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Heimat wird groß geschrieben in Inzell – 110 Jahre Trachtenverein

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Festleiter Hias Scheurl (Zweiter von links) zapfte das erste Fass Bier an. Mit ihm auf der Bühne waren der Inzeller Bürgermeister Hans Egger, Andi Hell und Bräu Maximilian Sailer vom Hofbräuhaus Traunstein sowie Vorstand Markus Kötzinger. (Foto: Wegscheider)

Inzell – »Des war numoi so a richtig scheena Abschluss von unserm Fest. Ois hod guad highaut«, war nicht nur die Meinung von Trachtenvorstand Markus Kötzinger. Fast alles ist so gelaufen, wie es sich die vielen Helfer der »Falkstoaner« vorgestellt haben. Über 2000 Trachtler waren zum Gottesdienst und Festzug gekommen und ließen das 110. Gründungsfest im Bierzelt ausklingen.


Beim Festgottesdienst im Kurpark war der Schatten der vielen Bäume sehr angenehm. Der evangelische Pfarrer Thomas Seitz meinte zu Beginn, auch die Christen pflegten die Tradition wie die Trachtler – »deshalb gehören wir auch irgendwie zusammen«. Ruhestandspfarrer Andreas Zehentmair sprach von einem Bild der Lebensfreude, wenn man die vielen Trachtler so sieht. »Die Engel im Himmel müssten ihre helle Freude haben«. Er drückte den »Falkastoanern« seinen Glückwunsch aus für die vielen Jahre des Bestehens.

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Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Inzeller Volksliedchor unter Leitung von Hansl Auer mit der Frillenseemusi und der Musikkapelle Inzell. Der Altarraum war vom Gartenbauverein liebevoll geschmückt worden.

»Was ist Heimat?«, fragte der Pfarrer dann. »Ich kann schon sagen: I bin da Andreas und do bin i dahoam! Aber wie lange noch?« Oft richte sich die Antwort nach der Frage des Geburtsorts, der Familie/Freunde, wo man sich geborgen fühle und keine Angst haben muss. Doch das könne morgen schon anders sein, wenn Unglück oder Katastrophen hereinbrechen.

Hier ging Zehentmair auf das Lied »Momentensammler« von Werner Schmidbauer ein. Umbruchsituationen machten Angst, wenn die Zukunft unplanbar wird. Neues sollte nicht ignoriert werden – es sei auch unsere Aufgabe, auf Veränderungen verantwortlich und sozial zu reagieren. Diese Aufgabe obliege auch den Vereinen, die somit immer gefordert seien. »Heimat ist mehr als Nostalgie, wir erleben Momente von Heimat.« Jesus machte Heimat und Himmel spürbar. Auch in schwierigen Situationen solle man anpacken und eine Heimat schaffen.

In den Fürbitten kam das Thema Heimat klar zum Ausdruck in Bezug auf Natur und Umwelt, Tradition und Brauchtum und als Ort des Friedens. Markus Kötzinger ehrte die Verstorbenen für die Trachtenarbeit, die den Grundstein legten für den heutigen Verein.

Schirmherr Landrat Siegfried Walch gratulierte den Falkastoanern zu 110 Jahren Trachtenarbeit. »Eine gesunde Ortsgemeinschaft lebt von Kümmern und ein soziales Miteinander haben die Trachtler an den Tag gelegt. Heimat ist ein Gefühl, aber für jeden Einzelnen etwas anderes«. Walch sah Inzell als seine Heimat. Toleranz und Weltoffenheit begännen bei der Liebe zum Heimatland, die Trachtler gehörten dazu. Als Ausdruck seines Stolzes als Schirmherr überreichte er durch Fahnenbraut Anna Reiter ein Fahnenband zur Erinnerung an des 110-jährige Vereinsbestehen.

Bürgermeister Hans Egger lobte den »absolut scheena Festabend«, der in seinen Augen sehr beeindruckend war. Die Trachtler hätten gezeigt, dass der Verein auf wirklich gesunden Füßen steht. Als Sportgemeinde sei die Zusammenarbeit mit den »Falkastoanern« immer vorbildlich und man spüre, dass das Brauchtum bei kirchlichen und kulturellen Festen gelebt wird.

Gauvorstand Peter Eicher gratulierte im Namen der Trachtenvereine. Er erinnerte an Pauli Gambs, der 15 Jahre an der Spitze des Gauverbands stand und sich sehr für die Trachtensache einsetzte. Für Eicher ist die Jugendarbeit wertvoller Bestandteil der Trachtensache. Hier habe sich Inzell schon früh einen Namen gemacht durch Danei Egger und Herbert Scheurl. »Die Trachtensache lebt in Inzell auch, weil sich die Menschen an Werten orientieren. Das kommt auch zum Ausdruck bei den vielen Musikgruppen im Trachtenverein«, so der Gauvorstand.

Anschließend marschierten die über 2000 Trachtler durch den Ort bis zum Festzelt, in dem die Festwoche bei Tänzen und Musik beendet wurde. hw