weather-image
14°

Rückblick auf erfolgreiches Imkerjahr

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Der Imkerverein Kirchanschöring will auch auf Wildbienen wie etwa die Rote und die Gehörnte Mauerbiene setzen. (Foto: Caruso)

Kirchanschöring – Dass der Imkerverein Kirchanschöring auf Erfolgskurs ist, wurde bei der Mitgliederversammlung im Gasthaus Rothlerwirt in Roth noch einmal klar. Zum einen lobte Vorstand Helmut Hofmeister, dass Kirchanschöring zur »Bienenfreundlichste Gemeinde 2019 in Oberbayern« wurde, zum anderen freute er sich mit seinen Kollegen über die damit verbundenen 3000 Euro für den Verein.


Dass Kirchanschöring Siegergemeinde geworden ist, liegt gerade auch am Engagement der Imker, die gut mit der Gemeinde zusammenarbeiten. Beide haben gemeinsame Umwelt-Interessen. »Der Kriterienkatalog war anspruchsvoll, doch Kirchanschöring wusste auch noch mit zusätzlichen Pluspunkten zu überzeugen«, sagte Hofmeister.

Anzeige

Honigschleuderraum für alle Imker am Ort

Überdies ist der Verein stolz auf sein neues Bienenschauhaus, das im Rahmen eines Festakts seiner Bestimmung übergeben wurde. Ausgestattet ist es mit Bienenstöcken und einem Honigschleuderraum, der allen Imkern am Ort zur Verfügung steht. Das Bienenschauhaus dient auch als Schulungsgebäude und erleichtert die fachliche Ausbildung von Menschen, die an der Imkerei interessiert sind.

Für den »Lebendigen Adventskalender« schmückte die Vorstandschaft das Areal mit Lichterketten und öffnete einen Abend lang die Tür, um unzählige Besucher mit Met und Honiglebkuchen zu verwöhnen. »Mindestens hundert Leute waren da und interessierten sich für unsere Arbeit«, so Hofmeister. Gegenüber dem Vorjahr hat der Verein neben nunmehr 15 Fördermitgliedern aktuell 53 Mitglieder, davon 49 aktive, mit der Imkerei beschäftigte Mitglieder, die 259 Völker bewirtschaften. Im Rahmen der Versammlung wurde ein weiteres Mitglied aufgenommen.

Hofmeister würdigte seinen Stellvertreter Gernot Straßer, Franz Streibl, Hans Steinmaßl und Thomas Bie-ber, die Neuimker fachlich anleiten, die Gemeinde, die die Jungimker beim Kauf von zwei Magazinen (Bienenwohnungen) finanziell unterstützt, Bürgermeister Hans-Jörg Birner, der sich für das 70 000 Euro teure Schaubienenhaus eingesetzt hatte. Die Gemeinde stellte das Grundstück zur Verfügung, trägt das Haus finanziell mit und hatte die aufwändigen Unterlagen für den Leader-Zuschuss ausgearbeitet, der dann knapp 26 000 Euro ausmachte.

Hofmeister hob die Bedeutung eines eigenen Wachskreislaufs hervor. Man versuche wieder möglichst viel rückstandsfreies Bienenwachs von vertrauenswürdigen Imkern der Umgebung zum Herstellen von Mittelwänden zu kaufen. »Mittelwände aus umgearbeitetem Bienenwachs«, so Hofmeister, der auch noch zahlreiche Tipps gab.

Fachvorträge und Wachs-Kurs im Frühjahr

Darüber hinaus riet er, Informationsangebote zu nutzen und Fachvorträge zu besuchen. Darunter ist auch ein Fachvortrag mit Imkermeister Anton Reitinger am Freitag, 13. März um 19 Uhr im Salitersaal zur heilsamen Wirkung von Honig, Blütenpollen, Propolis und Co. Ein Wachs-Kurs mit Gernot Straßer ist am Samstag, 7. März, im Schaubienenhaus. Die Jahreshauptversammlung der Pettinger Imker ist am Freitag, 14. Februar, im Cafe Götzinger mit dem Thema: »Bienenhaltung in der Zeit des Klimawandels«. Im Sommer ist wieder ein gemeinsames Grillfest vorgesehen, voraussichtlich im Juni. Am Samstag, dem 27. Juni, unternehmen die Kirchanschöringer Imker ihren Jahresausflug ins Alpachtal zur Schauimkerei von Rosi Fellner. Das imkerliche Ferienprogramm sei ein voller Erfolg gewesen, weil so viele Kinder mitgemacht haben. Heuer lege man am 25. Juli wieder ein Programm auf.

Der Abend zeigte erneut, dass die Imker nicht nur am Ertrag interessiert sind, sondern auch an einer intakten Natur. So macht man sich Gedanken über das Wohlergehen der Bienen. »Selbst wenn wir Schädlinge ganz gut in den Griff kriegen, lauern da neben Insektiziden und Herbiziden noch ganz andere Gefahren, die den Bestand und die Population von Bestäubern aller Art bedrohen: Das Nahrungsangebot. Hofmeister warb, mehr von den für Bienen wichtigen Sal-Weiden nachzupflanzen und vorhandene stehen zu lassen. Er glaube nicht, dass Honigbienen, die nur ein Glied in einem komplexen Artennetz seien, eine Bedrohung für Wildbienen sind. Gerade aufgrund ihrer Effizienz und vergleichsweisen geringen Ausfällen durch Parasiten und Krankheiten setze man zunehmend Wildbienen (zum Beispiel Hummeln und Mauerbienen) statt Honigbienen gezielt zur Bestäubung von Obstbäumen ein. Mauerbienen seien unverzichtbar, weil sie das Überleben unzähliger Wildpflanzen sicherten und einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen mit gleicher Zahl von Blütenbesuchen erreichten.

Wildbienen bestäuben früh blühende Obstbäume

Weiter stellte er spezielle Nistkästen vor, die optimale Bedingungen für Rote und Gehörnte Mauerbiene bieten. Letztere fliege schon etwa ab März und einer Außentemperatur von etwa drei bis fünf Grad. Durch ihre besonders frühe Flugzeit sei sie der ideale Bestäuber vor allem von Stein- und Kernobst – deren Obstbäume blühten heutzutage rund zwei bis drei Wochen früher als vor 30 Jahren.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner lobte die beeindruckende Arbeit der Imker im Sinne von Natur- und Artenschutz. Er erinnerte daran, dass die Gemeinde unter anderem mit dem Altholz am Dorfanger Bonuspunkte im Wettbewerb um die bienenfreundlichste Gemeinde erzielte. Am Bienenhaus wolle man für die noch fehlenden Sitzbänke auch eine Förderung über eine der Regionalinitiativen beantragen. Als Hüter des Geldes gab Kassier Andreas Wörndl abschließend einen Überblick über die positive finanzielle Entwicklung. ca