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Das Patengeschenk der Feuerwehr Petting an die Feuerwehr Kirchanschöring: Eine originale, alte Feuerwehrleiter.

Die Anschöringer machen den Pettingern den Göd

Kirchanschöring – Mit der Musikkapelle Ringham-Petting marschierten rund 90 Pettinger Feuerwehrler zum Patenbittten im Bauernhofmuseum in Hof bei Kirchanschöring. Dort standen schon die Feuerwehrler aus Kirchanschöring Spalier.


Deren Vorstand Jakob Mayer übergab sogleich dem Kirchanschöringer Verhandlungsführer Erwin Krautenbacher das Wort. Dieser hinterfragte zunächst den Anlass des Besuchs – die volle Mannschaft mit Musikkapelle und Ehrenformation aus Ehrenvorstand Georg Haunerdinger und Ehrenkommandanten Oswald Demel und Josef Mayer sen., sieht man nicht alle Tage.

Der Vorstand der Pettinger Feuerwehr, Alex Friedl, meinte, man habe eine Marschprobe unternommen, um sich nach zwei Jahren »Corona-Auszeit« für die kommenden Feste zu rüsten. In Hof wolle man nur eine Pause einlegen – was die Kirchanschöringer sogleich als Ausrede enttarnten. Doch auch die Antwort auf die Gegenfrage, warum die Kirchanschöringer so zahlreich und in Uniform in Hof seien, man sei für eine groß angelegte Impfaktion zusammengekommen, klang für die Pettinger trotz vorgezeigter (Schnaps-)Spritze nicht glaubwürdig. Nach anderen Ausreden und einem Schlagabtausch, welche Wehr den besseren Arzt habe, dauerte es bis nach dem Abendessen, bis beide Vereine zugaben, worum es eigentlich ging: das Patenbitten der Pettinger Feuerwehr anlässlich ihres 135. Gründungsfestes vom 13. bis 19. Juni.

Und wie es sich gehört, brauchte der Jubelverein noch einen Göd. Seit weit über 100 Jahren ist es zwischen Petting und Kirchanschöring Tradition, dass man einander den Patenverein stellt. Nach über zwei Jahren ohne Kameradschaftsabend oder sonstige Veranstaltungen, war dies die erste Versammlung ohne Einschränkungen.

Nachdem die beiden Patendirndln, Marie Krautenbacher aus Kirchanschöring und Ramona Steinmassl aus Petting, vorgestellt wurden, machte der potenzielle Göd aber sehr schnell klar, dass sich der Jubelverein erst beweisen muss, bevor die Patenschaft übernommen wird. So musste etwa die Pettinger Führung ein Quiz lösen und eine eigens für dieses Treffen kreierte Biersuppe probieren.

Trotz der ansonsten guten Verpflegung bemängelten die Pettinger, dass die Kirch-anschöringer den Nachtisch vergessen hatten. Glücklicherweise konnte die Feuerwehr Petting mit einer bis zum Deckel gefüllten Eistruhe aushelfen. Der nächste Versuch die Anschöringer zu überzeugen, erfolgte dann mit den mittlerweile traditionellen Brezn und Eiern, die die Pettinger als Brotzeit für die »Marschprobe« dabei hatten. Beide »Gaumen-Versuche« fruchteten jedoch nicht so recht.

Den eigentlichen Coup landeten die Pettinger aber mit ihrem Patengeschenk, einer alten, hölzernen Feuerwehrleiter aus dem Jahr 1910 mit einer Länge von rund 12 Metern. Nachdem der Feuerwehrbedarfsplan keine eigene Drehleiter für Kirchanschöring vorsieht, obwohl dort Interesse bestünde, wollten die Pettinger aushelfen. Die Leiter wurde mit dem alten Pettinger LF 8 unter Blaulicht vorgefahren und vor dem Bauernhofmuseum aufgestellt. Das historische Geschenk erzeugte zunächst Sprachlosigkeit und brachte den sonst schlagfertigen Verhandlungsführer vorübergehend aus dem Konzept.

Doch weder Brotzeit noch Geschenk brachten die Verhandlungen weiter, sodass es doch noch zum Scheitl-knian kam. Erst als am Ende Vorstände, Kommandanten, Kassier, Fähnrich, ehemalige Kommandanten, der Bräu Alfred Oberlindober jun. und Bürgermeister Karl Lanzinger auf der Bühne knieten, konnte man sich nach zähen Verhandlungen auf 250 Liter Bier, ein Weißwurstfrühstück des Bürgermeisters mit Weißbier einigen. Erst dann ließen sich die Kirchanschöringer erweichen und sagten zu, beim Gründungsfest den Göd zu machen.

Nachdem die Patenschaft mit einem Marsch der Musikkapelle Ringham-Petting besiegelt wurde, ging das Treffen über in einen Kameradschaftsabend mit aus-gelassener Stimmung.

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