Kirchanschöring richtet Waldkindergarten ein

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Auf dieser Lichtung im Schulwald hinter der Hans-Straßer-Halle soll der Waldkindergarten der Gemeinde Kirchanschöring entstehen. (Foto: Caruso)

Kirchanschöring – Da auch im bestehenden Haus für Kinder St. Elisabeth in Kirchanschöring die Betreuungsplätze knapp sind, beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit der Schaffung einer zeitgemäßen waldpädagogischen Einrichtung, mit der die Gemeinde zugleich das pädagogische Betreuungs- und Förderangebot erweitert. 


Auf Anregung einiger Eltern im Bürgerrat haben die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat den Gedanken vor einiger Zeit aufgegriffen und von der Gemeindeverwaltung mit Unterstützung einer professionellen Projektbegleiterin, der pädagogischen Fachkraft Marlene Lion, einen Konzeptentwurf erarbeiten lassen, damit Kirchanschöring schnellstmöglich einen Naturkindergarten im Wald einrichten kann, dessen Trägerschaft die Gemeinde übernimmt.

Als Standort wählte die Gemeindevertretung das gemeindliche Waldstück aus, das zentral im sogenannten Schulwald (hinter der Hans-Straßer-Halle beim Sportplatzgelände) liegt. Dort soll demnächst ein Waldkindergarten für zwei Gruppen eingerichtet werden. Das Ratsgremium zeigte sich mehrheitlich damit einverstanden und beauftragte die Verwaltung, alle notwendigen weiteren Schritte zu veranlassen.

»Die Größe der Lichtung und die Situierung der Gebäude, die dafür gebaut werden, sind bereits mit dem Förster, dem Forstamt abgesprochen«, sagte Bürgermeister Hans-Jörg Birner. Da man die notwendige Größe der Lichtung erst noch schaffen lassen müsse, halte man sich an die Empfehlung des Försters, damit der künftige Platz des Naturkindergartens optimal besonnt ist.

Auf diesem Platz will die Gemeinde ein Gebäude aus Holz, das einer Forsthütte ähnelt, erstellen lassen. Das kostet rund 70.000 Euro. Hinzu kommen noch die Zuwegung, die etwa 47,000 Euro ausmacht und die Platzgestaltung mit 17.000 Euro. Dies summiert sich auf 134.000 Euro plus etwa zehn Prozent an Baunebenkosten, womit das Vorhaben einen Gesamtpreis von gut 147.000 Euro erreicht.

Ehe aber der Beschluss in dieser Sitzung fiel, den Schulwald für den neuen Naturkindergarten zu nutzen, berichtete Bürgermeister Birner über die Stellungnahme, die die Projektbegleiterin Marlene Lion zur Eignung des Schulwalds und zur Lichtung als Waldkindergartenplatz angefertigt hatte.

Laut Bürgermeister berücksichtigte sie nicht nur die Lage und die Eigenschaften der gewählten Lichtung, sondern auch pädagogische Aspekte. Lion habe die Vorteile der Lage unter anderem in der guten und schnellen Erreichbarkeit zu Fuß, mit dem Auto und mit dem Fahrrad gesehen. Zudem entstünden keine Pachtkosten, da sich der Schulwald im Eigentum der Gemeinde befinde. »Abgesehen von der Kostenersparnis ist es äußerst selten, einen Pacht- und Nutzungsvertrag für ein Gelände dieser Größenordnung für einen Waldkindergarten zu finden«, zitierte Birner aus dem Schreiben von Lion. Auch ließe sich an dieser Stelle die erforderliche Infrastruktur, also die Zufahrt, die Rettungswege und falls gewünscht, Strom und Wasser leichter schaffen.

Vorteilhaft sei, dass die Notunterkunft, die in der nahegelegenen Hans-Straßer-Halle möglich sei, fußläufig schnell zu erreichen sei. »Neben dem pragmatischen Sicherheitsaspekt ist auch das Beantragen der Betriebserlaubnis wichtig.« Durch die Nähe zum Ortskern sei auch ein vernetztes Arbeiten mit anderen Einrichtungen möglich.

