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550 Kilometer im 26 PS starken Trabi von Sachsen nach Inzell

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Von Sachsen nach Inzell: 550 Kilometer im 26 PS starken Trabi
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Gogge Spannring (links) fuhr mit dem Motorrad Reinhard Frieß, der mit seinem Trabi durch Deutschland unterwegs war, ein Stück entgegen und begleitete ihn nach Inzell. Am Rathaus wartete Irmi Spannring, um dann mit ihnen anzustoßen. (Foto: Wegscheider)

Inzell – Reinhard Frieß, ein langjähriger Stammgast aus Klinga in Sachsen, Landkreis Leipzig, hatte schon lange die Idee mit sich herumgetragen, sich am Tag der Deutschen Einheit mit seinem Trabant von zu Hause aus auf den Weg nach Inzell zu machen. Jetzt setzte er sich in sein Kultauto und begab sich auf die Reise durch die Republik.


In Inzell war er zum ersten Mal mit seiner Frau 1994 gewesen. Seitdem macht er bei Familie Irmi und Gogge Spannring jedes Jahr mindestens einmal Urlaub.

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Frieß hat sich auf seiner 550 Kilometer langen Fahrt, für die er acht Stunden brauchte, sehr über die vielen freundlichen Leute gefreut, die ihm zugewunken haben. »Ich bin alles Landstraße gefahren, weil ich die Autobahn meinem Trabi nicht zumuten wollte«, erzählt er. »Immer wieder haben die Leute mich begrüßt, wohl in Zusammenhang mit dem Tag der Deutschen Einheit. Das hat mir richtig imponiert.«

Der »Trabi« von Reinhard Fries ist mittlerweile 41 Jahre alt und hat fast 68 000 Kilometer auf dem Buckel. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 110 km/h bei 26 PS, das Gefährt hat die Farbe Hellgrau mit »Bali-gelbem« Dach – ein Klassiker seinerzeit. »Auf diesen Trabi habe ich zehn Jahre warten müssen ab der Bestellung. Damals war das so in der DDR«, erzählte das Mitglied der Oldtimerfreunde Ammelshain. »Der Preis lag bei 8000 DDR-Mark. Man musste lange sparen für so ein Auto.«

In der damaligen Zeit hatte es für Normalbürger laut Frieß nur Trabis, Wartburg und Lada aus der UdSSR gegeben. Die Wartezeit sei lange gewesen, »doch wie sagt ein Sprichwort: Vorfreude ist die schönste Freude«. Die Fahrt nach Inzell war die längste Reise, die Reinhard Frieß bisher mit seinem Trabi unternommen hat. Gogge Spannring ist ihm mit seinem Motorrad entgegengekommen. Ab Trostberg fuhr er dann als Begleitperson voraus. Seine Frau Irmi begrüßte ihn in Inzell am Rathaus mit einer Flasche Sekt zur Feier des Tages, ehe sie sich gemeinsam auf den Weg ins Quartier machten. Dabei kam auch die Sonne zum Vorschein, die sich den ganzen Feiertag über sehr rar gemacht hatte. Von dieser Reise wird sicher noch lange erzählt werden. Wenn Reinhard Frieß wieder zu Hause ist, weiß er vieles zu berichten von der langen Fahrt, von der er zur Erinnerung an »30 Jahre Mauerfall« auch einige Videoaufnahmen gemacht hat.

Den Mauerfall wird er nie vergessen: »Ich weiß es noch ganz genau. Ich verlegte in unserem Haus im Zimmer einen neuen Teppich. Mein Vater kam rein und sagte, dass wir unbedingt Fernsehschauen müssen, denn jeder DDR-Bürger konnte nun legal ausreisen. Man konnte es kaum glauben, aber die Freude darüber war natürlich riesengroß«.

Beim nächsten »normalen« Urlaub ohne Trabi kann er dann wieder seinen Hobbys nachgehen und die Natur und die Berge genießen. Schließlich war er schon mit den Spannrings unter anderem auf dem Watzmann und dem Hochstaufen, wo beim Abstieg seine alten DDR- Wanderschuhe den Geist aufgaben. hw