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»Ihre Arbeit ist ohnehin unbezahlbar«

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Inzell
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Dr. Werner Rainer gab fachkundig Auskunft über das Werk von Anton Cajetan Adlgasser, das von ihm aufbearbeitet wurde. Aufmerksame Zuhörer sind Musikschulleiter Heine Albrecht (von links), der ehemalige Heimatpfleger Willi Preinfalk und Inzells Bürgermeister Hans Egger. (Foto: Wegscheider)

Inzell – Der Salzburger Universitätsprofessor Hofrat Dr. Werner Rainer übergab der Gemeinde Inzell das »Oratorium de Passione Domini Nostri Jesu Christi«, eine Messe für Orgel und Sopranstimmen von Anton Cajetan Adlgasser, dessen Noten er korrigiert hatte. Mit 81 Jahren will er nun mit seinen Forschungen aufhören und hat bereits einen Nachfolger.


Rainer ist Ehrenringträger der Gemeinde Inzell und hauptverantwortlich für die Wiederentdeckung des Inzeller Komponisten Anton Cajetan Adlgasser. Der in Salzburg lebende ehemalige Professor war von 1964 bis 1972 Direktor des Archivs der Salzburger Festspiele und von 1973 bis zu seiner Pensionierung 2003 Direktor der Universitätsbibliothek des Mozarteums. Eine seiner großen Leidenschaften ist der Komponist und Organist Anton Cajetan Adlgasser. Bereits als Student befasste er sich mit dem Leben und Schaffen des Musikers. Anfang der 1960er Jahre radelte er nach Inzell, um von dem damaligen Heimatforscher und Verfasser des Inzeller Heimatbuchs, Josef Höck, mehr über den Komponisten zu erfahren. Außer einem Eintrag im Taufbuch der Pfarrei Inzell war jedoch nichts vorhanden.

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Daraufhin begann Rainer nachzuforschen und machte Adlgasser zu seinem Lebensthema. Der Vorgänger und zeitweise auch Kollege von Wolfgang Amadeus Mozart und Michael Haydn am Hof des Erzbischofs von Salzburg durfte seiner Meinung nach nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb schrieb Dr. Werner Rainer 1964 seine Dissertation über den Inzeller Komponisten und erhielt dafür den Förderpreis des Landes Salzburg. 1965 veröffentlichte er unter dem Titel »Anton Cajetan Adlgasser« einen viel beachteten biografischen Beitrag zur Musikgeschichte Salzburgs um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Er recherchierte, forschte nach Lebensspuren und sammelte in Kirchen und Klöstern und anderen Archiven Material. Von den mehr als 200 Kompositionen, die Adlgasser geschaffen hat, sind nicht einmal 100 überliefert.

Dr. Rainer hat in mühevoller Kleinarbeit, soweit eben möglich, für das Auffinden und den Erhalt der Musikstücke gesorgt und letztlich auch den Grundstein dafür gelegt, dass die Werke Adlgassers in der Region wieder aufgeführt werden. Er kümmerte sich um die Abschrift, den Druck und die Herausgabe verschiedener Werke, so auch für das »Oratorium de Passione Domini Nostri Jesu Christi«.

»Ich bin nun 81 Jahre und werde mich von dieser Arbeit zurückziehen«, kündigte Dr. Rainer an. »Doch ich hätte auch schon einen Nachfolger, der meine Arbeit ausgezeichnet weiterführen kann.« Gemeint hat er damit den Musikwissenschaftler und -historiker Pater Petrus Eder, der vom Salzburger Landeshauptmann zum Wissenschaftlichen Leiter ernannt wurde und seit Herbst Kapellmeister von St. Peter in Salzburg ist. Zuvor war er zehn Jahre Pfarrer von Grödig und hat nun reiche Bestände aus St. Peter unter sich. »Das ist genau der richtige Mann, der kann das«, ist Dr. Rainer überzeugt.

Der ehemalige Inzeller Heimatpfleger Willi Preinfalk findet den Abschied von Hofrat Rainer ein wenig schade. »Ich kann mich noch gut an unsere erste Begegnung am 11. Juli 1980 erinnern. Über Jahrzehnte haben wir gut zusammengearbeitet und einiges bewegt.« Bürgermeister Hans Egger dankte Rainer für die Werke und die jahrzehntelange Arbeit. »Seit nunmehr 38 Jahren besteht die Verbindung zur Gemeinde Inzell und Sie haben immer ehrenamtlich viel geleistet und dafür nie ein Honorar verlangt. Ihre Arbeit ist in gewisser Weise ohnehin unbezahlbar. Uns Inzellern ist es sehr wohl bewusst, dass es ohne Sie wohl kaum Erinnerung an Adlgasser geben würde.« hw


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