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Die Stimme des Inzeller Eisschnelllaufens sagt nach 50 Jahren „Servus“

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Inzell: Eisschnelllauf-WM 2019: Infos, Programm und Zeitplan ab Mittwoch, 6. Februar
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In der Max-Aicher-Arena beginnt am Donnerstag die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft der Männer und Frauen. (Foto: Wukits)
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Er hat gut 50 Jahre das Eisschnelllaufen in Inzell mit seiner Stimme begleitet, jetzt ist für Hermann Geiselmann Schluss. Der 80-jährige will sich langsam vom Mikrofon verabschieden und Jüngeren Platz machen.

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Die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft jetzt im Februar wird als Zuschauer in der Max Aicher Arena verfolgen. „Sollte man meinen Rat brauchen, helfe ich gerne“, verspricht er. Geiselmann war in den 60er Jahren als Postler in Inzell beschäftigt. Beim Bau der Kunsteisbahn wurden Helfer und Personal gesucht. „Da ich gut Englisch konnte, bin ich Sprecher geworden“, erinnert er sich. Seine ersten Einsätze hatte er Ende der 60er Jahre. Zunächst zusammen mit Hans-Jörg Kellerer, dem Wirt vom Inzeller Binderhäusel. Mitte der 70er Jahre wurde er als Hauptsprecher aller wichtigen Veranstaltungen im Eisstadion eingesetzt. Weltcup gab es damals noch keinen in Inzell, dafür den legendären „Goldenen Schlittschuh“. „Da sind alle gekommen, die im Eisschnelllaufen Rang und Namen hatten. Welt- und Bahnrekorde waren an der Tagesordnung“, erzählt er. In der Folge kamen die Europameisterschaft und die Sprintweltmeisterschaft. Computer gab es in dieser Zeit nicht, die Sprecher waren von Informationen von Statistikern angewiesen. Diese kamen meistens aus Holland, die wichtigsten Informationen wurden auf Karteikarten notiert. Später als die Computer Einzug hielten, wurde die Arbeit der Sprecher einfacher. Geiselmanns Aufgaben bei Wettkämpfen waren vielfältig. „Wir sind unter anderem dafür zuständig, dass ein Wettkampf richtig abläuft, wir geben Informationen an Trainer, Betreuer und Sportler weiter. Wir weisen auf Startzeiten hin, melden Unterbrechungen und informieren wenn die Eisbereitung ansteht. Am wichtigsten sind die Zwischen- und Endzeiten sowie die Platzierungen für die Zuschauer.“

Höhepunkt die Teilnahme an Olympia in Nagano

Obwohl sich die Arbeit von Hermann Geiselmann in der Sprecherkabine über der 400-Meterbahn abspielt, auf den Kontakt zu den Sportlern hat er großen Wert gelegt. Durch seinen Beruf als Postler kamen viele der Eisschnellläufer zu ihm ins Inzeller Postamt. Dazu gab es legendäre Feste im Kursaal. Unvergessen die Feier zum Gewinn der Goldmedaille von Erhard Keller und Monika Pflug 1972. Natürlich hat Geiselmann auch mit dem einen oder anderen Lapsus zu kämpfen gehabt. „Einmal habe ich den Schirmherrn mit falschem Namen angesagt“, sagt er schmunzelnd. Bei einem Stromausfall wegen massivem Neuschnee, musste er kurzfristig mit einem Megaphon seine Durchsagen machen. Höhepunkt für Hermann Geiselmann war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1998 in Nagano als Sprecher. „Ich war sehr überrascht von der Anfrage, habe aber gerne zugesagt. Wir waren zwei Japanisch- und zwei Deutschsprechende Ansager.“ In dieser Zeit erlebte das deutsche Eisschnelllaufen seine Blütezeit. Gunda Nieman-Stirnemann, Claudia Pechstein und Anni Friesinger sorgten für eine wahre Medaillenflut. Gerne erinnert er sich auch an die letzte Einzelstrecken-WM 2005 in Inzell auf der Freiluftbahn und 2011 die Premiere mit einer WM in der neuen Max Aicher Arena (Über die Entstehung der Arena lesen Sie im Anschluss mehr). Nun ist für Hermann Geiselmann Schluss und für seine Nachfolger hat er einen Tipp: „Wichtig ist die Achtung der Leistung alles Sportler. Als Sprecher sollten alle geltenden Regeln eingehalten werden, daneben sollte aber jeder seinen eigenen Stil entwickeln.“

Der lange Weg von der Freiluftbahn zur modernen Max Aicher Arena

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„Dieser Weg wird kein leichter sein…“, das singt Xavier Naidoo und genau das passt auch, wenn man den Weg zu einer Eisschnelllauf-Halle in Inzell beschreibt. Der Weg dazu ist auch ziemlich lang und nicht nur leicht gewesen. 1965 war es die erste Kunsteisbahn Deutschlands im Freiluftstadion am Zwingsee, die damals schnell den Ruf als eine der schnellsten Eisbahnen der Welt erreichte. Ende der 90er Jahre verlagerte sich der Eisschnelllaufsport immer mehr in die Halle. Zu wetterabhängig waren die Großveranstaltungen unter freiem Himmel. 2005 fand in Inzell die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft noch einmal im Freien statt. Damals reifte konkret der Plan für eine Halle in Inzell. „Wir sind damals in die Vorplanung gegangen“, erklärt der Vorsitzende des DEC Inzell, Hubert Graf. Es sollten allerdings noch vier Jahre lang zähe Verhandlungen zur Finanzierung folgen. In der Folge wurde ein Finanzierungspaket für die Sportstätten in Ruhpolding (Biathlon), Königssee (Bob und Rodel) sowie Inzell (Eisschnelllauf) geschnürt.

 

Vor allem dem ehemaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und damaligen Bürgermeister Martin Hobmaier war es zu verdanken, dass der Startschuss zum Bau der Arena im September 2009 erfolgte. „Er hat einen sehr großen Anteil an der Realisierung“, sagt Graf. Nachdem die Finanzierung durch Bund, Land, Landkreis und Gemeinde in trockenen Tüchern war, entschied sich der damalige Gemeinderat einstimmig für den Bau der Max Aicher Arena. Bereits im März 2011 erfolgte die Einweihung der Arena im Rahmen der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft. Zuvor hatten in Inzell 12 Europa- und Weltmeisterschaften unter freien Himmel stattgefunden.

Dazu kommen 22 Weltcups, von denen drei in der neuen Halle über die Bühne gingen. 36 Millionen Euro hat der Bau der Max Aicher Arena gekostet, sie fasst 6.000 Zuschauer und hat den Namen durch seinen Sponsor, dem Freilassinger Unternehmer Max Aicher. Zuvor hieß es Ludwig Schwabl Eisstadion, benannt nach dem „Vater des Eisschnelllaufens“ in Inzell. Der Name Ludwig Schwabl blieb in Form des Straßennamens „Ludwig-Schwabl-Sportpark“ erhalten. Den Ruf als eine der schnellsten Eisbahnen mit dem besten Eis der Welt hat sich Inzell auch nach dem Bau der Arena erhalten.

Text: Siegi Huber
Fotos: Ernst Wukits