Schutzunterkunft aber kein Bauwagen

Die baumfreie Stelle im Wald sei groß genug, um eine geräumige Schutzunterkunft zu errichten. Das Gebäude sei erweiterbar, sodass man im Bedarfsfall eine zweite Kindergarten- oder Hortgruppe aufnehmen könne. Die großzügig angelegte Lichtungsfläche lasse viel Platz zum Spielen. Das Einrichten eines Flucht- und Zufahrtswegs gehe unkompliziert, weil schon ein Weg existiere. Der müsse so beschaffen sein, dass er mit dem Rettungswagen befahrbar ist. Die gut übersehbare Schneise liege versetzt zum Weg und biete den Kindern einen geschützten Raum. Vom bestehenden Wanderweg aus könne man nicht hineinsehen.

Der Ort biete vielfältige Möglichkeiten durch unterschiedliche Erlebnis- und Erfahrungsräume mit Au, Wald und angrenzender Wiese, die allesamt gut erreichbar seien und sich als Beobachtungs- und Lernort eignen, um die ökologischen Zusammenhänge zwischen Menschen, Tier- und Pflanzenwelt zu verstehen. Im renaturierten Wald, der nicht forstwirtschaftlich genutzt werde, gebe es eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen zu entdecken. »Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Förster erleben die Buben und Mädchen den Wald aus einer zusätzlichen Perspektive«, gab Birner einen der pädagogischen Standpunkte von Marlene Lion wieder, die für den Schulwald sprachen.

Aufgrund von Vorbesprechungen und Abstimmungen in den vorgelagerten Gremien des Gemeinderats verzichte die Gemeinde auf einen Bauwagen. Um ein passgenaues Konzept für die Kirchanschöringer Bedürfnisse zu erhalten, habe man sich mit Lion abgesprochen und sei in den vorberatenden Gremien zu folgendem Ergebnis gekommen: Für den Start genüge eine Hütte mit den entsprechenden Nutzflächen für zwei Gruppen. In einem späteren Entwicklungsschritt, der zum Beispiel die Vernetzung mit der Grundschule vorsehe, erwäge die Gemeinde eventuell den Bau eines Rund- Zeltes nach mongolischer Bauart, eine Jurte, als zusätzlichem Rückzugsort, wenn das Wetter zu garstig sei zum Draußen-Spielen.

Somit konzentriere sich Kirchanschöring in ihrer aktuellen Planung nun auf eine Hütte mit Raum für bis zu zwei Gruppen, auf die Vorbereitung des Platzes auch für eine bauliche Ergänzung mit einer even-tuellen Jurte, auf die Wegerschließung in einfacher Kiesausführung samt Wendeplatz, auf das Aufkiesen von Stellplätzen am Weg-Anfang (an der Hipflhamer Straße) und auf die Optimierung der Zufahrt zu den Pkw-Stellplätzen. Auf die Erschließung des Waldgrundstücks mit Wasser-Abwasserleitungen und Stromanschluss verzichte man, sagte Birner

Im Anschluss sprachen sich alle Gemeinderäte aus Kirchanschöring für die Etablierung eines Waldkindergartens aus. Da Ratsmitglied Guido Hillebrand aber nicht einverstanden war mit der Wahl des Standorts im Schulwald, stimmte er gegen den Standort. »Ich bin grundsätzlich für einen Waldkindergarten. Weil aber eine andere, sehr erfahrende Pädagogin den Standort als nicht passend eingestuft hat, votiere ich dagegen.« Zudem bemängelte Hillebrand »die fehlende Kommunikation im Vorfeld«. Diese Ansicht teilte auch Sebastian Brüderl, der sich aber der Ratsmehrheit anschloss. Diese genehmigte den Standort, den Bau der Hütte und die Entscheidung das Grundstück nicht erschließen zu lassen. ca