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Biber treibt sein (Un)wesen: Wanderweg unter Wasser gesetzt

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Überschwemmt ist derzeit ein Teil des Wegenetzes im Inzeller Filz, da ein Biber einen Damm baute. Das angestaute Wasser steht auf den Wegen. (Foto: Wegscheider)

Inzell – Viele Wanderer trauten am Wochenende in der Inzeller Filzen ihren Augen nicht: Ein Wanderweg war auf Grund einer Überschwemmung – trotz dauerhaft schönem Wetters – gesperrt und nicht mehr begehbar. Allerdings wurde diese Sperre von vielen »Ungläubigen« ignoriert und so standen die Wanderer schließlich vor einem überfluteten Wanderweg und konnten ihren Weg nicht fortsetzen.


Der Grund für dieses »Hochwasser« war schnell ersichtlich, denn wenige Meter neben dem Wanderweg hatte ein Biber einen großen Baum gefällt und das Wasser mit vielen Ästen aufgestaut.

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Staudamm ist schnell gebaut

Eine Nachfrage beim Inzeller Bauhofleiter Geggo Maier ergab, dass der Biber diesen Staudamm schon vor mehreren Tagen bauen wollte, aber die Bauhofmitarbeiter hatten diesen wieder entfernt, um eine Überflutung des Wanderwegs zu verhindern. Doch das Nagetier ließ sich davon nicht abhalten und baute erneut.

Grundsätzlich darf ohne Biberberater ein Bau des Nagers nicht zerstört werden und deshalb nahm man Kontakt mit dem Landratsamt auf. Sebastian Höck erklärte auf Nachfrage, dass der Biberdamm bestehen bleiben wird. Ziel ist es lediglich, den Wasserstand etwas abzusenken. »Wir werden eine Biberdammdrainage einbauen und den Wasserstand auf ca. 80 Zentimeter absenken. Der Biber braucht diese Wasserhöhe, um unterirdisch in seinen Bau zu gelangen. Somit ist er vor Feinden sicher«.

Überschwemmungen und Vernässungen durch Biberdämme sorgen häufig für Probleme und Ärger, vor allem auch in der Landwirtschaft. Felder werden überflutet und oft sind auch Wege nicht mehr einwandfrei befahrbar. Immer häufiger wird deshalb auf Drainagen zurückgegriffen, das heißt, es werden Kunststoffrohre in den Biberdamm eingebaut, so dass der Wasserspiegel abgesenkt werden kann. Das Wasser wird gelenkt und der überflutete Bereich reduziert. Überschwemmungen und Vernässungen werden vermieden und dem Biber wird seine Lebensgrundlage und Lebensraum nicht zerstört. Dadurch lässt sich oftmals ein Kompromiss für alle Beteiligten finden.

Konflikt zwischen Biber und Mensch

Der Biber baut seinen Damm und der Mensch entfernt ihn wieder – doch so einfach ist das nicht. Denn wenn sich das scheue Nagetier mal was in den Kopf gesetzt hat, ist es auch hartnäckig. In der Inzeller Filzen hat es nämlich nur zwei Tage gedauert, bis der entfernte Damm wieder instand gesetzt wurde. Biber sind wahre Baumeister und verstehen es vorzüglich, Wasser aufzustauen.

Problematisch ist die Entfernung der Dämme für die Biber deshalb, weil der Wasserpegel entsprechend abfällt, teils einen halben Meter und mehr und somit alle Biberröhren und Biberbaue trocken fallen und damit ist der Eingangsbereich nicht mehr unter Wasser und somit nicht mehr geschützt und für den Biber wertlos. Deshalb muss gehandelt werden, denkt sich der Biber. Dann beginnt er wieder mit dem sofortigen Aufbau des Damms. Oft wird dieser noch höher als der vorherige, was die Problematik an der ganzen Sache nicht unbedingt vereinfacht.

Der überschwemmte Wanderweg in der Inzeller Filzen wird auch im Winter von Gästen und Einheimischen benutzt und muss deshalb unbedingt wieder hergerichtet werden. Die Gemeinde wird dies in der nächsten Woche gemeinsam und in Abstimmung mit dem Biberberater des Landratsamtes umsetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Drainagerohre vom Biber akzeptiert werden und der Wasserspiegel wieder gesenkt werden kann. Dann können die Wanderer wieder alle Wege benutzten und brauchen nicht ungläubig vor dem Sperrschild überlegen, wie die Wanderung nun fortgesetzt wird. hw