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Peter Eicher ordnet den riesigen Nachlass von rund 400 Bildern und stellt sie aus

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Peter Eicher hat den umfangreichen Bildernachlass von Hans Janetschek hergerichtet, geordnet und einen Teil der Bilder rahmen lassen. (Foto: Oberkandler)

Der Bildhauer und Kunstmaler Hans Janetschek hat viele Jahre in Inzell gelebt – Peter Eicher hat dessen Nachlass, bestehend aus rund 400 Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen, vor vielen Jahren erworben. Nach und nach hat er einen Teil der Bilder gereinigt und konserviert. Daraus entstanden ist eine Ausstellung im Dachgeschoß seines alten Bauernhauses an der Reichenhaller Straße in Inzell. Interessierte können nach Voranmeldung die Bilder anschauen.


Hans Janetschek wurde 1892 in Salzburg geboren und starb 1978 in Ruhpolding. Nach einer Lehre zum Holzbildhauer in Salzburg zog er 1909 nach Berlin, wo er sechs Jahre lang die Unterrichtsanstalt des königlichen Kunstgewerbemuseums besuchte. Er musste noch in den 1. Weltkrieg einrücken und war zwei Jahre Soldat. Nach dem Krieg erwarb die Stadt Berlin eine Holzskulptur des Künstlers und später acht weitere Architekturplastiken. Das berichtet die in London lebende Inzellerin Edith Oakes, die in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit Peter Eicher und gleichaltrigen Kindern aus dem Dorf immer wieder das Atelier des Künstlers in einem Bauernhof an der Bichlstraße besuchten.

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Edith Oakes, geborene Buchberger kam als Flüchtlingskind mit ihren Eltern 1946 in den Chiemgau, wo sie bis 1958 wohnte und dann nach Essen übersiedelte. Jetzt lebt sie in London. Zu einem Klassentreffen mit ihren ehemaligen Mitschülern hatte sie eine umfangreiche Dokumentation über Hans Janetschek zusammengestellt, mit der sie Peter Eicher, den jetzigen Besitzer seiner Bilder, überraschte.

Janetschek musste auch in den 2. Weltkrieg als Soldat einrücken. Seine Wohnung in Berlin wurde am 13. Januar 1943 total ausgebombt. Es verschlug ihn nach Lienz in Osttirol. Weil er seine deutsche Staatsbürgerschaft nicht aufgeben wollte, wurde er 1945 ausgewiesen und kam nach Inzell. Zunächst fand er bei der Familie Eicher eine Bleibe, dann bei der Familie Kleinmeier (heute Steiner) auf dem Bäckhof an der Bichlstraße. Reich geworden ist er mit seiner Kunst nicht. Er konnte nur wenige seiner Bilder verkaufen. In der Nachkriegszeit war das Geld knapp; Bauern und Handwerker im Ort haben Janetscheks Kunst nur wenig ge- und beachtet.

Irgendwann erinnerte sich Peter Eicher an die Aufenthalte im Atelier an der Bichlstraße und fragte sich, wo die Bilder nach dem Tod Janetscheks 1978 im Ruhpoldinger Altenheim wohl geblieben seien. Er fragte 1983 bei Bürgermeister Oskar Wimmer nach, bekam später vom Geschäftsleiter der Gemeinde Inzell, Ewald Schmaus, den entscheidenden Tipp: Die Gemeinde hatte den Nachlass an den Landkreis weitergegeben. Peter Eicher sprach beim damaligen Geschäftsleiter im Landratsamt Gerhart Ecker vor und man wurde sich schnell handelseins. Seither ist der Nachlass wieder in Inzell, wo ihn Eicher nach und nach aufbereitet hat.

Neben einigen Porträts überwiegen die Landschaftsbilder. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern hat Janetschek alle seine Werke sorgfältig beschriftet. So ist klar, um welche Ansichten es sich handelt und wann sie entstanden sind. Das gilt für die Ölbilder ebenso wie für seine Aquarelle und Rötelzeichnungen. »Er lebte nur für seine Kunst«, erinnert sich Peter Eicher, obwohl das in der harten Nachkriegszeit ein karges Brot gewesen sein muss. Klaus Oberkandler