Schulverbandsräte fühlen sich in Sachen Luftreiniger erpresst

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Ein Großteil der Fenster des Grassauer Schulhauses lässt sich nur kippen. Luftfilteranlagen werden nun für alle Klassenzimmer besorgt. (Foto: Eder)

Grassau – Die Klassenzimmer, Fachräume und Büros der Grund- und Mittelschule Grassau sowohl in den Grassauer als auch den Staudach-Egerndacher Schulräumen werden nun mit Luftfilteranlagen ausgestattet. Die Schulverbandsräte (Grassau, Marquartstein, Staudach-Egerndach) entschieden sich zwar für die Anschaffung, jedoch nicht aus voller Überzeugung. Vielmehr sah sich das Gremium dazu gedrängt.


Schon einmal wurde im Verband über die Anschaffung diskutiert, diese aber dann aufgrund der enormen Kosten und der geringen Wirkung abgelehnt. Nun wurde erneut beraten. Wie Schulverbandsleiter Stefan Kattari erklärte, rufe die Staatsregierung auf, nun endlich dafür Sorge zu tragen, dass die Fördergelder für Luftreinigungsanlagen abgerufen werden. »Ich halte das für ziemlich dreist. Wenn die Kommunen diese Filteranlagen anschaffen müssen, muss die Bayerische Staatsregierung auch die Kosten tragen«, so Kattari. Ihm missfalle auch die Art und Weise, wie die Forderung nach Luftfilteranlagen vorgetragen werde und die Kosten auf die Kommunen abgeschoben würden. »Das ist nicht akzeptabel«. Auch sei völlig unklar, wie sich die Lage weiter entwickelt und ob es nach den Sommerferien mit Präsenzunterricht weitergeht.

Entgegen seiner Überzeugung sollten dennoch diese Anlagen angeschafft werden, auch wenn nicht belegt ist, dass die Geräte die gewünschte Entlastung bringen. Um die Option eines Präsenzunterrichts nicht zu untergraben, sei die Bestellung der Geräte notwendig. Als Schulaufwandsträger sind die Kommunen für den Bau und die Ausstattung der Räume zuständig. Die Regierung gewährt eine Förderung der Luftreinigungsgeräte mit bis zu 50 Prozent. Installation und Wartung müssen die Kommunen selbst stemmen.

Marina Pfaffinger, Leiterin des Grassauer Schulamts holte Angebote unterschiedlicher Firmen, die förderfähige Luftreinigungsanlagen anbieten, ein. Für 33 Klassenzimmer, Fachräume und Büros werden 54 Geräte benötigt. Nach Abzug der Förderung müsste der Schulverband je nach Angebot zwischen 88.000 Euro und 95.000 Euro selbst tragen und die Geräte könnten erst Ende des Jahres geliefert werden. Das interessanteste Angebot konnte bei einer Firma aus der Nähe ermittelt werden. Diese bietet kleinere Geräte an, so dass jedes Klassenzimmer mit zwei Geräten ausgestattet werden müsste. Insgesamt müssten 96 Geräte besorgt werden. Die Geräte seien sofort lieferbar und ein Filterpaket gebe es kostenlos dazu. Nach Abzug der Förderung beliefen sich die Ausgaben auf knapp 15.000 Euro.

Schulleiter Georg Tischler betonte, dass er sich für die Anschaffung auf Grund seiner Fürsorgepflicht ausspreche. »Wir müssen alle Möglichkeiten, auch nach den Ferien Präsenzunterricht anbieten zu können, ausschöpfen«, sagte er. Es sei pädagogisch inakzeptabel, dass erneut Distanzunterricht stattfindet. Die Lücken der Schüler seien ersichtlich. Zwei Wochen wurden nun die kleineren Geräte in der Schule getestet. Es finde kein Anblasen der Schüler statt. Zudem arbeiten die Geräte sehr leise. Der Unterricht, so Tischler, werde nicht eingeschränkt. Der Schulleiter sah vor allem im Winter eine große Erleichterung, wenn man sich auf Stoßlüften beschränken könne.

Laut Kattari liege für die günstigen Geräte eine Zertifizierung vor und diese seien auch förderfähig. Wie Dr. Gustl Trimpl erklärte, sei er zunächst gegen die Anschaffung gewesen. Nachdem sich die Pandemie aber weiterentwickle und zudem das Angebot akzeptabel sei, spreche er sich nun für die Anschaffung aus. Martina Gaukler, Bürgermeisterin von Staudach-Egerndach spricht von einer »Unverschämtheit der Regierung«. »Ich fühle mich erpresst. Ohne verbindliche Zusicherung, dass mit Luftfilteranlagen die Schule geöffnet wird, kann ich nicht zustimmen. Wenn wir jetzt nachgeben, bauen wir keinen Druck auf«, sagte sie.

Auch Andreas Scheck, Bürgermeister von Marquartstein sieht die Kommunen unter »starkem öffentlichen Druck«. Man wisse nicht, ob die Geräte überhaupt zum Einsatz kommen oder vielleicht in leeren Klassenzimmern stehen. Zudem sei man sich über die Funktionalität der Geräte nicht einig. »Ich halte das für Geldvernichtung«. Trotzdem werde er zustimmen, da es keine andere Wahl gebe.

Laut Hans Genghammer müsse alles getan werden, um Unterricht in Präsenz anbieten zu können und dies im Sinne der Schüler, der Eltern und der Lehrer. Sie, Elternbeiratsmitglied Elke Frisch, könne den Unmut bezüglich des öffentlichen Drucks seitens der Regierung verstehen. Sie sehe aber auch, dass sich die Anschaffung finanziell im Rahmen halte. So könnten die Schüler mit dem bestmöglichen Gefühl nach den Ferien wieder in die Schule gehen.

Letztlich entschied sich der Rat mit der Gegenstimme von Martina Gaukler für die Anschaffung von 96 Geräten. Gleichzeitig werde der Antrag auf Förderung an die Regierung weitergeleitet.

tb