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Achental-Tafel versorgt 150 Menschen mit Lebensmitteln

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Marquartstein: Achental-Tafel versorgt 150 Menschen mit Lebensmitteln
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Einen Scheck über 4000 Euro übergaben die Präsidentin des Lionsclub Marquartstein-Achental Petra Hörterer (dritte von links) und Schatzmeister Roland Netzer an Elke Sommer, Leiterin der Achental-Tafel (rechts) und zweite Bürgermeisterin Claudia Kraus, die seit 16 Jahren aktiv bei der Tafel mitarbeitet. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Seit 2003 besteht die Achental-Tafel, die von Beginn an regen Zuspruch fand. Damals fing es mit ungefähr 60 Personen an, aber die Zahl erhöhte sich schnell und stieg stetig auf heute fast 150 Hilfsbedürftige, davon 88 Erwachsene und 60 Kinder – im letzten Jahr waren es noch 140 Personen, wie die Leiterin der Tafel, Elke Sommer, bei der Spendenübergabe des Lions Clubs berichtete.


Zum Kernteam der Tafel-Mitarbeiter gehören, sie selbst, zweite Bürgermeisterin Claudia Kraus, auch Mitglied im evangelischen Kirchenvorstand in Marquartstein, sowie Diakon Michael Soergel von der Erlöserkirche, der immer die Erstgespräche mit den Anwärtern führt und dafür zuständig ist, die Berechtigungsscheine auszustellen. Alle, die nachweisen, dass sie kein höheres Einkommen als den derzeit gültigen Sozialhilfesatz haben, können Gebrauch von der Tafel machen.

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»Die Dunkelziffer der Leute, die die Tafel eigentlich bräuchten, ist viel, viel höher«, davon sind alle Mitarbeiter überzeugt: »Die Angst gerade bei alten Leuten im dörflichen Umfeld, wo jeder jeden kennt, ins Gerede zu kommen, ist ungeheuer groß«, sagt Claudia Kraus.

Träger der Achental-Tafel ist die Diakonie. Die Gemeinde Marquartstein, in deren Untergeschoß im Rathaus die Tafel bis vor einigen Jahren noch untergebracht war, stellt Räume, Strom und Heizung zur Verfügung. Heute befindet sich die Achental-Tafel ebenerdig in einem günstig gelegenen Haus am nördlichen Ortsausgang. Genutzt wird sie von den Bedürftigen des gesamten Achentals bis Reit im Winkl und Übersee.

Jeden Samstag gegen Mittag ist die Ausgabe der Lebensmittel. Schon mehrere Stunden vorher müssen die Helfer bereits kräftig zulangen. Alles ist genau organisiert: die Nahrungsmittel werden kurz vor Geschäftsschluss am Samstag, bei manchen auch schon am Freitagabend oder früher, von den Geschäften abgeholt, aussortiert und in dem großen Ausgaberaum möglichst ansprechend präsentiert.

Die 38 ehrenamtlichen Helfer sind in vier Gruppen eingeteilt, so dass alle vier Wochen jeweils eine Gruppe dran ist. Durchschnittlich werden sieben Helfer pro Schicht dringend gebraucht, die dann alle Hände voll zu tun haben. Natürlich gibt es auch Springer, wenn einer ausfällt. »Das Durchschnittsalter der Helfer, überwiegend Frauen, liegt bei etwa 70 Jahren«, sagt Claudia Kraus. Aber auch einige – gerade wegen ihrer physischen Kräfte hoch erwünschte – Männer sind dabei, zum Beispiel auch Pfarrer Hanns Krämmer, der aus seinen Kontakten mit der Gemeinde nur allzu gut weiß, wie notwendig die Tafel ist.

Dank der Mitarbeit vieler Geschäftsleute im Achental gibt es meistens genügend Nahrungsmittel, so dass es für alle Abholer reicht. Die Tafel bekommt Lebensmittel, die nach den EU-Richtlinien nicht mehr in den Handel dürfen, aber noch einwandfrei brauchbar sind. Den Geschäftsleuten ist so die Entsorgung abgenommen, die Lebensmittel müssen nicht mehr weggeworfen werden und vielen Menschen ist geholfen. Grundnahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte, frisches Obst und Gemüse werden allerdings kaum gespendet und müssen zugekauft werden. »Pro Vierteljahr benötigt die Achental-Tafel eine Palette Milch mit 3,5-prozentiger haltbarer Milch, die 650 bis 700 Euro kostet«, erklärt Elke Sommer.

Hauptsponsor der Achental-Tafel ist von Anfang an der Lions-Club Marquartstein-Achental, dessen großzügige Geldspenden gerade an Weihnachten unabdingbar sind. Aber es gibt auch andere Spender, zum Beispiel eine Person, die für Weihnachten Essensgutscheine finanziert.

Etwa ein Drittel der Tafelabholer sind nach Aussage der Mitarbeiter alte Leute, deren Rente nicht reicht, ein weiteres Drittel sind Familien, bei denen die Eltern arbeitslos sind oder der Lohn nicht ausreicht. Das letzte Drittel sind anerkannte Flüchtlinge mit oftmals sehr großen Familien. Da die Auswahl anfangs natürlich größer ist, kommen die Abholer monatlich zu verschiedenen Zeiten dran. Während es zum Beispiel in München oft lange Schlangen bei den Tafeln gibt, sind bei den hiesigen Tafeln die Zeiten für die Abholung im Viertelstundentakt eingeteilt. Wer einmal nicht kommen kann, muss sich abmelden. Wer dreimal unentschuldigt nicht erscheint, wird von der Liste der Tafelabholer gestrichen.

Besonders wichtig ist Tafelleiterin Elke Sommer die Diskretion. Alle Helfer seien zu strikter Vertraulichkeit angehalten, sowohl was Kunden als auch Lieferanten betrifft. Nach getaner Arbeit – wobei es immer noch aufzuräumen und zu putzen gilt – seien die Helfer oft körperlich und seelisch geschafft. Trotz der anstrengenden Arbeit seien viele Helfer seit Jahren und mit Freude dabei, weil sie erleben, dass sie etwas Sinnvolles tun.

Kraus betont aber, dass es eigentlich Ziel der Tafeln sei, vorübergehende Hilfe zu leisten, damit die Leute wieder ohne sie leben könnten. »Leider sind aber die Tafeln zu einer bequemen Dauereinrichtung für den Staat geworden, gerade bei alten Leuten, deren Situation sich voraussichtlich nicht mehr ändern wird. Wir freuen uns über jeden, der es geschafft hat, auf eigenen Beinen zu stehen«, sagt Sommer, was glücklicherweise immer mal wieder vorkomme. gi


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