Sennerinnen. Als der Almbauer dann selbst zählte, waren anstatt der 43 Tiere nur 42 vorzufinden. Ein Jungrind entkam aus der Weide und verstieg sich an einem ganz schmalen Steig in Richtung Schleching. Mit viel Glück wurde das Tier gefunden und wieder zur Herde zurückgebracht.

Um 5 Uhr in der Früh beginnt für die Sennerinnen der Almdienst, die ersten Gäste kommen rund fünf Stunden später. »Bis dahin haben wir schon den Sonnenaufgang und das Frühstück genossen«, so die Sennerin Angela und Anna ergänzt: »Hier in den Bergen sind wir weit weg von unten und ganz in der Freiheit und in der Natur«. Für die Gärtnerin und Kräuterpädagogin ist besonders die Vielfalt der Blumen, Gräser und Kräuter sehr interessant, denn die Arten dessen, was auf den Weiden wächst, ist zwischen Kampenwand und Hochplatte oftmals ganz unterschiedlich.

Über Abwechslung freuen sich Almbauer und Sennerinnen immer wieder, insbesondere bei Besuchen von Bekannten und Freunden. Am dritten Sonntag im September wird das Almfest mit Musik gefeiert. Ende September ist dann bei der nahen Bergwacht-Hütte eine Bergmesse und dann heißt es schon bald wieder Abschied zu nehmen von der Hochalm, deren Höhe auch im Herbst schon ersten Schnee bringen könnte. Aber daran ist derzeit nicht zu denken, denn Sonne und Sommer prägen heuer das Almleben hoch droben im Hochplattengebiet.

Wie es im nächsten Jahre weitergeht? Darauf antwortet Almbauer Anderl Aigner: »Da lassen wir uns überraschen, heuer haben wir die Sennerinnen über Umwege durch Facebook gefunden, nächstes Jahr schauen wir wieder weiter«. hö