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Zweisamkeit in Inzell: Hochzeit trotz Corona-Pandemie

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Foto: Wolfgang Stadler Photography Inzell

Inzell – Adrian Hoffmann (38) aus Heilbronn und seine Frau Klaudia (25) haben sich vergangene Woche das JA-Wort in absoluter Zweisamkeit gegeben. Ein glückliches Paar, das beweist, dass es trotz Corona möglich ist, seine Pläne zu verwirklichen.


Adrian und Klaudia Hoffmann erzählen von ihrem großen Tag:

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Wie sehr sind wir bereit, unser Leben aufgrund der Pandemie einzuschränken? Diese Frage haben sich meine Frau Klaudia und ich gestellt, als wir im September damit begannen, unsere Hochzeit zu planen. Wir haben festgestellt: Auch bei einem solchen Anlass gibt es Möglichkeiten, die Krise positiv zu sehen.

Wir beide kommen aus dem Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg und machen sehr gerne in Inzell Urlaub. Schon mindestens fünf Mal waren wir im vergangenen Jahr dort. Deshalb dachten wir uns: Wir feiern einfach eine Corona-Hochzeit – dort, wo wir uns wohl fühlen. Ganz für uns allein, ohne Familie und Freunde, an unserem „Rückzugsort“, wie wir gerne sagen. Sicher, die klassische Vorstellung von Hochzeit ist für die meisten ein buntes Zusammentreffen von Dutzenden Leuten aus den zugehörigen Familien und vielen Freundeskreisen. Aber andererseits: Wie oft hetzen Paare am „schönsten Tag ihres Lebens“ von einem Termin zum nächsten? Fotoshooting hier, Programmpunkt da. Und nebenbei verbringen sie Monate damit, die Feier zu planen.

Also, wir haben das jetzt so gelöst: Bei einem Konditor in unserer Heimat Heilbronn haben wir eine extrakleine Hochzeitstorte, bei der Gärtnerei um die Ecke haben wir Blumen bestellt und dann einfach alles mit nach Inzell genommen. Der Herr vom Standesamt Inzell hatte kein Problem damit, dass wir uns in Corona-Zeiten trauen wollen. Wir machten uns schön zurecht und gingen mit Mundschutz ins Rathaus. Ein Paar kam uns entgegen, die Frau fragte: „Wie? Sind Sie sicher, dass Sie heiraten wollen?“

Der Herr vom Standesamt bot uns an, während der Trauung den Mundschutz abzusetzen. Das nahmen wir dankend an, wir saßen ja auch schön mit Abstand zu ihm. Wir waren nur zu dritt im Raum. Die weiteren Stühle, die sonst für Gäste und Trauzeugen gedacht sind – alle leer. Es war angenehm und stressfrei. Für den Mann vom Standesamt muss es etwas komisch gewesen sein: Den Hochzeitskuss zu beobachten, ohne andere Menschen um ihn herum, die bei der Trauung dabei sind, und das beklatschen und bejubeln. Aber er machte seine Sache gut und wir fühlten uns bei ihm sehr wohl.

Nach dem Verlassen des Trauungszimmers schauten wir uns noch die künstliche Berglandschaft an, die unten im Rathaus steht und wo Touristen sowie Einheimische sich ein Bild von der Region machen können. Da wir gerne wandern, gingen wir die Berge nacheinander durch – ganz gemütlich, ohne dass draußen der große Menschenpulk auf uns gewartet und Rosenblätter geworfen hätte. Natürlich fehlt das einerseits. Die Menschen, die einem nahestehen und mit einem diesen großen Tag begehen wollen. Bloß: Das lässt sich alles nachholen. Die große Feier mit allen planen wir entspannt für eine Zeit nach Corona.

Wir haben am Hochzeitstag noch eine Stunde lang mit Fotograf Wolfgang Stadler verbracht, der ein Outdoor-Shooting mit uns machte; genau, wie wir uns das vorgestellt hatten. Den Daheimgebliebenen haben wir schöne frisch gedruckten Hochzeits-Postkarten nach Hause geschickt – manche mit einer ironischen Notiz versehen, wie sehr wir es bedauern, dass sie nicht dabei sein konnten. Naja, unsere Freunde verstehen unsere Art von Ironie. Und anstatt einen Hochzeitstag vollgepackt mit Programm und Stress zu verbringen, stießen wir mit alkoholfreiem Sekt an, da Klaudia schwanger ist, schnitten die Hochzeitstorte an und teilten sie mit niemandem. Danach fuhren wir noch nett nach Traunstein und spazierten glücklich durch die Altstadt.

Am darauffolgenden Tag, den 16. Dezember, wäre unser Projekt Corona-Hochzeit wohl schon mehr oder weniger unmöglich gewesen, angesichts der harten Linie des bayerischen Ministerpräsidenten Söder, dessen Stimme wir auf der Hin- und auf der Rückfahrt im Radio hören durften. Etwas länger bleiben konnten wir leider nicht, das ist mit dem Beherbergungsverbot ist tatsächlich etwas blöd. Wir fragen uns, was Herr Söder dazu sagen würde, wenn er wüsste, dass wir uns während Corona aus Baden-Württemberg kommend auf sein Privatgelände geschlichen haben, um dort zu heiraten.

Unser Fazit: Die Corona-Krise bedeutet für uns nicht, dass man alle Pläne fallen lassen muss. Sondern dass Vorhaben auf eine andere Art zu ermöglichen sind, als man vielleicht erwartet hätte, und dass das nicht zwangsläufig etwas Negatives ist, sondern – aus unserer Perspektive – ganz im Gegenteil. An diesen Tag werden wir noch lange Zeit zurückdenken, und hoffentlich werden wir auch schon bald wieder in Inzell urlauben.

fb/red