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Ehrungen gab es bei der Musikkapelle Inzell mit (von ganz links und in der vorderen Reihe): Thomas Egger, dem zweiten Vorstand Michael Haßlberger, Franz Maier, Sepp Rieder, Josef Dufter, Hans Egger, Herbert Kress, Rosemarie Hinterseer und Günther Kastner sowie (hinten von links) Martin Maier, Korbinian Maier, Johann Maier, Wolfgang Dufter, Bernhard Grill und Gerhard Egger. (Foto: Bauregger)

Frühlingshafte Blasmusik begeisterte nicht nur die Mütter

Inzell – Die Freude war den Musikanten der Musikkapelle Inzell anzumerken, nach den Coronabeschränkungen nun endlich wieder ihr Muttertagskonzert im Festsaal geben zu können. Dass sie von ihrem Dirigenten Albert Galimzanov seit Februar gut darauf vorbereitet worden waren, ließen sie gleich beim Eröffnungsmarsch »Schöne Marketenderin« schwungvoll hören. Vorstand Martin Maier freute sich, dass der Saal voll war und darunter auch viele Mütter waren.


Sprecher Quirin Scheurl kündigte die Konzertstücke an und strapazierte mit lustigen Anekdoten und Witzen die Lachmuskeln der Zuhörer. Applaus erntete er etwa, als er die Arbeit der Mütter mit einer Notfallmanagerin mit permanenter, 24-stündiger Rufbereitschaft und Wochenenddienst verglich. Im Mittelpunkt stand aber die Blasmusik.

Mit der spanischen Ouvertüre »Alcazar« wurden andalusische Lebensfreude und Temperament musikalisch transportiert. Bemerkenswert frisch, dynamisch und wendig vermochten es die 34 Musiker, unter dem exakten Dirigat Galimzanovs die »feurige« Botschaft der Komposition stilecht rüberzubringen. Die von Scheurl beschriebenen Stimmungen während eines Sonnenaufgangs spiegelten sich musikalisch im Konzertwalzer »Aufgehende Sonne« wider. So wie sich in der Natur zuerst nur filigranes Morgenlicht zeigt, begann das Stück mit bedächtig stillen Sequenzen und steigerte sich bis hin zum majestätisch kraftvollen »Sonnenaufgang«.

Beim Solostück »Sweet Clarinet« war dann der Klarinettensatz der Kapelle gefordert, nach so viel Aufbruchstimmung die Zuhörer wieder zu erden und mit ihnen, gemütlich swingend, in der Sonne oder über die frühlingshaften Wiesen zu schlendern. Im gefühlvollen Konsens mit dem Dirigenten und der Gesamtkapelle gelang dies den fünf Solisten exzellent. Danach war's mit der Gemütlichkeit vorbei, als sich die Kapelle mit der »Polka ins Glück« auf die Suche nach demselben machte. Im Stile mitreißender böhmischer Blasmusik zeigten sich die Musikanten erneut sehr agil, spielten sich die Themen von Register zu Register fast spielerisch zu, setzten solistische Akzente und erzeugten »Gänsehautgefühl« durch eine fulminante, kraftvolle Dynamiksteigerung am Schluss.

Genauso frisch eröffnete die Kapelle den zweiten Teil des Programms mit der ebenso ausdrucksstarken Polka »Einfach unvergesslich«. In der Folge galt es für zwei Solisten, ihre Instrumente und ihr Können in Szene zu setzen. Beim Konzertstück »Der Lieblingstrommler« präsentierte Markus Dufter an der kleinen Trommel meisterhaft die Ausdrucksformen dieses Rhythmusinstruments, wie etwa mitreißende Wirbel.

Mit »Die Rast am Franz-Josefs-Berg« ist eine »Fantasie für Solo-Flügelhorn« betitelt, derer Soloparts sich Rosemarie Hinterseer annahm. Komponiert mit Stilelementen historischer Reitermärsche und vielen Tempo- und Rhythmuswechseln, war dieses Werk für die Flügelhornistin genauso fordernd wie für das Orchester. Mit sicherem und klarem Ton bewältigte sie jedoch eindrucksvoll auch schwierige Triller, Melodieläufe, Signale oder Gegensoli mit Bravour.

Albert Galimzanov sorgte mit wirkungsvollen Gesten und visuellen Impulsen beide Male professionell dafür, dass die Solisten sich auf das tragende Grundgerüst der Gesamtkapelle verlassen und ihre Solosequenzen auch als solche ihre Wirkung auf die Zuhörer entfalten konnten. Mit dem Konzertmarsch »Die Sonne geht auf« zündete die Musikkapelle Inzell zum Abschluss noch einmal ein blasmusikalisch mitreißendes Feuerwerk, bei dem das Publikum kräftig mitklatschte.

Wer sich von den Musikanten schon bei der längst verdienten Brotzeit wähnte, musste sich noch ein bisschen gedulden, denn die begeisterten Zuhörer forderten insgesamt drei Zugaben. Dass sie mit den Zugaben »Ein halbes Jahrhundert«, »Böhmische Liebe« und dem Marsch »Mein Heimatland«, aber auch mit dem gesamten Konzertprogramm genau den Geschmack der Konzertbesucher getroffen hatten, zeigten diese der Kapelle schließlich mit euphorischem, lang anhaltendem Applaus.

Hans Egger ist seit 50 Jahren dabei

Im Rahmen des Muttertagskonzerts zeichneten der Vorsitzende des Blasmusik-Bezirksverbands Chiem-Rupertigau, Thomas Egger, und Vorstand Martin Maier verdiente Musiker für langjährige Zugehörigkeit oder besondere Verdienste aus.

Für 15 Jahre erhielten Johann, Martin und Korbinian Maier, Bernhard Grill und Gerhard Egger die Ehrennadel in Bronze. Die Ehrennadel in Silber für 20 Jahre erhielten Rosemarie Hinterseer und Günther Kastner. Die Ehrennadel in Gold für 40 Jahre wurde Franz Maier, Josef Dufter und Herbert Kress verliehen.

Eine ganz besondere Ehrenurkunde des Musikbunds für Ober- und Niederbayern (MON) erhielt der Tenorhornist und Inzeller Bürgermeister Hans Egger für 50-jährige Zugehörigkeit zur Musikkapelle. Er war auch viele Jahre lang Vorstand. Der Musiker, der am längsten aktiv in der Kapelle musiziert, ist der Klarinettist Sepp Rieder. Ihm überreichte Thomas Egger eine Ehrenurkunde für 55 Jahre Zugehörigkeit. Ein Geschenk übergab Martin Maier seinem Vorgänger Wolfgang Dufter, der zwölf Jahre lang die Kasse führte und vier Jahre lang Vorstand war.

wb