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»Da braucht es ein gutes Gefühl«

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Sein Platz wird in Zukunft wohl mehr auf der Tribüne der Max-Aicher-Arena sein: Eismeister Martin Gambs geht in den Ruhestand. (Foto: S. Huber)

Über 42 Jahre war Martin Gambs als Eismeister im Inzeller Eisstadion für den glatten Untergrund mit zuständig. Seinen letzten Arbeitstag hatte er am Schlusstag der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in der Max-Aicher-Arena. Damit war er wohl einer der dienstältesten Eismeister der Welt. Offiziell wird der 63-jährige am 1. April in den Ruhestand gehen.


Begonnen hatte er seinen Job im Oktober 1976, seinerzeit noch im Freiluftstadion. Gelernt hat Martin Gambs Kfz-Mechaniker. »Als damals die Stelle frei wurde, habe ich mich beworben und wurde dann auch genommen«, erinnert sich der gebürtige Inzeller.

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Kontakt zum Eisstadion hatte er schon als Aktiver der Eishockeymannschaft des DEC Inzell, die damals in der Regionalliga spielte. 1975 schaffte das Team die deutsche Regionalliga-Meisterschaft. »Das war eine tolle Zeit«, erinnert er sich. Er spielte mit seinem Chef als Eismeister, Hubert Dufter, zusammen.

»Eis machen lernt man in der freien Luft, in der Halle ist das nicht mehr so kompliziert«, erklärt er seine Anfänge. »Wir mussten mit jedem Wetter klarkommen. Regen, Schnee, Wind, Kälte oder Sonne, da weiß man, wie gutes Eis gemacht wird«, erklärt er.

Die größte Schwierigkeit war nasser Schnee. Der friert schnell fest und muss dann mühsam runtergehobelt werden. »In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre sind die Wetterverhältnisse so extrem geworden, dass gutes Eis machen im Freien fast unmöglich geworden ist«, meint er.

Das beste Eis unter freien Himmel hatten die Sportler übrigens immer im Oktober. Die Erklärung klingt einfach: »Der Oktober war meistens im ganzen Monat trocken. In dieser Zeit waren immer die weltbesten Sportler in Inzell zum Training. Darum gab es in diesem Zeitraum auch immer die schnellsten Zeiten.«

In dieser Zeit hat Martin Gambs viele Sportler kennengelernt, mit denen er auch heute noch befreundet ist, unter anderem die Olympiasieger Monika Gawenus und Erhard Keller oder den Amerikaner Peter Müller.

Einer der größten Wettkämpfe in diesen Jahren war der »Goldene Schlittschuh« in Inzell. »Da kam die gesamte Weltelite, mit den Weltcups wurde das später anders«, bedauert er. Das Wissen der Inzeller Eismeister war aber auch im Ausland gefragt. Zum Beispiel war Gambs bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville, um den Franzosen beim Eismachen beizustehen.

Um das Geheimnis der seinerzeit schnellsten Bahn der Welt in Almaty in der damaligen Sowjetunion zu lüften, gingen die Inzeller Eismeister auf einen Spionage-Trip. Sie nahmen einfach eine Wasserprobe vom angrenzenden Staudamm mit in die Heimat. Dort wurde festgestellt, dass das Wasser sehr weich – wie etwa Mineralwasser – war. Damit begann in Inzell die Zeit des sogenannten Osmosewassers. Hier werden dem Wasser sämtliche anderen Stoffe entzogen.

Für Martin Gambs und die anderen Eismeister begann im Dezember 2010 mit dem Betrieb der Max-Aicher-Arena eine neue Zeitrechnung. Das Eismachen wurde zwar leichter, weil man nicht mehr von der Witterung abhängig war. Trotzdem gab es einiges zu beachten. Beim Training herrschen in der Arena plus 10 Grad, bei rund 5000 Besuchern beträgt die Temperatur bis zu plus 14 Grad.

»Da braucht es ein gutes Gefühl, weil sich die Oberflächentemperatur des Eises ändert. Bei der letzten WM jetzt im Februar haben wir nicht gewusst, wo wir stehen. Wir hatten schon länger keine Großveranstaltungen mehr. Der Maßstab für gutes Eis ist aber eine WM. Die Sportler geben alles und finden gutes Eis selbstverständlich. Wir haben das aber ganz gut hinbekommen, von den guten Zeiten waren wir aber trotzdem überrascht«, so Gambs.

Zu beachten ist zum Beispiel, dass die Sprinter auf den kurzen Strecken eher weiches Eis haben wollen, die Langstreckler stehen auf hartes Eis. Die Erklärung dazu kommt vom ehemaligen Eisschnellläufer Moritz Geisreiter: »»Das hat gute Gleiteigenschaften, der Sportler gleitet und braucht keinen großen Grip, weil sie nicht so schnell wie die Sprinter unterwegs sind. Bei deren Geschwindigkeiten braucht es für den Grip weicheres Eis, das gibt mehr Halt.«

Martin Gambs wird auch im Ruhestand das Geschehen in der Max-Aicher-Arena verfolgen. Derzeit findet bei den Eismeistern in Inzell ein Generationenwechsel statt. »Freilich haben wir unserem Nachwuchs alles gezeigt. Sollten Fragen auftauchen, stehe ich natürlich mit Rat und Tat zur Seite«, verspricht er. SHu