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Die Gemeinde Inzell würde das Ortsschild gerne vor die Einmündung zur Max-Aicher-Arena aufstellen. Ab dort sollen dann 50 km/h gelten. Das sieht die Untere Verkehrsbehörde jedoch anders. (Foto: Wegscheider)

»Eine Lösung, wie wir uns das vorstellen, gibt es noch nicht«: Geschwindigkeit im Ortsbereich soll angepasst werden

Inzell – Die Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Bundesstraße 306 war ein lang diskutiertes Thema in der jüngsten Sitzung des Inzeller Gemeinderats. Klar ist, dass etwas getan werden muss. Mit einem Kompromissvorschlag des Landratsamts zeigten sich die Gemeinderäte aber nicht einverstanden. Nun sollen zur Klärung des Sachverhalts noch einmal ein Jurist des Landratsamts und ein Vertreter der Verkehrsbehörde zur Sitzung geladen werden. 


Seit mehr als 20 Jahren gibt es Bestrebungen seitens der Gemeinde Inzell und der Anwohner, die Festlegung »geschlossene Ortschaft« auf der B 306 vom derzeitigen Ortsausgang bei der Tankstelle auf Höhe der Einfahrt Eisstadion/Max-Aicher-Arena zu verlegen. Nach Ansicht der Gemeinde sind die rechtlichen Voraussetzungen einer zumindest einseitigen Bebauung erfüllt. Dadurch wäre auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung möglich. Diese Maßnahme würde die Verkehrssicherheit erhöhen und darüber hinaus die Lärmbelastung vermindern. Mit der Einfahrt zur Max-Aicher-Arena und der Einmündung zum Wertstoffhof sowie dem neuen Gewerbegebiet ist das Verkehrsaufkommen mit Kreuzungen nicht geringer geworden. Vor allem aber die Schulkinder und auch viele Sportler, die von der Sulzbacher Straße kommen und die B 306 überqueren müssen, sind teilweise großer Gefahr ausgesetzt.

Nun wurde von der Unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt mitgeteilt, dass das Ortsschild auf Höhe der Max-Aicher-Arena verlegt werden kann. Voraussetzung ist jedoch, dass wie zum Beispiel in Hammer/Siegsdorf, die zulässige Höchstgeschwindigkeit durchgehend auf 60 km/h festgesetzt wird. Dies bedeutet zwar für die derzeitige Ortsdurchfahrt eine geringe Geschwindigkeitserhöhung, im Gegenzug fallen aber laut Verkehrsbehörde die lärmintensiven Brems- und Beschleunigungsmanöver weg. Durch die gleichbleibende Geschwindigkeit soll sich die Lärmbelastung allgemein verringern. Eine durchgehende Beschränkung auf 50 km/h kommt aus Sicht der Behörde wegen der zu langen Strecke nicht in Frage.

Bürgermeister Hans Egger erklärte, dass man seitens der Verwaltung lange überlegt habe und die Vorgabe der Unteren Verkehrsbehörde als Kompromisslösung ansehen müsse. »Das Thema der Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es ja schon lange und auch Anwohner haben schon viele Briefe geschrieben an höhere Stellen wie zum Beispiel an das Innenministerium«, erklärte das Gemeindeoberhaupt. »Doch eine Lösung, wie wir uns das vorstellen, gibt es noch nicht«. Auch andere Behörden müssen einer zukünftigen Regelung noch zustimmen.

Annemarie Walch (CSU) sieht vor allem Schwierigkeiten beim Einfahren auf die B 306 von der Adlgasser Straße aus. »Beim Linksabbiegen ist es jetzt schon nicht immer ganz einfach und bei 60 km/h wird das bestimmt nicht einfacher.« Maxi Bacher (Junge Liste) brachte die zunehmende Geräuschemission im Dorf zur Sprache, die dann bei 60 km/h sicher nicht geringer werde. Das sieht auch Sepp Tratz (CSU) so, der die 50 km/h im Ort beibehalten will. Seiner Meinung ist die Begründung vom Landratsamt zu vage.

Rainer Tobsch (Bürger für Inzell) befürchtet eine größere Lärmbelastung im Dorf mit 60 km/h und nannte als Beispiel Karlstein, wo es eine lange 50-km/h-Strecke gibt. Hier brachte Geschäftsführer Walter Neudecker den Einwand, dass dagegen eine Klage läuft, da das rechtswidrig sei.

Sepp Rieder (CSU) wies darauf hin, dass die Leitplanke gegenüber der Sulzbacher Straße eine Verschlechterung für Kinder zum Überqueren sei. »Das Ortsschild zur Max-Aicher-Arena zu verlegen wäre ein erster Schritt, denn die Sportstätte ist viel besucht und die Kinder sind permanent gefährdet, wenn sie über die Straße gehen«. Rieder sieht sich zu oft abgespeist von der Behörde.

Zweiter Bürgermeister Michael Lorenz nannte es gar eine Frechheit vom Landratsamt, wenn so eine Lösung angeboten werde. »Sollen wir jetzt in den sauren Apfel beißen? Es ist eine ständige Gefahr für Kinder und diese muss minimiert werden. Ziel ist es doch auch, die Geräuschemission runter zu bringen, aber eigentlich ist es ein Wahnsinn, wenn Geschwindigkeitsminimierungen abgelehnt werden.«

Zu einem festen Beschluss konnten sich die Gemeinderäte letztlich nicht durchringen. Man will sich die Sache noch einmal genau überlegen. Mit der neuen Geschwindigkeitsfestlegung auf 60 km/h bestehe kein Einverständnis und deshalb soll in einer der nächsten Sitzungen ein Jurist eingeladen werden, um eine detaillierte Stellungnahme abzugeben.

Bürgermeister Egger gab noch bekannt, dass die letzte Telefonzelle in Inzell im Mai von der Telekom abgebaut wird.

hw