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2700 Jahre altes Schmuckstück für Gemeindearchiv

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Marquartstein: 2700 Jahre altes Schmuckstück für Gemeindearchiv
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Die 2700 Jahre alte Gewandfibel, die Josef Oberhauser der Gemeinde Marquartstein geschenkt hat, ist durchaus etwas besonderes. Solche Fibeln sind eher im Südostalpenraum und auf dem Balkan bekannt. (Foto: Fembacher)

Marquartstein – Das Marquartsteiner Josef-Bock-Dorfarchiv ist um ein ganz besonders Schmuckstück reicher. Josef Oberhauser hat seiner Gemeinde eine fast 2700 Jahre alte Bronzefibel – eine Gewandschließe – aus seinem Privatbesitz vermacht.


Oberhauser hat die Fibel vor gut 50 Jahren selbst gefunden. Rein zufällig. Damals war er beim Marquartsteiner Baggerbetrieb Wolfgang Aigner für die Wartung und Reparatur der Maschinen zuständig. Eines Tages wurde er nach Ettenhausen bei Schleching geordert, »weil die Raupe verreckt war«. In Ettenhausen wurde seinerzeit im Zuge der Trennung von Wald- und Weideland die Buckelwiese eingeebnet, die am Zugang zum Schmugglerweg liegt. »Als ich zur Raupe marschiert bin, stach mir an der Leitn im Dreck etwas ins Auge. Ich dachte an ein Mardereisen.« Auf dem Rückweg sah sich Oberhauser den Gegenstand näher an. Identifizieren konnte er ihn nicht, aber »weil er nach etwas Besonderem aussah, habe ich ihn mal in mein Auto geschmissen.« Dort geriet er erstmal in Vergessenheit. Bis Oberhauser seinem Bekannten Josef Bock bei einem Vortrag über Bronzefunde begegnete. Während des Vortrags gab es Bilder von Bronzefibeln zu sehen und Oberhauser wurde klar: »Sowas hab ich auch!« Zuhause bearbeitete er seinen Fund mit Scheuerpulver. »Dann ging die Fibel monatelang auf d'Roas«.

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Verschiedene Stellen von Innsbruck bis München haben Oberhausers Fund unter die Lupe genommen. »Erst meinten die, das Drumm sei nicht echt, weil ich es so sauber gescheuert hatte!« Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München schließlich datierte Oberhausers Fund auf etwa 650 vor Christus.

Leicht trennt sich Oberhauser nicht von dem besonderen Stück. Dennoch: Es ist wichtig, solche Dinge für die Nachwelt zu erhalten und an einen sicheren Ort zu bringen. Bürgermeister Andreas Scheck versicherte, dass die Gemeinde Marquartstein das besondere Geschenk in Ehren halten wird. »Ich hoffe, dass wir eines Tages einen Platz für unser Dorfarchiv haben, der die Möglichkeit bietet, solche Fundstücke der Öffentlichkeit zu präsentieren.«

Wie ungewöhnlich Oberhausers Fund im Achental ist, bestätigt auch Martina Pauli, Gebietsreferentin am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Es handle sich nämlich um eine bogenförmige Zweischleifenfibel mit Wülsten am Bügel, bestehend aus zehn Kugeln zwischen Rillengruppen und trapezförmig verbreitertem Nadelhalter. Solche Fibeln seien besonders im Südostalpenraum und auf dem Balkan bekannt, kämen weiter südöstlich vor.

Das spreche für Kontakte zwischen dem Achental und dem südöstlichen Alpenraum. Wie diese Verbindungen in vorchristlicher Zeit aussahen, wer solche Fibeln trug und ob die Fibel im Achental verloren wurde oder hier verblieb, weil der Träger an Ort und Stelle verstarb, sind Geheimnisse, die die Fibel nicht preisgibt.

Über ihre Herstellung weiß man mehr: »Fibeln dieser Art wurden vermutlich gegossen«, erläutert Pauli. Mehrere Möglichkeiten seien denkbar. Entweder habe man mit Gussformen aus Stein gearbeitet oder mit Wachs- beziehungsweise Bronzemodellen. Die Wachsmodelle habe man in Ton gedrückt, anschließend das Wachs ausgeschmolzen und die Bronze hineingegossen. Die Wachsmodelle wurden Pauli zufolge in Ton abgeformt und dann gegossen.

Alter wird über Legierung bestimmt

Pauli verrät auch, wie man das Alter solcher Fundstücke ermittelt. Infrage kämen Metallanalysen, die über die Zusammensetzung der Legierung Aufschluss geben können. Typisch wäre für diese Zeit eine Bronzelegierung, also eine Mischung aus Kupfer und Zinn mit weiteren Spurenelementen. Manchmal würde nur eine typologische Einordnung vorgenommen.

Über den Vergleich mit Stücken aus anderen Fundorten, vor allem aus Gräbern, könne man schließen, aus welcher Zeit Fibeln dieser Art stammen. Auf diese Weise dürfte auch festgestellt worden sein, dass Oberhausers Fund aus der Zeit um 650 vor Christus, also aus der Hallstattzeit stammt. fem