Gewässerentwicklungsplan ausgearbeitet – Wiederherstellung natürlicher Bachläufe als Ziel

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Ganz oben auf der Liste der Zielsetzungen steht, natürliche Bachläufe zu schaffen. Ein Beispiel, wie es sein soll, gibt der Falkenseebach. (Foto: Bauregger)

Inzell – Als letzte Kommune im Zuständigkeitsbereich des Wasserwirtschaftsamts Traunstein (WWA) ließ nun auch die Gemeinde Inzell einen Gewässerentwicklungsplan ausarbeiten. Erfasst und untersucht wurden seit 2019 Gewässer dritter Ordnung sowie Gewässer dritter Ordnung mit Wildbachcharakter, bei denen die Unterhaltspflicht bei der Gemeinde liegt.


Landschaftsarchitekt Wolfgang Schuardt aus Traunstein stellte dem Gemeinderat nun die Ergebnisse der Erhebungen, die Ziele und die vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen vor. Die Gemeinde möchte jetzt verschiedene Maßnahmen in enger Absprache mit den jeweiligen Grundeigentümern auf freiwilliger Basis auch umsetzen. Wie der Vortragende betonte, geht es vorrangig um Verbesserungen für die Ökologie der untersuchten Gewässer.

Der Entwicklungsplan wurde 2019 mit dem Ziel in Auftrag gegeben, alle betreffenden Gewässer in den Tallagen vollständig aufzunehmen und deren Zustand in einer Bearbeitungsbreite von 20 Metern beidseits der Gewässer zu dokumentieren. Nach Angaben des WWA sind in Inzell circa 35,6 Kilometer der Bäche, einschließlich ausgebauter Wildbäche, als Gewässer dritter Ordnung deklariert. Aus der Bearbeitungsbreite ergibt sich so eine untersuchte Fläche von circa 140 Hektar. 80 Hektar davon befinden sich in den Tallagen, 60 Hektar in den Waldbereichen und Moosgräben.

Gewässer mit Wildbachcharakter flossen repräsentativ mit einem etwa 10 Prozentanteil an der Gesamtstrecke (circa 80,8 Kilometer) in die Betrachtung ein. Hier wurde allerdings nur ein 10 Meter breiter Bereich links und rechts des Gewässers betrachtet.

Die Gemeinde Inzell hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem Plan und dem daraus abzuleitenden Konzept die Grundlagen für eine nachhaltige, naturnahe Gewässerentwicklung zu schaffen und die abzuleitenden Maßnahmen in den nächsten Jahren umzusetzen. Zugleich soll der Hochwasserschutz verbessert werden.

Begradigt, verbautund verrohrt

Durch das nun ausgearbeitete Gewässerentwicklungskonzept können für die Durchführung auch Fördermittel abgerufen werden. Für die Konzepterstellung stellte das Wasserwirtschaftsamt Traunstein bereits 2018 eine Zuwendung in Höhe von 22.500 Euro in Aussicht.

Wie Landschaftsarchitekt Schuardt anhand eines Kartenvergleichs von 1720 und 1992 aufzeigte, sind viele der ehemaligen Gewässer zwischenzeitlich begradigt, verbaut, verrohrt, zugeschüttet oder versiegt. Im Detail erläuterte er die Ergebnisse der Untersuchungen und die vorgeschlagenen Maßnahmen entlang Gewässern in Einsiedl, Kapell, am Falkenseebach, am Weißenbach, Hammerbach und dem Sulzbach.

In vielen Bereichen dort stellte er unter anderem fest, dass bis direkt an den Gewässerrand gemäht wird und somit Ufer-Hochstauden nicht aufkommen können. Positiv stellte Schuardt fest, dass aber an mehreren Stellen die »zweistreifige Quelljungfer«, eine seltene Libellenart, vorkomme.

Grundsätzlich sollten Quellbereiche eingezäunt und vom Weidevieh freigehalten werden, um Koteintrag in das Gewässer zu vermeiden. Eine Tränke außerhalb dieser Bereiche wäre ideal. Zur ökologischen Verbesserung würden auch abgezäunte Schutzstreifen in einer Breite von etwa einem Meter links und rechts der Gewässer beitragen. So könnten dort ebenfalls verhindert werden, dass Kot vom Weidevieh oder nach einer Düngung durch den Landwirt direkt in das Gewässer gelangt.

Quelltümpel mit seltener Flora und Fauna

Ein fast idealer Zustand wurde entlang des Falkenseebachs festgestellt. Dort gibt es Quelltümpel mit seltener Flora und Fauna sowie ideales Begleitgebüsch in vielen Abschnitten des Bachs. Auch die Tatsache, dass er durch viele Moorgebiete fließt und die Möglichkeit belassen wurde, Mäander auszubilden, wertet der Fachmann als Idealzustand.

Teils massive Verrohrungen an anderen Gewässern sollten – wo irgendmöglich – geöffnet werden, damit wieder natürliche Bachläufe entstehen können. Auch historisch für die Energienutzung oder für Maschinenantriebe in Handwerksbetrieben erbaute Hindernisse wie etwa im Bereich der Maiermühle oder im Hammerbach bei Kienau sollten zumindest mit einer natürlich angelegten Umgehung wieder durchgängig gemacht werden. Wenig ästhetisch wirken laut Schuardt zudem die massiven Verbauungen im Bereich Boden. Auch hier könnte einiges verbessert werden.

Als Entwicklungsziele nannte der Fachmann folgende Maßnahmen: Wiederherstellung der natürlichen Lauf- und Bettentwicklung, Verbessern der Gewässerbettstruktur und der Strömungsvielfalt, Dämpfen von Abflussspitzen, Fördern gewässerverträglicher Auennutzung und der Beschattung, Entwicklung natürlicher Auen- und Ufervegetation, Herstellung der biologischen Durchgängigkeit und das Sichtbarmachen des Gewässerlaufs in der Landschaft.

Auf Nachfragen aus dem Gemeinderat betonte Schuardt, dass für das Konzept keine Wasserqualitäten geprüft, sondern nur ökologische Aspekte begutachtet worden seien. Auf die Fragen nach der Zuständigkeit im Falle von Beeinträchtigungen antwortete der Landschaftsarchitekt, dass grundsätzlich alle Maß-nahmen nur auf freiwilliger Basis und in enger Absprache mit den Grundbesitzern erfolgen sollten und können.

Gemeinde trägtdie Kosten

Die Befürchtung, Grundeigentümer könnten an den Kosten der Maßnahmen beteiligt werden, zerstreuten sowohl der Vortragende wie auch Bürgermeister Hans Egger. Ihren Angaben zufolge werden sie in jedem Fall vom Auftraggeber, also der Gemeinde, getragen.

wb